Urteil: Vater zu Treffen mit seinen Kindern verpflichtet

Wenn sich Eltern trennen, ändert sich für die Kinder viel. Häufig kümmern sich beide Elternteile weiter um den Nachwuchs. Es gibt aber auch Fälle, wo sich einer aus der Verantwortung stehlen will. Doch das ist nicht zulässig.

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Nach einer Trennung ist ein Vater verpflichtet, seine Söhne zu treffen, wenn die Kinder das wünschen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt entschieden. In dem Fall ging es um einen Mann, der seit drei Jahren nur hin und wieder Kontakt zu den Jungen hatte. Da die Kinder ihren Vater vermissten, erwirkte die Mutter einen Beschluss, der den Mann zum Umgang verpflichtete: Der Vater sollte die Kinder wenigstens einmal im Monat sehen.

Kinder haben Recht auf Umgang mit ihren Eltern

Gegen den Beschluss ging der Mann vor und erklärte, er stehe beruflich und privat unter enormem Druck. Er habe ein neugeborenes Kind, arbeite bis zu 120 Stunden wöchentlich und schlafe nur drei bis vier Stunden pro Nacht. Doch das OLG bestätigte die Regelung. Demnach muss der Mann seine Söhne an einem Sonntag im Monat tagsüber sowie in Teilen der Ferien zu sich zu nehmen. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski erklärt:

Das OLG sagt: Das Elternrecht ist nicht nur ein Recht auf den Umgang mit den Kindern, sondern eine Pflicht. Denn umgekehrt haben die Kinder ein Recht darauf, dass sie gehegt und gepflegt werden und dazu braucht es Mama und Papa. Die sollen sich trennen wie sie wollen, aber es bleibt dabei: der Elternverantwortung kann man sich nicht so einfach entziehen. Weil die Verweigerung jeglichen Umgangs mit dem Kind schädigt das Kind, benachteiligt seine kindliche Entwicklung.

Außerdem merkte das OLG an, der Vater möge seine Belange in den Prioritäten neu ordnen, damit er sich gefälligst um die Kinder kümmern kann, so Kinschewski weiter.

Was, wenn der Vater sich trotzdem weigert?

Das kann teuer bis peinlich werden. Der Vater muss wissen: Der Beschluss ist vollstreckbar mit Ordnungsmitteln. Das heißt Ordnungsgeld und das kann in die Tausende gehen. Und wenn ich das Geld nicht bezahlen kann oder will, dann gehe ich ins Gefängnis, dafür dass ich mich meinen Kindern verweigere.

Die Entscheidung ist nicht anfechtbar.

Aktenzeichen: 3 UF 156/20 beim Oberlandesgericht Frankfurt am Main

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 05. Dezember 2020 | 12:10 Uhr

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