BGH klärt Streit um Lärm in Wohnungen

In der Wohnung über dir wird offenbar für Nordic Walking trainiert – und du hörst jeden Schritt. Das muss nicht sein!

Mann verlegt Fußbodenbelag
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In einem 1962 gebauten Haus mit Eigentumswohnungen liegen die Nerven blank. Seitdem Fliesen statt Teppich in der Dachgeschosswohnung liegen, ist es viel lauter. Die Wohnung war 1995 ausgebaut und zunächst mit Teppichboden ausgestattet worden. 2008 war der Teppich verschlissen und wurde durch Fliesen ersetzt. Als dann jeder Schritt zu hören war, ließen die genervten Bewohner der darunter liegenden Wohnung ein Gutachten machen. Das ergab, dass der zulässige Trittschallpegel von 53 Dezibel um 14 Dezibel überschritten war.

Die Eigentümer der Wohnung darunter ziehen vor Gericht. Der Fall landet zunächst vor dem Amtsgericht, dann am Landgericht und schlussendlich haben die Richter am Bundesgerichtshof entschieden: Die Grenzwerte des Trittschallschutzes sind überschritten. Der Dachgeschossbewohner muss Schallschutzmatten oder einen anderen geeigneten Belag verlegen, um den Trittschall zu verringern. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski erklärt:

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Als der Mann seine Fliesen eingebaut hat, so sagt der BGH, musste er die Trittschallgrenzwerte von 1995 und nicht von 1962 einhalten. Das hat er nicht getan, ergo: er muss den Trittschall verbessern. Das Urteil ist rechtskräftig.

Anders ist das übrigens bei Mietwohnungen, so Thomas Kinschewski:

Wer als Mieter unter Trittschallmängeln leidet, der hat einen klassischen Mietmangel, wie Schimmel oder feuchte Wohnung. Der kann von seinem Vermieter verlangen, dass der bauliche Maßnahmen ergreift, um den Trittschall auf die gesetzlichen Grenzwerte zurückzuführen und wenn der Vermieter das nicht tut, hat der Mieter das Recht auf Mietminderung, solange wie der Trittschall wirklich die Grenzwerte überschreitet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 04. Juli 2020 | 12:45 Uhr

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