Smarter Lautsprecher von Amazon auf einem Esstisch (Werbebild in einem Showroom)
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Werden smarte Lautsprecher bald zum Spion für den Staat?

13.06.2019 | 14:47 Uhr

Sie haben Mikrophone, Zugang zum Internet und stehen in Millionen Haushalten: Das macht smarte Lautsprecher und Hausgeräte mit digitalen Sprachassistenten für Sicherheitsbehörden extrem interessant. Die würden gern die smarten Geräte abhören können, um Verbrechen aufzuklären. Wir klären, worum es bei den Plänen genau geht und ob sich Nutzer der smarten Geräte wirklich Sorgen machen müssen.

Smarter Lautsprecher von Amazon auf einem Esstisch (Werbebild in einem Showroom)
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Prüfen die Innenminister, ob in Zukunft Amazon Echo, Google Home und andere smarte Geräte abgehört werden können? Könnten Alexa und Siri bald eine wichtige Rolle bei Ermittlungen spielen? Darüber wird seit Tagen heftig diskutiert.  

Worum geht es bei der Debatte genau?

Smarter Kühlschrank
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Um smarte Geräte im Haushalt. Das können digitale Kühlschränke sein, smarte Strommessgeräte, aber eben auch Lautsprecher mit Sprachassistenten wie Alexa (Amazon Echo), Google Home oder auch Siri (Apple). Je nach Bauart können diese Geräte verschiedene Daten sammeln: Wann ist jemand zu Hause? Was wurde zum Sprachassistenten wann gesagt? Was wurde in der Wohnung besprochen? Was wurde über den Assistenten bestellt?

Warum wird jetzt über smarte Geräte diskutiert?

Die gesammelten Daten der in vielen Haushalten genutzten Geräte würden auch für Strafverfolger immer wichtiger, hatte letzte Woche ein Sprecher des Bundesinnenministeriums gesagt. Ähnlich klang es auch in einer Beschlussvorlage für die Konferenz der Innenminister am 13. und 14. Juni in Köln. Darin hieß es, "dass die Spurensicherung in der digitalen Welt eine immer größere Bedeutung einnimmt und die Strafverfolgungsbehörden daher in der Lage sein müssen, digitale Spuren zu erkennen, zu sichern und auszuwerten". Dazu sagte Ende letzter Woche Niedersachsens Ministerpräsident Boris Pistorius, es gehe mitnichten darum, mögliche Datenquellen für die Polizeiarbeit zu erweitern. Er sagte:

Boris Pistorius, Innenminister von Niedersachsen
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Dann hätte letztlich jeder, der "Alexa" oder "Google Home" benutzt, im Zweifel eine Abhörwanze im Wohnzimmer.

Der Blick auf China zeige, wohin hemmungsloses Abhören führen könne. Auch Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote sieht das offenbar so. Er sagte, eine Erweiterung von behördlichen Befugnissen auf smarte Geräte sei nicht notwendig. Offen bleibt aber, ob Geheimdienste die Daten aus Alexa und Co. schon nutzen. Die Bundesregierung hatte eine entsprechende Anfrage vom ARD-Magazin "Kontraste" nicht beantwortet.

Welche Chancen hat der Vorschlag zu mehr Abhören?

Datenschützer warnten in den letzten Tagen deutlich vor einem Behördenzugriffe auf smarte Geräte für zu Hause. Der Eingriff in die Privatsphäre sei zu stark, die Ermittler sollten sich besser auf legale Methoden konzentrieren. Zu einem demokratischen Staat gehöre auch das Gefühl von Unbeobachtetheit, sagte der Bundesbeauftragte für Datenschutz Ulrich Kelber (SPD). Thüringens Datenschutzbeauftragter Dr. Lutz Hasse sagte bei MDR JUMP:

Ein Mann in einem gläsernen Gebäude
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Die Sorglosigkeit der Bürger auszunutzen, um sie abzuhören, da muss man überlegen, welche rechtlichen Schranken es da gibt.

Schon jetzt greife der Staat in die Privatsphäre ein und höre zum Beispiel Smartphones ab, um Verbrechen zu verhindern. Diese rechtlichen Grundlagen wolle man jetzt auf andere Technik ausweiten.

Wir werden als Datenschützer so lange dagegen halten, wie es geht.

Im Übrigen seien schon die ersten Innenminister aus den Plänen ausgeschert. Am Ende werde von den Abhörplänen wohl nichts übrig bleiben.

Ist das Abhören von smarten Lautsprechern technisch möglich?

Grundsätzlich könnten Ermittler auf das zugreifen, was die Mikrophone von Alexa, Google Home und Co. in Privatwohnungen mitschneiden. Das wird von den Geräten an die Hersteller übertragen und von ihnen gespeichert, um die Erkennungsqualität von Sprachbefehlen zu verbessern. Allerdings wird immer nur dann etwas aufgezeichnet, wenn das Mikrofon an ist, sagt Ronald Eikenberg von c't. Also immer dann, wenn man sich per Sprachbefehl an die Assistenten wendet. Die Ermittler könnten auch das Mikrofon nicht selbst anschalten, wenn das aus ist. Der c't-Experte sagte MDR JUMP:

Ronald Eikenberg von c't
Bildrechte: c't/Ronald Eikenberg

Aktuell ist das aber nicht implementiert. Da müsste man hingehen und ein neues Betriebssystem aufspielen und dann eben aus der Ferne auf die Geräte zugreifen. Aber bevor das passiert, werden die Hersteller ziemlich sicher auf die Barrikaden gehen. Weil sich dann natürlich niemand mehr so einen Alexa-Lautsprecher hinstellen würde.

Anders als bei Smartphones könnten Ermittler auch keine Trojaner-Programme auf die Geräte aufspielen, der dann Handydaten, Standorte oder Gespräche mitschneidet. Das erlaube die Software der smarten Assistenten nicht.

Fazit

Aus Sicht von Technikexperten ist das Abhören von smarten Geräten für zu Hause derzeit in der Praxis nicht möglich. Gegen eine Umsetzung würden wohl auch die Hersteller Sturm laufen, um das Vertrauen der Kunden nicht zu verlieren. Die Datenschützer haben das Thema auch im Blick und haben gesagt, gegen eine Ausweitung der Pläne zu kämpfen. Zudem gebe aus keine konkreten Pläne zum Abhören über smarte Geräte durch Ermittler, haben die ersten Innenminister der Länder schon betont. Gestern wiegelte dann auch noch einmal der Bundesinnenminister Horst Seehofer ab. Man stehe erst ganz am Anfang einer juristischen Prüfung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 12. Juni 2019 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 14:48 Uhr

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