Urteil: Kinderwunschbehandlung von der Steuer absetzbar?

Alleinstehende Frauen können normalerweise die Kosten für eine künstliche Befruchtung nicht von der Steuer absetzen. Unter bestimmten Voraussetzungen gilt das aber nicht mehr, hat jetzt ein Gericht entschieden.

Eine schwangere Frau
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Die Kosten für künstliche Befruchtungen von alleinstehenden Frauen können unter bestimmten Umständen als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden. Das teilte der Finanzgerichtshof Münster mit.

Kinderwunschbehandlung ist teuer

Die Klägerin war nach einer Krankheit unfruchtbar geworden. Die 40-Jährige alleinstehende Frau hatte eine Kinderwunschbehandlung inklusive Samenspende in Höhe von 12 000 Euro bei der Steuererklärung angegeben. Doch das zuständige Finanzamt hatte das mit der Begründung abgelehnt, solche Kosten seien nur bei verheirateten oder einer in fester Beziehung lebenden Frau bei der Steuerlast abzugsfähig.

Gericht leht Entscheidung des Finanzamtes ab

Das sah der Finanzgerichtshof nun anders: Der Familienstand spiele keine Rolle. Die Zwangslage bei unfruchtbaren Frauen werden durch die Krankheit hervorgerufen, nicht durch eine Ehe oder Partnerschaft, hieß es in der Begründung. Auch gehe es um einen krankheitszustand und nicht um das Alter der Klägerin. MDR JUMP-Rechtsexprte Thomas Kinschewski:

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Das Finanzgericht hat gesagt, Leute, die Zeiten ändern sich. Auch mit 40 ein Kind zu kriegen, ist doch völlig normal. Und wir wissen alle, auch alleinerziehende Mütter sind in der Lage, Kinder groß zu bringen und zu vernünftigen Menschen heranzuziehen. Da darf es also keine Rolle mehr spielen, ob man in einer Beziehung lebt oder nicht.

Schwangerschaften von Frauen über 40 seien nicht ungewöhnlich. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung hat der Senat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.

Az.: 1 K 3722/18 E

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 08. August 2020 | 12:40 Uhr

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