Zecke auf einem Arm
20 Prozent der Zecken tragen den Borreliose-Erreger in sich. In Thüringen erkranken jährlich bis zu 400 Personen. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Service | 19.03.2019 Gefahr durch Exotische Zecken-Arten?

Zecken krabbeln durch Thüringer Wälder. Sie übertagen Borreliose und die gefährliche Hirnhautentzündung FSME. Besondes Wälder in Süd- und Ostthürigen gelten als FSME-Risikogebiete. Gefahr droht auch durch neue Arten.

Zecke auf einem Arm
20 Prozent der Zecken tragen den Borreliose-Erreger in sich. In Thüringen erkranken jährlich bis zu 400 Personen. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Wenn die Temperaturen im Frühjahr sinken erwacht auch der gemeine Holzbock aus seiner Winterstarre. Schon ab 6 Grad werden die Zecken aktiv und lauern in Wiesen und Büschen auf ihre Opfer. Auch den Menschen zieht es nun wieder verstärkt in die Natur. Die Gefahr von Zeckenbissen steigt und mit ihr das Risiko sich mit gefährlichen Krankheiten zu infizieren.

Hauptgefahr Borreliose

Zecken können über 60 Krankheiten übertragen. Allein in Thüringen erkranken jährlich 300 bis 400 Personen an zeckenübertragener Borreliose, acht bis 15 davon an der gefährlichen Hirnhautentzündung (FSME), gegen die man sich aber präventiv impfen lassen kann.

Horst Sproßmann, Thüringenforst 10 min
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Horst Sproßmann von ThüringenForst spricht beim MDR Thüringen über die Gefahr durch Zecken und darüber, wie man sich schützt.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 19.03.2019 11:10Uhr 10:01 min

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Etwa 20 Prozent aller Zecken tragen den Borreliose-Erreger in sich. Oft bleibt eine Ansteckung unerkannt. Einen typischen Krankheitsverlauf gibt es nicht. Meist tritt einige Tage nach dem Stich die sogenannte Wanderröte auf. Sie ist ringförmig und im Zentrum oft blasser als am Rand. Außerdem können weitere Krankheitssymptome wie Fieber, Müdigkeit oder auch Muskel- und Kopfschmerzen dazukommen.

Schlimmer ist es, wenn das Nervensystem betroffen ist. Dann kommt es zu einer akuten Neuroborreliose mit brennenden Nervenschmerzen, möglich sind auch leichte Lähmungen der Hirnnerven. Sind Hirnnerven betroffen, können Taubheitsgefühle sowie Seh- oder Hörstörungen auftreten. Einige Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich kann es außerdem zu einer Gelenkentzündung kommen, vor allem am Knie.

Übrigens: Je schneller die Zecke entfernt wird, desto geringer ist die Gefahr einer Borreliose-Erkrankung. Das gilt leider nicht für den lebensgefährlichen FSME-Erreger. Dieser geht, wenn er denn vorhanden ist, direkt ins Blut.

Zecken richtig entfernen

"Wenn Sie am ersten Tag Ihre Zecke entfernen, haben Sie keinerlei Risiko infiziert zu werden." sagt Fachtierarzt und Epidemiologe Prof. Martin Pfeffer vom Institut für Tierhygiene und Veterinärmedizin in Leipzig. Ein beherzter Zug, möglichst mit einer Zecken-Pinzette, und die Zecke ist gefahrlos entfernt, sagt der Experte: "Wenn Sie das direkt an der Haut machen, dann sind die praktisch an dem Brustkorb und dann wird nichts aus dem Bauch rausgedrückt." Die Leipziger Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Borellien erst im Mitteldarm der Zecke aktiviert werden. Pfeffer zufolge dauert das eine Weile.

Tipps für Waldbesucher

Der beste Schutz vor Krankheiten ist die Vermeidung von Zeckenbissen. Diese einfachen Regeln sollten Sie beachten:

  • Waldwege nicht verlassen
  • Wiesenquerungen bei hohem Graswuchs meiden
  • ebenso Lichtungen, Gebüsche, Unterholz, Bach- und Flussläufe
  • nach einem Waldbesuch den Körper nach möglichem Zeckenbefall kontrollieren, insbesondere Kniekehlen, Leistenbereich und Nacken, bei Kindern den ganzen Körper“
  • Das Tragen heller, geschlossener Kleidung einschließlich Schuhwerk hilft, die dunkelbraun gefärbten Zecken bzw. Nymphenstadien frühzeitig zu erkennen bzw. abzuwehren.
  • Das Tragen der Socken über der Hose ist ebenfalls ein probates Mittel, um der Zecke den Weg vom Kleidungsstück zur Haut zu verwehren.
  • Verwenden Sie ggf. Lotionen, Cremes und Sprays, die zeckenabstoßend wirken.
  • Auch mitgeführte Haus- oder Heimtiere wie Hund oder Pferd sollten auf Zeckenbefall kontrolliert werden

Exotische Zecken-Arten

Wurde die südosteuropäische Auwaldzecke erstmals 2006 in Deutschland nachgewiesen, ist im letzten Jahr die tropische Hyalomma-Zecke in Deutschland entdeckt worden. Hyalomma-Zecken sind bis zu fünfmal größer wie zum Beispiel Holzböcke und leben eigentlich in tropischen Gebieten. Heiße Sommer könnten dafür sorgen, dass sie auch bei uns heimisch werden.

Die Zecken Gemeiner Holzbock und Hyalomma marginatum liegen nebeneinander.
Dyalomma-Zecken sind deutlich größer als der einheimische Holzbock. Sie übertragen gefährliche Krankheiten und können ihr Beute bis zu 100 Meter verfolgen. Bildrechte: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa

Hyalomma-Zecken unterscheiden sich aber nicht nur durch die Größe von einheimischen Arten. Sie haben auch völlig andere Krankheiten dabei. Eines der gefundenen Exemplare trug ein gefährliches Bakterium in sich, Rickettsia aeschlimannii, einen bekannten Erreger des Zecken-Fleckfiebers. Auch Fälle von Krim-Kongo-Fieber in Spanien werden mit diesen Zecken in Verbindung gebracht. Sie können auch das Alkhurma-Virus für das Arabisch Hämorrhagische Fieber und tropische Erkrankungen der Nutztiere verbreiten. FSME oder Borreliose wurden dagegen nicht nachgewiesen.

Hyalomma sind Jäger

Gefunden wurden die Exemplare bisher im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau. Vermutlich wurden sie über Vögel eingeschleppt, an denen sich die Larven und Nymphen der Zecken festbeißen und bis zu 28 Tage Blut saugen. Erwachsene Hyalomma bevorzugen große Beutetiere. Hunde, Schafe, Rinder und auch Menschen gehören dazu. Und Hyalomma sind Jagdzecken. "Das 'omma' steht für Auge“, so Parasitologin Mackenstedt, "Das unterscheidet sich auch von unseren Zecken. Sie sehen uns, können auf uns aus bis zu zehn Meter Entfernung reagieren und uns bis zu 100 Meter folgen."

Ob sie den Winter überleben, das weiß man noch nicht, so der Biologe und Zeckenforscher Dr. Peter Hagedorn vom Robert-Koch-Institut. "Das muss man dann im nächsten Jahr kontrollieren." Dann könnten die Zahlen Aufschluss geben, ob und wie sich in Deutschland verbreiten.

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | Vormittag mit Haase und Waage | 19. März 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2019, 05:00 Uhr

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