Mülltonne mit Lebensmitteln (Symbolbild)
Lebensmittel in einer Mülltonne gehören bei vielen Supermärkten zum alltäglichen Bild. Bildrechte: imago images / viennaslide

Zu viel Essen in der Tonne: Wird "Containern" bald erlaubt?

05.06.2019 | 15:54 Uhr

Fast ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen im Müll. Besonders voll sind die Tonnen vieler Supermärkte. Teilweise noch verwertbare Produkte werden weggeworfen. Bisher ist es verboten, dieses Essen aus dem Supermarkt-Müll zu holen. Das könnte sich aber bald ändern.

Mülltonne mit Lebensmitteln (Symbolbild)
Lebensmittel in einer Mülltonne gehören bei vielen Supermärkten zum alltäglichen Bild. Bildrechte: imago images / viennaslide

Definition: Containern

Containern wird auch "Mülltauchen" genannt. Es bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Mülltonnen oder Containern. Das Containern erfolgt oft bei Abfallbehältern von Supermärkten, aber auch bei Fabriken. Es wird oft von Obdachlosen und von Aktivisten betrieben.

Für das sogenannte Containern wurden im Januar zwei Studentinnen in Bayern zu einer Geldbuße verurteilt. Sie haben Lebensmittel aus Mülltonnen eines Supermarktes in Bayern geholt. Es ist nicht der erste Fall, bei dem das Retten von noch genießbaren Lebensmitteln zu einer Anzeige bei der Polizei geführt hat. Denn auch wenn Lebensmittel bereits im Müll gelandet sind, bleiben sie rein rechtlich Eigentum des Supermarktes.

Soll Containern legal werden?

Jetzt diskutiert die Konferenz der Justizminister, ob Containern in Deutschland straffrei werden soll. Der Antrag stammt vom Hamburger Justizsenator Till Steffen. Wenn dieser Vorschlag nicht umgesetzt wird, ist eine weitere Idee, ein Wegwerfverbot für Supermärkte einzuführen. Ein ähnliches Gesetz gilt in Frankreich seit 2016. Große Lebensmittelmärkte müssen unverkaufte Nahrung an ehrenamtliche Organisationen verschenken. Formulieren die Justizminister einen entsprechenden Antrag, muss sich die Bundesregierung damit befassen. Was bei der Konferenz entschieden wird erfahren wir am Donnerstag.

Pro & Contra: Containern

Es ist ein oft diskutiertes Thema. Wir haben einige der häufigsten Argumente für und gegen das Containern zusammengetragen.

Pro Containern

  • Zu viele Lebensmittel landen im Müll, obwohl sie noch genießbar wären, aber das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Contra Containern

  • Die Mülltonnen der Supermärkte stehen oft auf Privatgelände. Das darf nicht betreten werden.
  • Produkte aus den Tonnen können mit Bakterien oder Keimen belastet sein.

Ablehnung aus Sachsen

Den Vorschlag seines Kollegen aus Hamburg unterstützt das Justizministerium Sachsen nicht, da es sich dabei um Diebstahl handeln würde. Thüringen Justizminister Dieter Lauinger fordert hingegen die Einführung des französischen Models und damit die Pflicht, Lebensmittel zu spenden.

Alternative: Lebensmittel spenden

Einige Supermärkte und Discounter spenden schon jetzt übrig gebliebene Produkte an die Tafeln. Bei weitem nicht alles dürfen die meist ehrenamtlichen Mitarbeiter an bedürftige weitergeben. Das haben wir bei der Tafel in Suhl erlebt.

Vorschaubild für das Video, Reporter Richard Schreiber mit Interviewpartner vor einer schwarzen Binde "Die Tafeln. Hier werden Lebensmittel gerettet" 6 min
Bildrechte: MDR JUMP

MDR JUMP Mi 02.01.2019 10:38Uhr 05:44 min

https://www.jumpradio.de/thema/tafel-suhl-abgelaufene-lebensmittel-fuer-beduerftige-102.html

Rechte: MDR JUMP

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Video

Jeder kann Lebensmittel retten

Es muss nicht sein, Lebensmittel auf illegalem Weg zu retten. Mittlerweile gibt es viele Alternativen, um gegen die Lebensmittelverschwendung anzukämpfen. Zum Beispiel können Apps dabei helfen.

Essen in einer Verpackung am Buffet
Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Too Good To Go

Too Good To Go

Die kostenlose App (iOS und Android) verbindet Nutzer mit Restaurants, Hotels und Fast-Food-Ketten. Die bieten etwa zubereitete Mahlzeiten, die sie nicht an Kunden bringen können, zu deutlich reduzierten Preise an. Das klappte im Test des MDR-Magazins Umschau gut. Tester Rico Drochner sagte: "Alle Produkte, die ich heute gebucht habe, habe ich auch bekommen. Wenn man also tagsüber die Abholzeiten checkt und die in den Tagesablauf passen, kann man wirklich Geld sparen und was gegen Verschwendung tun."

Zu gut für die Tonne
Bildrechte: imago images / Christian Mang

Zu gut für die Tonne

Zu gut für die Tonne

Die kostenlose App (Android und iOS) vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz schlägt Rezepte vor: Meist auf Grundlage einer Zutat, die im Haushalt übrig geblieben ist. Die Rezeptideen stammen unter anderem von Sterne- und Promiköchen wie Sarah Wiener, Johann Lafer oder Daniel Brühl. Die App hilft beim Einkauf der nötigen Zutaten und gibt Hinweise zum Lagern und zur Haltbarkeit von Lebensmitteln.

Frische Eier im Korb
Bildrechte: imago images / PhotoAlto

Olio

Olio

Die Gratis-App für Android und iOS will Nutzer mit anderen Nutzern und auch mit Geschäften in der Nähe zusammenbringen. So sollen überflüssige Lebensmittel geteilt, aber nicht weggeworfen werden. Das kann Essen sein, dass jemand nicht mit in den Urlaub nehmen will oder auch Lebensmittel, die abgelaufen sind. Das Ganze funktioniert ohne Geld. Olio ist aktuell in einigen größeren mitteldeutschen Städten aktiv. Das Privat-zu-Privat-Konzept verfolgen auch die Macher hinter den Apps UXA und Share your food.

Frische Brötchen in einer Tüte
Bildrechte: imago images / Udo Kröner

ResQ Club

ResQ Club

Die kostenlose App (Android und iOS) funktioniert ähnlich wie Too Good To Go. Restaurants oder Bäckereien bieten Mahlzeiten oder Lebensmittel an, die sie sonst wegwerfen würden. Die bekommen Nutzer dann für einen günstigeren Preis und holen sie vor Ort ab. Nutzer können bestimmen, dass sie nur vegetarische Gerichte möchten. Nachteil: Das Angebot gibt es aktuell nur für Berlin und Duisburg, weitere Städte sollen folgen.

Krumme Gurken, die nicht der Norm entsprechen
Bildrechte: imago images / Steinach

Etepetete

Etepetete

Der Onlineshop kauft Landwirten Bio-Obst und –gemüse ab, das nicht der Norm entspricht. Diese Lebensmittel würden wegen Makeln oder der krummen Form wegen von Supermärkten abgelehnt. Die krummen Möhren oder Zitronen mit ein paar grünen Flecken werden kostenfrei in ganz Deutschland ausgeliefert. Die kleinste Lieferung kostet aktuell 21,90 Euro für die Kiste mit Bio-Gemüse. Jeder Lieferung liegen Rezepte bei.

Reportagen zum Thema Müll

Experiment Muelltrennung 3 min
Bildrechte: MDR JUMP

MDR JUMP Fr 04.05.2018 10:44Uhr 02:54 min

https://www.jumpradio.de/thema/experiment-muelltrennung-100.html

Rechte: MDR JUMP

Video
Plastik im Biomüll: So kämpft ein Unternehmen dagegen an 5 min
Bildrechte: MDR JUMP

MDR JUMP Fr 11.05.2018 00:00Uhr 04:56 min

https://www.jumpradio.de/thema/muelldetektor-106.html

Rechte: MDR JUMP

Video

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Juni 2019 | 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2019, 16:50 Uhr

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