Ab welchem Alter sollte man ein Instrument lernen?

Blockflöte, Geige, Tuba – wenn Kinder mit dem Musizieren anfangen wollen, haben sie die Qual der Wahl. Aber Experten haben ein paar Tipps zum Wie und Wann des Einstiegs.

Vier Mädchen mit verschiedenen Instrumenten
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„Stille Nacht“, „Leise rieselt der Schnee“, „Oh Tannenbaum“ - Langsam geht sie wieder los, die Zeit der Weihnachtslieder. Doch während früher in vielen Haushalten gesungen und musiziert wurde, werden die Songs heute oft gestreamt oder kommen von CD. Nur etwa 12 Millionen Menschen ab 14 Jahren in Deutschland musizieren nach Statistiken noch regelmäßig selbst. Dazu kommen zwei Millionen Kinder und Jugendliche. Unter den Erwachsenen liegen Gitarre sowie Klavier beziehungsweise Keyboard bei den Instrumenten vorn.

Worauf sollten Eltern achten, wenn sie Kinder zum Musikunterricht schicken?

Lehrerin und Schülerin bei Klavierunterricht
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Wer mit der Musik anfängt startet in jungen Jahren aber auch oft mit der Blockflöte: Die Technik ist leicht zu lernen, man hat vergleichsweise schnell Erfolgserlebnisse – und das Instrument ist nicht allzu teuer. Aber apropos „junge Jahre“ – ab wann lohnt es sich eigentlich ein Instrument zu lernen? Während der Kontakt mit Gesang und Musik zu Hause und bei Angeboten wie der Musikalischen Früherziehung bereits im Kleinkindalter erfolgen kann, braucht es zum Start in die Instrumentalmusik ja zumindest ein paar mehr Voraussetzungen.

„Viele Kinder wollen im Vorschulalter oder als Erstklässler ein Instrument spielen. Dürfen oder können sie das dann nicht, verschwindet dieser Wunsch bald“, so der Musikwissenschaftler Gunter Kreutz von der  Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Psychologische, körperliche und soziale Bedeutungen von Musizieren, Singen und Tanzen unter Laien stehen im Vordergrund seiner Forschungsinteressen. Der Experte argumentiert auch: Der erste Unterricht müsse nicht unbedingt künstlerisch, sondern „menschlich hochwertig sein“. Es sei nicht entscheidend, dass der Pädagoge mal Konzertvirtuose war - sondern ob er einen guten Draht zu Kindern hat.

Flöte verspricht schnelle Erfolgserlebnisse

So um den Schuleintritt herum kann es also richtig losgehen, am besten mit motiviertem und motivierendem Lehrpersonal: Im Idealfall kann der Nachwuchs auch mal testen, welches Instrument ihm oder ihr eigentlich Freude macht: Die Klassiker wie Klavier, Gitarre oder eben Blockflöte – oder aber vielleicht Ukulele oder Percussion? Auch das Spielen einer Violine ist mit speziellen pädagogischen Konzepten schon ab vier Jahren möglich. Wobei die Feinmotorik da schon gut genug ausgeprägt sein sollte – sonst doch vielleicht noch ein bisschen warten. Zumal es so ist, dass man beim Lernen der Violine - im Gegensatz zum Beispiel zur Flöte – nicht wirklich gleich Erfolgserlebnisse hat.

Stefan Flemmerer, Leiter einer privaten Musikschule in München sagt, die Wahl des Instrumentes hänge ein Stück weit auch mit dem Naturell des Kindes zusammen. Für sehr unruhige Kinder seien eher Flöte oder Schlagzeug als ein Saiteninstrument geeignet:

Eine Stradivari Geige
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„Geige, Bratsche und Cello erfordern viel Ausdauer und Geduld. Übrigens auch auf Seiten der Eltern.“

In manchen Fällen müssen die Kids auch einfach noch ein bisschen wachsen – beim Saxophon oder der Tuba zum Beispiel. Wer Blasinstrumente wie Klarinette oder Trompete spielen will, bei dem ist es auch ganz sinnvoll, wenn die bleibenden Schneidezähne schon da sind. Und genügend Lungenvolumen ist auch wichtig.

Veränderungen in der Hirnaktivität

Wir machen aber nicht nur Musik, die Musik macht ein Stück weit auch uns: Wenn Kinder ein Instrument lernen, fördert das nämlich ihre Aufmerksamkeit - und das Arbeitsgedächtnis. Das heißt, die Leistung ihres Gehirns verändert sich. Das lässt sich erkennen, wenn man die Hirnaktivität der Kinder mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) untersucht, die kleine Veränderungen im Blutfluss im Gehirn sichtbar macht. Dabei zeigt sich gesteigerte Aktivität bei den musizierenden Kindern in einigen charakteristischen Hirnarealen. „Ich bin jedoch der Meinung, dass Eltern ihre Kinder nicht nur deshalb anmelden sollten, weil sie erwarten, dass dies ihre kognitiven Funktionen fördert, sondern auch, weil es eine Aktivität ist, die ihnen, selbst wenn sie sehr anspruchsvoll ist, Freude bereitet und die Möglichkeit bietet, eine universelle Sprache zu lernen“, so die beteiligte Forscherin Leonie Kausel von der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile.

Es ist nie zu spät ein Instrument zu lernen

Dass es einen guten Zeitpunkt zum Starten der Musikerkarriere gibt, heißt übrigens nicht, dass sich das Zeitfenster irgendwann schließt: Auch wer spät anfängt, kann ein guter Musiker werden. Darauf deutet eine Studie mit Musikprofis und Zwillingen hin, die am schwedischen Karolinska-Institut und von der Universität Amsterdam durchgeführt wurden. Dabei zeigte sich: Wer vor dem achten Lebensjahr mit dem Musizieren angefangen hatte, war tendenziell tatsächlich etwas musikalischer als die anderen. Das ließ sich allerdings vor allem dadurch erklären, dass diese Menschen im Laufe ihres Lebens einfach mehr Übungsstunden angesammelt hatten. Und Übung macht, so platt der Spruch auch sein mag, tatsächlich die Meisterin oder den Meister.

Die Hirnforschung zeigt, dass das menschliche Gehirn bis zum Lebensende lernen kann. Neuropsychologen der Universität Zürich haben sogar gezeigt, dass Musizieren im Alter gegen geistigen Abbau schützt. Zum Lernen eines Instruments ist es also nie zu spät – man muss vielleicht ein bisschen mehr Arbeit investieren, aber es lohnt sich!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 27. November 2021 | 10:27 Uhr

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