Identitätsdiebstahl: So reagiert man richtig, wenn Mahnungen und Rechnungen kommen

31.01.2019 | 17:38 Uhr

Das ist der große Ärger beim Datendiebstahl: Jemand Fremdes bestellt auf den eigenen Namen und lässt sich die Waren irgendwohin liefern. Die Rechnungen der Händler und die Mahnungen der Inkassobüros erhält man dann aber selbst. Wir haben mit dem Kölner Anwalt und Experte für Internetrecht Christian Solmecke gesprochen.

Wer haftet, wenn jemand mit gestohlenen Daten einkauft?

Der Kölner Jurist und Experte für Internetrecht Christian Solmecke.
Bildrechte: Christian Solmecke

Das Gute bei Käufen im Internet ist: Der Verkäufer muss beweisen, dass ich mit ihm einen Vertrag geschlossen habe. Hat also irgendjemand auf meinen Namen eingekauft und sich das auf eine womöglich noch fremde Adresse liefern lassen - dann brauch ich einfach nur zu bestreiten, dass ich hier nie die Bestellung getätigt habe. Dann ist es Sache des Verkäufers zu beweisen, dass ich doch der Käufer war.

Wie weise ich dem Onlineshop oder auch dem Inkassobüro nach, dass ich das gar nicht war?

Hier muss ich gar nicht nachweisen, dass ich einen Kauf nicht getätigt habe. Vielmehr liegt die so genannte Beweislast beim Verkäufer. Er muss nachweisen, wer den Kauf ausgelöst hat. Etwa indem er die IP-Adresse vorlegt und die IP-Adresse ist dann eindeutig mir zuzuordnen. Das klappt aber nicht beim Identitätsdiebstahl. Da führt die IP-Adresse ja zum Betrüger und ich hafte dann nicht für die Käufe, die der Betrüger getätigt hat.

Wie verhalte ich mich, wenn nach einem Identitätsdiebstahl Mahnungen kommen?

Unangenehm wird es, wenn plötzlich Mahnungen kommen für die gekauften Sachen. Hier sollte ich schon mal beim Verkäufer anrufen, dass ich gar keine Bestellung ausgelöst habe. Möglicherweise kann ich sogar klarstellen, dass die Waren an einen Ort gegangen sind, mit dem ich gar nichts zu tun habe. Und ich könnte auch Strafanzeige erstatten. So dass klar wird, dass ich jedenfalls nicht verantwortlich bin für diese Bestellungen.

Was passiert, wenn ich Rechnung oder Mahnungen für Waren einfach ignoriere, die ich nicht bestellt habe?

Gar nicht reagieren ist keine gute Idee. Dann folgen Mahnverfahren und dann muss man sich kümmern. Kontakt lohnt sich also, mit dem, der mir angeblich was verkauft hat.

Viele machen sich Sorgen, dass der Identitätsdiebstahl Folgen hat, etwa bei der Schufa. Was ist da dran?

Das größte Problem besteht immer darin, dass die Verkäufer solche Forderungen oftmals an die Schufa melden. Aber das ist verboten. Denn sobald eine Forderung bestritten worden ist, dann darf sie der Schufa nicht mehr mitgeteilt werden. Deshalb ist es auch so wichtig, dass ich auf alle diese Forderungen reagiere. Sollte ich dann feststellen, dass trotzdem noch ein Schufa-Eintrag erfolgt ist, dann muss ich mich gegen die Schufa wenden. Und sagen, dass der Eintrag nicht korrekt erfolgt ist. Manchmal kommen noch Forderungen, selbst wenn ich der Mahnung widersprochen habe. Und in einigen Fällen kommt sogar noch ein Mahnverfahren, da muss ich tätig werden.

Was sollte ich in so einem Fall machen?

Das Mahnverfahren erkennt man daran, dass man einen gelben Brief bekommt. Der sieht amtlich aus. Und da kann ich noch selbst reagieren. Ich muss nur ein Kreuzchen machen bei "Ich widerspreche". Und dann muss ich das an das Mahngericht entsprechend zurücksenden. Das ist vielleicht auch ein Fall, wo man sich einen Anwalt nimmt. Die Kosten für den Anwalt müsste in dem Fall sogar der Verkäufer tragen. Denn der rühmt sich ja eines Anspruchs, der ihm in Wirklichkeit gar nicht zusteht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 31. Januar 2019 | 19:50 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP