Warnschild "Wildwechsel"
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Polizei warnt vor Wildwechsel - App soll Unfälle verhindern

02.10.2018 | 12:04 Uhr

In Thüringen sind Wildtiere derzeit offenbar besonders aktiv. Allein in der Region um Mühlhausen und Bad Langensalza erfasste die Polizei in den letzten Tagen elf Wildunfälle. Eine App soll helfen, Zusammenstöße zu verhindern.

Warnschild "Wildwechsel"
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Die Begegnungen zwischen Autofahrern, Rehen und einem Dachs haben am Wochenenden vor allem im Norden Thüringens zu vielen Blechschäden geführt. Menschen wurden dabei nicht verletzt, teilt die Polizei mit. Allerdings überlebten die Tiere die Unfälle oft nicht. Frank Herrmann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Thüringen, im MDR JUMP-Interview:

Portrait von Frank Herrmann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Thüringen
Bildrechte: Landesjagdverband Thüringen e.V.

Wir haben im Nordthüringer Raum das Problem, dass das Obst an den Bäumen sehr attraktiv für die Tiere ist. Und gerade das Fallobst der Straßenbäume lockt das Wild regelrecht an.

Besonders betroffen scheint die Region um Mühlhausen und Bad Langensalza. Dort erfasste die Polizei von Freitag bis Sonntag elf Wildunfälle. Vor allem Rehe seien bei den Zusammenstößen in den frühen Morgen- und den späten Abendstunden beteiligt gewesen. In einem Fall habe auch ein Dachs zu den Opfern gezählt. Aber nicht nur das Futter lockt die Tiere, erzählt Jäger Herrmann:

Dazu kommt, dass das Wild gerade in den Morgen- und Abendstunden unterwegs, wenn auch viele Autofahrer auf den Straßen sind.

Autofahrer sollten nun gerade in Waldgebieten und zur Dämmerung mit Wildwechsel rechnen und ihre Fahrweise entsprechend anpassen, rät Jäger Herrmann.

App soll Unfälle verhindern

Wildunfälle werden nicht nur durch Zusammenstöße mit Rehen oder Wildschweinen verursacht. Auch für kleine Wildtiere wie Feldhase, Fuchs, Dachs, Fischotter oder Marder ist der Straßenverkehr eine tödliche Gefahr. Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes:

Kleine Tiere sind deutlich häufiger betroffen als bislang angenommen. Sie sind an jedem fünften Unfall beteiligt. Das hat die Auswertung von 40 000 Daten aus dem Tierfund-Kataster des Verbandes ergeben.

Totes Reh am Straßenrand
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Das seit Ende 2016 bundesweit bestehende Tierfund-Kataster soll dabei helfen, Wildunfälle und andere Totfunde systematisch zu erfassen. Dazu ist eine App verfügbar, mit der tote Tiere gemeldet werden können. Rund 8000 Nutzer seien derzeit registriert, sagte Reinwald. Über die App werden verschiedene Informationen, wie Fundort, Tierart und Todesursache abgefragt. "Jeder kann mithelfen, Straßen für Mensch und Tier sicher zu machen", sagte Wolfgang Heins, Präsidiumsmitglied des Deutschen Jagdverbandes.

Ziel des Katasters ist es auch, langfristig Unfälle zu vermeiden. "Verkehrsschilder, die vor Wildwechsel warnen, reichen schon lange nicht mehr aus", meint Reinwald. Gefahren würden dadurch nicht verringert. Beim Autofahrer trete lediglich ein Gewöhnungseffekt ein. Nach Angaben des Jagdverbandes gibt es pro Jahr dutzende Tote, mehr als 3000 Verletzte und eine halbe Milliarde Euro Sachschäden durch Wildunfälle.

Hier gibts die Tierfund-App für Android-Telefone.

Hier gibts die Tierfund-App für das iPhone.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Morningshow | 02. Oktober 2018 | 05:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2018, 12:04 Uhr

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