Lehrerstreik GEW
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Unterrichtsausfall droht - Gewerkschaften rufen in Sachsen zu Warnstreiks auf

08.02.2019 |15:11 Uhr

Die Gewerkschaften wollen deutliche Verbesserungen für Lehrer, Krankenpfleger und Behördenmitarbeiter - und setzten dafür in dieser Woche Nadelstiche. Die Folgen dürften viele zu spüren bekommen.

Lehrerstreik GEW
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In Sachsen drohen in dieser Woche Einschränkungen in Ämtern, Schulen und Unikliniken. Konkret sind Arbeitsniederlegungen von Dienstag bis Donnerstag geplant. Dabei sollen an jedem Tag regional unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Warnstreiks in Sachsen

Am Dienstag steht die Region Leipzig mit einer zentralen Kundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz im Mittelpunkt, am Mittwoch folgt die Region Chemnitz-Zwickau zusammen mit dem Erzgebirge, Mittelsachsen und dem Vogtland. Am Donnerstag schließlich sind die Landesbeschäftigten in Dresden, Meißen, der Sächsischen Schweiz und Ostsachsen zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Verdi-Chef Frank Bsirske am Donnerstag in Potsdam, nach mehr als siebenstündigen Beratungen in der zweiten Verhandlungsrunde:

Man muss sagen, dass wir von einem Durchbruch meilenweit entfernt sind.

Die Arbeitgeber hätten auch in der jüngsten Runde kein annehmbares Angebot vorgelegt. Die Gewerkschaften wollen damit den Druck in den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder erhöhen. Sie verlangen unter anderem sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro zusätzlich pro Monat. Roman Schulz vom sächsischen Landesamt für Schule und Bildung:

Das Landesamt für Schule und Bildung bittet Schüler und Eltern für Entschuldigung, wenn es zu Streikbeeinträchtigungen kommt.

An welchen Schulen konkret gestreikt werden wird, kann auch Schulz nicht sagen. "Die Streiks werden im Vorfeld nicht angemeldet, das liegt ja in der Natur der Sache", erläutert der Behördensprecher.

Wir gehen davon aus, dass die Eltern und Schüler im Vorfeld darüber informiert worden sind. Es sollte aber mindestens eine Betreuung stattfinden. Ob überall regulärer Unterricht stattfindet, bezweifle ich.

Zweifel bezüglich der angeblich sichergestellten Schülerbetreuung äußert Ursula-Marlen Kruse, sächsische Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, im MDR JUMP-Interview:

Ein Frau steht im Grünen
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Die Betreuung ist nicht für alle Schüler und Schülerinnen sichergestellt. Wie das Landesschulamt das sicherstellen will, kann ich mir nicht vorstellen. Für die Lehrer und Lehrerinnen, die sich an der Arbeitsniederlegung beteiligen, ruhen sämtliche Dienstpflichten. Die sind auch nicht verpflichtet, Kinder in irgendeiner Weise zu betreuen. Und dass man den Schulbetrieb ohne Probleme aufrechterhalten kann, kann ich mir nicht vorstellen.

Gerade den Lehrern geht es um die sogenannte stufengleiche Höhergruppierung. So fallen zum Beispiel viele Lehrer bei Höhergruppierungen eine Erfahrungsstufe zurück; diese Stufe richtet sich nach der Dauer der Beschäftigung. GEW-Chefin Kruse forderte die sächsische Regierung erneut auf, sich bei den Verhandlungen in Potsdam für eine Lösung des Problems einzusetzen. Die Länderseite weist das als überzogen zurück. Der Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes, Jens Weichelt:

Es geht bei den Lehrern um sehr viel, deshalb sind sie auch kampfbereit.

Mit Blick auf die seit kurzem laufende Verbeamtung junger Lehrer in Sachsen sieht er die "Streik- und Aktionsbereitschaft" nur geringfügig gesunken. Beamte dürfen nicht streiken. Kruse wies darauf hin, dass verbeamtete Lehrer nach der Rechtssprechung aber nicht als Vertretung für streikende Lehrer eingesetzt werden dürfen.

Wann wird wo gestreikt?

Dienstag, 12. Februar: Stadt Leipzig, Landkreis Nordsachsen, Landkreis Leipziger Land; 11 Uhr Streikkundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz (Leipzig); Aufgerufen haben: Verdi & GEW, SLV

Mittwoch, 13. Februar: Stadt Chemnitz, Landkreis Mittelsachsen, Erzgebirgskreis, Landkreis Zwickau, Vogtlandkreis; 11 Uhr Streikkundgebung auf dem Johannisplatz (Chemnitz)
Aufgerufen haben: Verdi & GEW, SLV

Donnerstag, 14. Februar: Stadt Dresden, Landkreis Meißen, Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Landkreis Bautzen, Landkreis Görlitz; 11 Uhr Streikkundgebung vor dem Finanzministerium (Dresden); Aufgerufen haben: Verdi & GEW, SLV

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 08. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 15:11 Uhr

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