Wildbienen an einem Insektenhotel
Bildrechte: imago images / Manfred Ruckszio

Weltbienentag: Wissenschaftler fordern mehr Natur in privaten Gärten

17.05.2019 | 15:13 Uhr

Der 20. Mai ist seit dem letzten Jahr Weltbienentag. Damit wollen die Vereinten Nationen darauf aufmerksam machen, dass weltweit die Zahl von Wildbienen und die Bienenarten stark zurückgegangen sind. Jeder kann beim Schutz der Tiere mithelfen und im Garten auf regionale Pflanzen setzen, sagen Umweltschützer.

Wildbienen an einem Insektenhotel
Bildrechte: imago images / Manfred Ruckszio

Einige sind nur vier Millimeter groß, andere sogar größer als ein Zwei-Euro-Stück: In Deutschland gibt es neben den vom Menschen gezüchteten Honigbienen fast 600 unterschiedliche Wildbienenarten, zu denen auch die Hummeln zählen. Alle diesen kleinen Tiere machen für uns Menschen einen extrem wichtigen Job: Sie bestäuben Blumen, Obstbäume und Sträucher.

Nutztiere mit Flügeln

Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) liegt der Wert der Bienen-Arbeit allein in Europa bei über 14 Milliarden Euro. 150 Nutzpflanzen und rund 80 Prozent der Wildpflanzen könnten nur Früchte tragen und sich fortpflanzen, weil sie von den Insekten bestäubt werden. Die wildlebenden Arten spielten dabei möglicherweise sogar noch eine wichtigere Rolle als die vom Menschen gehegten Honigbienen, so der BUND: So würde eine Hummel in der gleichen Zeit fünfmal mehr Blüten besuchen als eine Honigbiene. Prof. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender vom BUND Landesverband Sachsen, sagte MDR JUMP:

Prof. Felix Ekardt bei einem Vortrag.
Bildrechte: Prof. Felix Ekardt

Das ist kein Schönwetter-Thema, das ist auch ökonomisch interessant, weil wir tatsächlich ohne die Bienen gar nicht diese Mengen an Lebensmitteln produzieren könnten.

Lebensmittel im Wert von 500 Milliarden Euro weltweit können ohne Bienenhilfe gar nicht oder nur mit hohem Aufwand entstehen. Wie wichtig die Bienen sind, demonstrierte im letzten Jahr ein Supermarkt in Hannover. Der räumte für einen Tag alle Produkte aus den Regalen, die es ohne die fleißigen Insekten nicht gäbe. Das Ergebnis: Rund 60 Prozent der 2.500 Artikel fehlten dann nach Angaben des Unternehmens.

Stark bedrohte Helfer

Intensive Landwirtschaft, der Einsatz vieler Gifte und die Flächenversiegelung haben allerdings dazu geführt, dass der Großteil der heimischen Wildbienenarten vom Aussterben bedroht ist. Laut Naturschutzbund (NABU) betrifft das jede dritte Wildbienenart. 39 Arten sind sogar schon ausgestorben. Darauf soll der Weltbienentag auch aufmerksam machen. Erste Reaktionen gab es bereits: Die EU verbot im letzten Jahr im Freiland drei besonders umstrittene Insektizide, die Neonikotinoide. Die schädigen laut Experten sowohl Wild- als auch Honigbienen. Forscher haben schon vor Jahren hingewiesen, dass die Gifte die Fruchtbarkeit männlicher Bienen senken. Prof. Dr. Felix Ekardt sagte:

Wir wollen pestizidfreie Kommunen, weil Insekten, gerade Bienen, eine zentrale Rolle spielen für unser Ökosystem.

Mit einer europaweiten Unterschriftensammlung will eine deutsche Bürgerinitiative einen besseren Schutz von Bienen erreichen. Unter anderem sollen deutlich weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Sammelt die Initiative für die Petition bis Mai 2020 mehr als eine Million Unterschriften aus sieben EU-Ländern, muss sich die Europäische Union mit dem Thema auseinandersetzen. In Bayern hatte diese Methode schon Erfolg: Dort soll der Bienenschutz Gesetz werden.

Wie kann man Honig- und Wildbienen helfen?

Wissenschaftler fordern zum Weltbienentag Garten- und Hausbesitzer auf, mehr auf Natur und regionale, heimische Pflanzen zu setzen. Die Insekten hätten auf kurz geschnittenen und gedüngten Rasenflächen, Beeten ohne Unkraut und mit exotischen Pflanzen weniger Überlebenschancen. Zudem würden Mähroboter auch Bienen töten. Marlit Bauch vom Informations- und Umweltzentrum Naturpark Altmühltal sagte im Interview mit der Nachrichtenagentur KNA:

Gut ist es, die Blumen so auszuwählen, dass sie vom Frühjahr bis zum ersten Frost blühen. Gefüllte Blüten ohne Pollen und Nektar sollte man vermeiden.

Insektenhotel
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Wer auf diese Blüten setzt, muss auch nicht befürchten, im Garten häufiger als sonst von Bienen gestochen zu werden. Wildbienen sind meist zu klein zum Stechen und fliegen meist auch allein. Prof. Dr. Felix Ekardt ergänzt:

Wichtig ist auch, das man seine Rolle als Konsument ernster nimmt. Wir selber erzeugen diesen riesigen Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen, weil wir eben viele Lebensmittel wegschmeißen. Das kann jeder für sich beenden und damit den Druck auf die Flächen reduzieren.

Jedes siebte Bienenvolk ist im Winter gestorben

Varroamilbe auf einer Bienenlarve
Bildrechte: IMAGO

Bei denen von Menschen gezüchteten Honigbienen ist die Situation aktuell etwas besser als bei ihren wilden Verwandten. Die Zahl der Völker nimmt seit Jahren wieder zu, weil mehr Menschen das Imkern als Hobby entdeckt haben. Rund eine Million Völker schwirren nach Angaben des Deutschen Imkerbundes hierzulande herum. Allerdings bereitet den Züchtern ein Parasit weiter große Sorgen: Die Varrao-Milben gelten als Hauptgrund für das Sterben von Honigbienen. Es gibt zwar Maßnahmen gegen den Milbenbefall wie bestimmte organische Säuren. Die sind aktuell aber noch nicht wirksam genug, um den Milbenbefall großflächig zurückzudrängen. Im letzten Winter starben Bienenvölker im Wert von 20 bis 25 Millionen Euro, besonders in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sah es laut Imkerbund schlecht aus.

Wie wurde der 20. Mai zum Weltbienentag?

Ein von Anton Janscha entwickelter und gebauter Bienenstock in Breznica, Slowenien.
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Den Antrag für einen Weltbienentag hat Slowenien für seine Imker in die Vereinten Nationen eingebracht. Der 20. Mai ist der Geburtstag des Slowenen Anton Janscha (auch: Janša), der als Pionier der Imkerei gilt. Der Hofimkermeister von Kaiserin Maria Theresia in Wien entwickelte einen Bienenstock, der ohne das Zerstören von Waben kontrolliert werden konnte. Janscha erfand zudem eine Fangvorrichtung für Honig-Bienenschwärme.

Dieses Thema im Programm DIE MDR JUMP Morningshow | 20. Mai 2019 | 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 15:13 Uhr

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