Statistisch gesehen verzehrt jeder Deutsche mehr als 34 Kilogramm Zucker pro Jahr. Auf dem Bild essen zwei junge dunkelhaarige Mädchen Zuckerwatte im Park.
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Welche Auswirkungen Zucker auf den Körper hat

11.10.2018 | 10:11 Uhr

Er ist fast überall drin: In Wurst, im Saft und natürlich in Gummibärchen und Schokolade - Zucker. Und er steht im Verdacht, süchtig zu machen. Denn Industriezucker kann der Körper gar nicht abbauen.

Statistisch gesehen verzehrt jeder Deutsche mehr als 34 Kilogramm Zucker pro Jahr. Auf dem Bild essen zwei junge dunkelhaarige Mädchen Zuckerwatte im Park.
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Warum Zucker ungesund ist

An Zucker gewöhnen wir uns schon mit der Muttermilch, die ziemlich süß schmeckt. Später belohnen wir uns dann mit Schokolade, wenn wir einen anstrengenden Tag hatten. Unser Körper braucht Zucker - allerdings keinen Haushaltszucker. Den kann der Körper gar nicht abbauen, leere Kalorien also. Dadurch neigen wir dazu, zu viele Kalorien zu uns zu nehmen. Denn den Zucker, den der Körper wirklich braucht, kann er aus den Kohlenhydraten in Brot oder Nudeln herstellen.

Junge beim Zahnarzt
Zu viel Zucker macht nicht nur schlechte Zähne, sondern schädigt auch das Gehirn. Bildrechte: IMAGO

Zucker kann also nicht nur dazu führen, dass wir zu viele Kalorien zu uns nehmen und dick werden, Zucker kann auch das Gehirn schädigen. Die australische Forscherin Margaret Morris hat in einer Studie herausgefunden, dass Ratten, die viel Zucker und Fett gefressen hatten, sich schlechter an Orte oder Objekte erinnerten als sonst. Normalerweise können sich Ratten sehr gut orientieren. Die Forscherin hatte massive Entzündungen im zuständigen Bereich des Gehirns gefunden.

Außerdem steht Zucker im Verdacht, Diabetes Typ 2 und Adipositas (Fettleibigkeit) zu verursachen. Bisher gehen Wissenschaftler davon aus, dass diese Krankheiten durch zu viele Kalorien im Allgemeinen ausgelöst werden. Der Physiker und Journalist Gary Taubes, der schon mehrere Bücher zum Thema Ernährung veröffentlicht hat, vermutet aber, dass der Zucker selbst, also der Stoff Saccharose, die Krankheiten bedingt. Ähnliche Vermutungen gibt es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Macht Zucker süchtig?

Saccharose, also Zucker, besteht aus Glukose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker). Die Glucose lässt den Blutzuckerspiegel in die Höhe schießen. Die Bauchspeicheldrüse schüttet dann Insulin aus, das den Zucker im Blut in die richtigen Zellen bringt. Dabei übertreibt es die Bauchspeicheldrüse aber manchmal. Dann wird der Zucker durch zu viel Insulin zu schnell abgebaut und wir unterzuckern. Die Folge: Wir werden unkonzentriert, gereizt und hungrig. Zucker macht also Hunger auf mehr, vor allem auf mehr Zucker. Denn der sorgt auch schnell wieder für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Die gesunden Bestandteile unserer Lebensmittel, wie Kohlenhydrate und Eiweiße, werden im Körper langsamer verarbeitet. Dadurch sorgen sie nicht für ein solches Auf und Ab des Blutzuckerspiegels und machen länger satt. Gerät er ganz außer Kontrolle, kann Diabetes entstehen.

Auch das Gehirn wird vom Zucker beeinflusst. Die Dokumentation "Fed Up" zeigt, dass Zucker im Gehirn die gleichen Gegenden aktiviert wie Kokain. Viele Forscher sprechen deshalb davon, dass Zucker süchtig macht.

Wie du es schaffen kannst, weniger Zucker zu essen

Als "trockene Zuckersüchtige" bezeichnet sich Moderatorin und Autorin Anastasia Zampounidis. 2006 hat sie begonnen, den Zucker wegzulassen. Davor hatte sie bereits 3 Jahre lang versucht, weniger Süßes zu essen - erfolglos.

Ich hatte massive Heißhungerattacken, dann die Unterzuckerung, wo man nervös wird, schlecht gelaunt, fast zittrig. Mir ging es schlecht.

Das Problem waren die versteckten Zucker. Zucker steht nämlich nicht nur als Zucker auf der Zutatenliste - es gibt viele Bezeichnungen, die es uns Verbrauchern schwer machen, ihn als solchen zu erkennen. Dazu gehören zum Beispiel Dextrose, Malzextrakt oder Süßmolkenpulver.

Ich bin dann wirklich mit einer Lupe losgezogen im Supermarkt und habe mir alles angeschaut. Ich habe das abfotografiert und im Internet recherchiert.

Anastasia Zampounidis
Bildrechte: Thomas Meyer/OSTKREUZ

Mittlerweile geht das Einkaufen aber einfach, Anastasia isst seit 12 Jahren keinen Zucker mehr. Der Trick: Fast der ganze Einkaufswagen besteht aus frischen Zutaten wie Obst und Gemüse, dazu kommen Reis oder Kichererbsen, nur ein kleiner Teil der Lebensmittel ist verarbeitet. Wenn Anastasia Hunger auf etwas Süßes hat, gönnt sie sich Datteln mit Walnüssen; Schokolade und Co. kommen bei ihr nicht mehr auf den Teller.

Aller Anfang ist schwer, aber mit diesen Tipps kann jeder von uns weniger Zucker essen:

  • Wer Hunger auf Süßes hat, kann statt normaler Schokolade auf Bitterschokolade umsteigen, statt Gummibärchen einen Apfel essen. Die WHO empfiehlt, nicht mehr als 25g (6 Teelöffel) Zucker am Tag zu essen.
  • Eiweißreiche Ernährung macht außerdem länger satt und du hast seltener Hunger zwischendurch.
  • Auch gut: Viel Gemüse essen. Das macht ebenfalls lange satt und ersetzet außerdem Kohlenhydrate wie Brot oder Kartoffeln. Heißhunger ade!
  • Genug trinken, das füllt den Magen und sorgt dafür, dass der Körper gut funktioniert.

Anastasia kocht außerdem selbst. So hat sie immer im Blick, welche Zutaten sie isst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Oktober 2018 | 11:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 10:11 Uhr

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