Blitzshow bei Leipzig, aufgenommen von einem Stormchaser aus dem Erzgebirge
Bildrechte: Bernd März

Sturmjäger aus Erzgebirge schießt spektakuläre Unwetter-Fotos

21.03.2019 | 16:04 Uhr

Wenn Donner rumpelt, Wolken sich dunkel zusammenballen und die ersten Windböen über das Land fegen, suchen die meisten Menschen Schutz. Sturmjäger dagegen fahren am liebsten raus, wenn Unwetter über Deutschland wüten. Einer von ihnen ist Bernd März aus Annaberg-Buchholz.

Blitzshow bei Leipzig, aufgenommen von einem Stormchaser aus dem Erzgebirge
Bildrechte: Bernd März

Rund 50 Tornados treten jedes Jahr in Deutschland auf. Dazu kommen schwere Stürme im Frühling und Herbst, Gewitter mit Hagel und extremen Regenfällen im Sommer und Winterstürme: Solche Unwetter können in den nächsten Jahren noch häufiger auftreten als jetzt schon, warnt der Deutsche Wetterdienst. Auslöser seien die steigenden Temperaturen durch den Klimawandel.

Mittendrin im Sturm

Für Bernd März aus Annaberg-Buchholz hat die Zunahme von Unwettern ganz konkrete Folgen: Er hat dann bessere Arbeitsbedingungen. Der 33-jährige arbeitet als Sturmjäger (englisch: Stormchaser). Die wissen dank spezieller Apps oft schon Tage im Voraus, in welchen Gebieten es bald "kracht". Bernd März geht so nah wie möglich an Gewitter und Stürme ran. Die Fotos und Videos verkauft er an Zeitungen, Fernsehsender und Onlinemedien. Früher habe er Angst vor Gewittern und Stürmen gehabt, sagte Bernd März MDR JUMP:

Sturmjäger Bernd März aus Annaberg-Buchholz
Bildrechte: Bernd März

Nach der Angstphase war ich aber neugierig und hab viel drüber gelesen, vor allem aus den USA. Und hab dann immer mehr verstanden wie extremes Wetter entsteht. Und jetzt bin ich ziemlich fit darin, extremes Wetter einzuschätzen und vorherzusagen.

Ihn fasziniere, welche Bilder die Natur dabei an den Himmel zaubere. Kein Bild von einem Sturm gleiche dem anderen. Für seine Aufnahmen reist Bernd März kreuz und quer durch Deutschland, durch Rumänien, Ungarn, Österreich und Holland: Immer auf der Suche nach dem nächsten spektakulären Unwetter.

Kein ungefährlicher Job

Bernd März spricht mit hörbarem Respekt über seine Arbeit ganz nah am Sturm. Die habe ihn schon ein paar Mal in brenzlige Situationen gebracht:

Ganz am Anfang meiner Arbeit gab es Tornados im Erzgebirge. Ich wollte mich selber noch in Sicherheit bringen und stand dann mit meinem Bruder mitten im Tornado. Ich hab gesehen, wie sich rechts und links alles gedreht hat und vor mir und hinter mir sind Fichten umgefallen.

Sturmfluten in Norditalien 2016
Bildrechte: Bernd März

Bei einer Sturmjagd in Hessen habe es in kurzer Zeit so viel geregnet und gehagelt, dass ein Fluss innerhalb kurzer Zeit auf drei bis vier Meter anstieg. Vor der Hagel-Schlammwalze konnte sich Bernd März mit seinem Auto gerade noch auf ein nahes Feld retten.

"Wetterextreme nehmen zu"

Sturmjäger März sieht in der Praxis, wovor die Wetterexperten mit Blick auf den Klimawandel warnen:   

Vor zehn, fünfzehn Jahren gab es noch einfache, leichte Gewitter. Und mittlerweile gibt’s nur noch heftige Gewitter mit Hagel, Böen und Überschwemmungen.

Diese Fotos von Wetterextremen hat Bernd März gemacht:

Eine Schneefräse räumt eine Straße. Daneben ein meterhoch eingeschneites Auto.
Bildrechte: MDR/Bernd März
Eine Schneefräse räumt eine Straße. Daneben ein meterhoch eingeschneites Auto.
Bildrechte: MDR/Bernd März
Blitzeinschlag auf einem Feld
Bildrechte: imago/Panthermedia
Eine Straße hat sich in einen wilden Bach verwandelt.
Bildrechte: MDR/Bernd März
Aufräumarbeiten nach Hagelschauern im Erzgebirge
Bildrechte: Bernd März
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 24. März 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2019, 16:04 Uhr

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