Blutmond während einer totalen Mondfinsternis
Bildrechte: MDR/Jürgen Bätz

Himmelsspektakel: Wie der Mond unser Leben beeinflusst

15.07.2019 | 15:46 Uhr

Rost-rot wird sich der Mond am Himmel färben: Von Deutschland aus kann man am Dienstag (16. Juli) eine partielle Finsternis des Erdtrabanten beobachten. Zumindest wenn das Wetter mitspielt. Hier erfährst du, wie der Erd-Trabant unser Alltagsleben beeinflusst.

Blutmond während einer totalen Mondfinsternis
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Was gibt es wo zu sehen?

Eine gute Sicht auf die partielle Mondfinsternis werden an diesem Dienstag vor allem Schaulustige im Süden Deutschlands haben. "Südlich des Mains sind die Chancen am größten", sagte Tobias Reinartz vom Deutschen Wetterdienst. Die Wolkenverteilung sei über Deutschland zurzeit zweigeteilt. Das werde auch in der Nacht zum Mittwoch so sein. Über dem Norden gebe es eine dichte Bewölkung. Mit Glück könne aber in Richtung Nordosten die Wolkendecke auch mal aufbrechen und den Blick auf den Mond freigeben. Bei der partiellen Finsternis wird sich der Mond rost-rot am Himmel färben.

Astronomen zufolge wird der Mond gegen 20:40 Uhr zunächst in den Halbschatten und gegen 22:00 Uhr dann in den Kernschatten eintauchen. Das Maximum der Finsternis wird demnach gegen 23.30 Uhr sein. Am Mittwochmorgen um 1.00 Uhr verlässt dann der Mond den Kernschatten wieder, um 2.20 Uhr ist das Spektakel endgültig vorbei.

Wie wirkt der Mond auf die Erde?

Bis zu 70 Zentimeter hebt die Anziehungskraft des Mondes unterstützt von der Sonne die offenen Weltmeere an. Die Flutwellen brechen sich an den Küsten in Höhen bis zu 15 Metern. Gezeitenkraftwerke in Frankreich und Kanada nutzen die Gewalt von Ebbe und Flut um daraus Energie zu gewinnen.

Halbmond vor blauem Himmel
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Fakt ist: Jede zweite Frau in Deutschland fühlt sich vom Mond beeinflusst. Vor ein paar Jahren gaben bei einer repräsentativen Umfrage des Offenbacher Marplan-Instituts 52 Prozent der Frauen an, dass die Mondphasen Auswirkungen auf ihren Schlaf haben. 45 Prozent sind davon überzeugt, dass der Mond ihre persönliche Stimmung hebt oder senkt. Männer reagieren nicht so sensibel wie die Frauen auf den Mond. Knapp ein Viertel von ihnen (22 Prozent) fühlt Auswirkungen auf die Stimmung, 28 Prozent glauben an Beeinflussung ihres Schlafes.

Wie der Mond unseren Schlaf beeinflusst?

Paar schlafend im Doppelbett
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Dass der Mond unseren Schlaf beeinflusst, behaupten viele Menschen. Eindeutige wissenschaftliche Beweise zu der Annahme fehlen aber bislang. 2013 hatten Schweizer Wissenschaftler nach der Analyse von Daten aus einer Schlafstudie berichtet, dass Menschen um Vollmond herum unter anderem etwa fünf Minuten später einschlafen und insgesamt etwa 20 Minuten weniger schlafen. Die Datenanalyse war rückblickend erfolgt - der Einfluss des Mondes hatte bei der Erhebung der Daten keine Rolle gespielt. Zudem waren die Lichtverhältnisse im Labor genau gesteuert worden. Die Forscher sahen ihre Ergebnisse daher als "ersten verlässlichen Beweis, dass der Mondrhythmus die Schlafstruktur des Menschen beeinflussen kann".

Andere Wissenschaftler, unter anderem vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, konnten das Ergebnis der kleinen Studie mit gut 30 Teilnehmern allerdings nicht bestätigen. Sie hatten ebenfalls rückblickend Schlafdaten von mehr als 1200 Teilnehmern aus mehr als 2000 Nächten ausgewertet und keinen Zusammenhang mit dem Mondzyklus gefunden. Sie stießen allerdings auf Hinweise darauf, dass vor allem bei Neuanalysen älterer Daten positive Studien veröffentlicht werden, während solche mit negativem Ergebnis in der Schublade verschwinden - eine mögliche Erklärung dafür, dass sich die Vermutung so hartnäckig hält.

Die Schlaflosigkeit in Vollmondnächten bleibt also nach vorläufigem Ergebnis eher subjektive Wahrnehmung als wissenschaftliche Erkenntnis.

Steigt die Anzahl der Geburten bei Vollmond?

Das Hufeland Klinikum Mühlhausen – ein Ort, an dem Schicksale nur Betten voneinander entfernt liegen. Dazwischen starke Frauen, die diesen Kosmos am Laufen halten. Sie gewähren Einblicke in ihr Arbeitsleben, das zwischen Glück, Frustration und Erfolgen schwankt.
Einsatz Geburtsstation Bildrechte: MDR/Romy Heinrich

Bei Vollmond werden mehr Babys geboren, lautet ein weiterer weit verbreiteter Glauben zum Einfluss des Mondes auf den Menschen. Auch für die Richtigkeit dieser Annahme kann die Wissenschaft keine Beweise liefern. Schon vor mehr als zehn Jahren hatten Forscher der Universität Halle-Wittenberg einen umfassenden Datensatz aus Baden-Württemberg aus den Jahren von 1966 bis 2003 statistisch analysiert.

Bei den mehr als vier Millionen Geburten ließ sich keinerlei Zusammenhang zum Vollmond oder irgendeiner anderen Mondphase herstellen. Italienische Forscher fanden zwar einen Zusammenhang zum Vollmond - aber es gab mal mehr, mal weniger Geburten. Es sei nicht nötig, in Vollmondnächten mehr Personal einzustellen, schreiben die Forscher lakonisch.

Eine Forscherin der südafrikanischen Stellenbosch University wertete jüngst Geburtenregister der Jahre 1810 bis 1929 aus ländlichen Gemeinden Spaniens aus - aus einer Zeit, in der es noch keine elektrische Beleuchtung gab und der Einfluss des Mondes voll zum Tragen gekommen sein könnte. Das Ergebnis auch hier: kein Zusammenhang zwischen Geburtenzahl und Mondphase. Für den Einfluss des Mondzyklus auf den weiblichen Zyklus gilt übrigens Ähnliches: kein Zusammenhang statistisch nachweisbar.

Gibt es bei Vollmond mehr Verbrechen?

Ein Mann versucht, einen Schüler in ein Auto zu ziehen.
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Helles Mondlicht macht aggressiv und lässt die Rate an Verbrechen nach oben schnellen. Diese Hypothese untersuchte ein Team von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 2009. Sie setzten die Zahl von angezeigten Körperverletzungen zwischen 1999 und 2005 in Bayern in Bezug zur Mondphase - und fanden keinen Zusammenhang. Auch US-amerikanische Forscher fanden in ihrer Studie keine Hinweise darauf, dass der Mond die Verbrechensrate in einer texanischen Stadt beeinflusst.

Zusammenfassend kann man sagen: Der Mond war voll - und nichts passierte. So betitelten bereits in den 1980er Jahren drei Forscher aus Kanada und den USA eine Überblicksstudie zum Einfluss des Mondes auf menschliches Verhalten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. Juli 2019 | 10:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2019, 15:46 Uhr

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