Zwei Schülerinnen mit Smartphone im Chemieunterricht
Bildrechte: imago images / Westend61

Studie: Kinder und Jugendliche nutzen YouTube vor allem zum Lernen

04.06.2019 | 16:11 Uhr

Soziale Netzwerke, Videos, Chats: Kinder und Jugendliche nutzen das Internet anders als wir Erwachsene. Aber auch sinnvoll! Eine Studie zeigt jetzt: Erklärvideos stehen da ganz hoch im Kurs. Auch in der Schule spielt die Videoplattform YouTube eine immer größere Rolle. Lehrer sehen das allerdings kritisch.

Zwei Schülerinnen mit Smartphone im Chemieunterricht
Bildrechte: imago images / Westend61

Von wegen Katzenvideos! Für Kinder und Jugendliche ist YouTube das Leitmedium, wie eine Studie des Rats für Kulturelle Bildung jetzt zeigt. Fast jeder zweite Schüler schaut auf der Plattform vor allem Lernvideos.

Youtube als Bildungs- und Kulturort

Für die repräsentative Studie wurden 818 Schüler und Schülerinnen zwischen 12 und 19 Jahren befragt. 86 Prozent nutzen demnach YouTube, nur WhatsApp wird noch häufiger genutzt. Fast die Hälfte der Schüler schaut auf YouTube Erklärvideos für den Unterricht - um Hausaufgaben zu machen oder für Prüfungen zu lernen. Auch für kreative Fächer wie Musik, Theater oder Kunst arbeiten die Schüler mit YouTube, holen sich Inspiration und Ideen.

Für die Schüler seien die Videos verständlicher und einprägsamer als die Lehrer im Unterricht. Ein wichtiges Kriterium: dass das Video unterhaltsam und witzig ist. Aber eben nicht nur, sagt Medienpädagogin Vanessa Reinwand-Weiss vom Rat für Kulturelle Bildung:

Die Pädagogin Vanessa Reinwand-Weiss vom Rat für Kulturelle Bildung
Vanessa Reinwand-Weiss vom Rat für Kulturelle Bildung Bildrechte: dpa

Die Jugendlichen suchen sich eben sehr gezielt aus, was sie angucken wollen. Das heißt, sie reagieren nicht nur auf Algorithmen, nicht nur darauf, was ihnen YouTube vorschlägt, sondern sie suchen ganz gezielt nach Inhalten.

Ganz ohne die Schule geht es aber nicht: Über die Hälfte der Schüler wünscht sich Unterstützung von der Schule, um die Videos zu hinterfragen und die Vor- und Nachteile der Plattform zu besprechen.

Lernvideos im Unterricht

Genau da liege auch für die Lehrer das Problem: Bei YouTube kontrolliert keiner, ob das, was im Video erzählt wird, auch wirklich stimmt und ob die Schüler den Inhalt verstanden haben. Für Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband könnte genau da die Kompetenz der Lehrer liegen:

Es bricht sich keiner einen Zacken aus der Krone, wenn er Schüler auf ein gutgemachtes YouTube-Video hinweist.

Ein Schüler wischt auf einem Tablet herum während er im Klassenraum sitzt.
Viele Schülern lernen mittlerweile online. Bildrechte: Colourbox.de

Dann seien die Videos eine Ergänzung zum Unterricht. Wo früher Klassenkameraden Fragen untereinander beantwortet hätten, kämen nun die Erklärvideos als neues Element hinzu - den Unterricht ersetzen würden sie nicht.

Eltern in der Pflicht

Auch der Rat für Kulturelle Bildung sieht die Schule in der Pflicht.

Eine Empfehlung des Rates ist, dass in der Schule YouTube vermehrt auch Thema sein sollte, oder Webvideo-Erstellung. Das wünschen sich im Übrigen auch die Jugendlichen.

Medienpädagogin Vanessa Reinwand-Weiss appelliert auch an die Eltern. Demnach sollten sie sich wie auch die Lehrer dafür interessieren, was die Kinder und Jugendlichen im Netz machen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 04. Juni 2019 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 16:54 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP