Helfern helfen Kochen für Helden: Wie Sternekoch Pietsch in der Corona-Krise hilft

Zwei Sternerestaurants führt Robin Pietsch in Wernigerode. Da er beide wegen der Corona-Pandemie schließen musste, hat er aus der Not eine Tugend gemacht: Er kocht nun ehrenamtlich mit seinem Team für alle Helfer in der Krise.

Robin Pietsch mit verpacktem Essen.
Robin Pietsch mit einer seiner Speisen für Helden. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

"Habt ihr auch überall Sauce, Jungs? Es gibt nichts Schlimmeres als trockene Nudeln." Letzte Vorbereitungen, bevor Sternekoch Robin Pietsch mit seinem Team aufbricht. In Plastikschalen werden Tagliatelle mit einer Schinken-Speck-Sauce verpackt, davon rund 100 Portionen.

In seiner Küche im Restaurant Zeitwerk in Wernigerode kocht der Sternekoch normalerweise Mehrere-Gänge-Menüs. Viele kleine, kunstvolle Gerichte für ein exklusives Publikum. An diesem Tag verlassen die Küche weniger edle Gerichte, in weniger edler Aufmachung – und in viel größerer Stückzahl als sonst. Dafür ist der Grund, aktuell in der Küche zu stehen, umso edler.

Trotz Restaurantschließung in der Küche

Robin Pietsch und Florian Raake
Robin Pietsch (r.) und immer an seiner Seite: der Leiter seines Restaurants "Zeitwerk". Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Robin Pietsch und sein Team machen bei "Kochen für Helden" mit. Eine in Berlin gestartete, deutschlandweite Aktion von Restaurants und Köchen. Weil die Gaststätten wegen der Corona-Pandemie sehr plötzlich schließen mussten, seien die Lager noch voll gewesen, erzählt Robin Pietsch. Um die Lebensmittel nicht verderben zu lassen und um in dieser herausfordernden Situation zu helfen, verarbeiten die Köche sie nun zu Gerichten. Und verteilen diese an alle, die in dieser Zeit unser System am Leben erhalten.

Wir haben bisher nur positiven Zuspruch bekommen. Es ist der Wahnsinn, die Leute freuen sich darüber, wenn man in dieser Zeit einfach Solidarität zeigt.

Robin Pietsch, Sternekoch aus Wernigerode

Kochen für alle, die helfen

Seit einer Woche liefert er mit seinem Team an unterschiedliche Betriebe in der Umgebung Essen aus. Heute mit dabei: Kindergarten, Pflegeheim, Apotheke, Verkäuferinnen einer Drogerie und Lehrerinnen einer Sonderschule.

Es gibt jetzt einfach Menschen, die brauchen es mehr. Und wir haben was zu tun, es war nämlich stinklangweilig, als unsere Restaurants geschlossen wurden.

Robin Pietsch, Sternekoch aus Wernigerode
Zwei Männer und eine Frau bei der Übergabe des Essens.
Pietsch und sein Kollege Florian Raake (v.l.) bei der Essensübergabe ans Kinderland Pusteblume. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Andrea Schneevoigt ist die Leiterin des Kinderlands Pusteblume. Sie wollte mit der Aktion des Sternekochs ihre Kollegen überraschen und ihnen etwas Gutes tun. "Für mich sind nicht nur meine Kollegen, sondern auch Robin und sein Team Helden", sagt sie.

Dieses Feedback bekommt Pietsch häufiger. "Die Resonanz der Leute ist unglaublich. Sowohl von denen, die sagen 'Hey, kommt zu uns' bis zu den Leuten, die uns etwas sponsern."

Auf Spenden angewiesen

Denn damit die Aktion weitergehen kann, muss auch Nachschub da sein. Viele Restaurants und Händler haben auch Lebensmittel gesponsert, erzählt Robin Pietsch. Da aber auch Materialien wie Verpackung oder Benzin für die Auslieferungen bezahlt werden müssen, hat er gleichzeitig eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Einnahmen kommen nämlich bei Pietsch wie auch bei seinen Gastronomen-Kollegen aktuell nicht rein. Sein gesamtes Team macht freiwillig bei der Aktion mit. Denn auch der Sternekoch musste, wie viele andere, für seine Angestellten Kurzarbeit anmelden. "Es ist eine Totalkatastrophe und ich denke, da spreche ich für alle Selbstständigen in der Gastronomie. Wir mussten unser Hauptgeschäft von 110 Prozent auf null runterschrauben, von einem auf den anderen Tag", erklärt Pietsch. Aber:

Ich denke, man sollte den Kopf nicht in den Sand stecken. Es wird schon irgendwie weitergehen.

Robin Pietsch, Sternekoch aus Wernigerode

Bewerbung um Essenslieferung per Mail

Junger Koch bereitet Essen vor
Gregor Schumann ist Azubi im Team des Restaurants "Zeitwerk". E Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Die Betriebe können sich per Mail für eine Essenslieferung bewerben. Bisher musste noch keiner Anfrage abgesagt werden. Wer um Hilfe bittet, wird in einen Wochenplan eingetragen, es wird gekocht und persönlich ausgeliefert.

Dabei werde selbstverständlich auf höchste Hygienestandards geachtet: Handschuhe wechseln, immer wieder Desinfizieren, nichts unnötig anfassen. "So lange wir können und so lange wir Sachen haben, werden wir auch weiter kochen. Es kann auch die ältere Dame zu Hhause sein, die einfach nicht mehr rausgehen kann", so Pietsch.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. April 2020 | 19:00 Uhr