Aufmarsch abgesagt Tausende Menschen demonstrieren gegen Identitäre

In Halle haben sich am Samstag mehrere Tausend Menschen für Weltoffenheit und Demokratie stark gemacht. Anlass war eine Demonstration der rechtsextremen Identitären. Der Aufmarsch wurde am Nachmittag aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Hunderte Menschen stehen und sitzen auf einem Platz. Umringt werden sie von vielen Polizisten.
Um das Haus der Identitären haben sich Hunderte Demonstranten versammelt. Bildrechte: MDR/Jana Merkel

Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag in Halle ein klares Zeichen für Weltoffenheit und gegen Rechtsextremismus gesetzt. Zu einem Bürgerfest und mehreren Kundgebungen kamen nach Polizeiangaben etwa 2.000 Teilnehmer, das Bündnis "Halle gegen Rechts" spricht von etwa 3.000.

Menschen auf dem Marktplatz in Halle
Auf dem Marktplatz in Halle gab es ein buntes Programm. Bildrechte: MDR/Tobias Bader

Laut einem Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT trafen sich die Demonstranten am Vormittag an drei Standorten in der Innenstadt und zogen in Richtung Marktplatz. Dort gab es ab Mittag ein Bürgerfest mit Konzerten, Poetry Slams und mehreren Vorträgen. Zu dem Fest hatten die Stadt Halle, die Martin-Luther-Universität und mehrere Vereine eingeladen.

Aufmarsch der Identitären verboten

Die Demonstrationen und das Bürgerfest richteten sich gegen einen geplanten Aufzug der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Identitären Bewegung. Die Gruppe hat am Steintor-Campus in Halle seit etwa zwei Jahren ein Haus. Dieses gilt als Zentrale der Bewegung in Deutschland.

Vor dem Gebäude versammelten sich rund 250 Identitären-Anhänger bei einem als Sommerfest deklarierten Treffen. Geplant war eine Demonstration durch die Stadt. Der Aufmarsch wurde am Nachmittag von der Versammlungsbehörde verboten. Als Grund nannte eine Polizeisprecherin Sicherheitsbedenken.

Polizisten und Demonstranten auf einer Demo in Halle
Das Haus der Identitären wurde von der Polizei abgeriegelt. Bildrechte: MDR/Jana Merkel

Rund um das Haus der Identitären war die Polizei mit zahlreichen Beamten und einem Hubschrauber im Einsatz. Viele Gegendemonstranten hatten sich in den Straßen um das Haus der Identitären versammelt und Sitzblockaden gemacht.

Außerdem gab es Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Gruppen. Eine Sprecherin sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Abend, es sei zu Körperverletzungen und Sachbeschädigungen gekommen. Außerdem werde ermittelt, ob ein Autobrand in der Hollystraße mit den Protesten im Zusammenhang stehe.

Verkehrsbehinderungen durch Demos

Die Innenstadt war den ganzen Tag über mit dem Auto nur schwer zu erreichen. Auch die Straßenbahnen fuhren eingeschränkt. Die Polizei hatte sich nach eigenen Angaben auf einen größeren Einsatz vorbereitet. Polizeikräfte aus anderen Bundesländern unterstützten laut einer Sprecherin die Beamten vor Ort.

In Deutschland haben die Identitären nach Einschätzung des Verfassungsschutzes rund 600 Mitglieder, in Sachsen-Anhalt sind es etwa 60.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2019, 14:42 Uhr