Schadensersatz bei brutalem Foul im Fußball

Fouls und Unsportlichkeit sind im Fußball keine Seltenheit. Jetzt aber hat ein Gericht entschieden, dass bei Regelverstößen Schadensersatz fällig werden kann.

Bodenkampf: Fußballspieler im Zweikampf durchpflügen den Rasen.
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Ein Fußballer, der seinen Gegenspieler im Sinne der Regeln des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorsätzlich brutal foult, muss für die dadurch hervorgerufenen Verletzungen haften. Diese Entscheidung hat der 7. Zivilsenat des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts getroffen. Im vorliegenden Fall war der Kläger bei einem Kreisklassenspiel im Mai 2017 bereits in der achten Spielminute gefoult worden und hatte dabei erhebliche Verletzungen erlitten. Der Schiedsrichter ahndete die Aktion mit der Roten Karte.

Verletzung des Gegenspielers billigend in Kauf genommen

In der Begründung des Oberlandesgerichts (OLG) heißt es, dass nicht jeder Regelverstoß zwingend zu einer Schadensersatzverpflichtung führt. Entscheidend sei der Grad des Regelverstoßes und das Maß des Verschuldens. Der Beklagte habe die schwere Verletzung des Klägers billigend in Kauf genommen. Es handle sich um "brutales Spiel" im Sinne der Regel 12 des DFB, so Rechtsanwalt Thomas Kinschewski:

Brutales Spiel liegt vor, wenn ein Spieler übertrieben hart vorgeht und die Sicherheit eines Gegners gefährdet. Ein solcher Spieler muss des Feldes verwiesen werden.

Der Beklagte habe dieses grobe Foul begangen, ohne dass die Spielsituation einen Anlass dafür bot. Er hatte keine realistische Möglichkeit, den Ball zu erobern, teilte das OLG mit.

Aktenzeichen: 7 U 214/1 beim Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 28. November 2020 | 12:10 Uhr

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