Frostiger April – Ist das normal?

Luft aus der Arktis ist verantwortlich dafür, dass es im April bisher vielerorts sehr kalt war. Im langjährigen Vergleich müssen wir uns aber aktuell keine großen Sorgen machen.

Mit Schnee bedeckte Kirschbluete
Bildrechte: IMAGO / Rene Traut

Ostern in der Ski-Jacke, das braucht kein Mensch. Ja gut, und die Aprikose im Garten ist jetzt schon im x-ten Jahr in Folge wieder erfroren. Also mit anderen Worten: Wir alle haben uns den Start ins Frühjahr wohl anders vorgestellt. Zwar gab es immer mal wieder ein paar sonnige, nicht ganz so frostige Stunden. Aber insgesamt kommt einem das Wetter doch ziemlich kalt und gelegentlich doch auch ein bisschen nass vor, oder? Selbst wenn man das sprichwörtliche Aprilwetter mit einrechnet.

Ist das Wetter dieses Jahr irgendwie unnormal? Meteorologen sind bei dieser Frage offenbar ziemlich entspannt. „Wir haben in diesem Jahr einen ganz normalen April, auch wenn das vielen überraschend erscheint", sagt zum Beispiel Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der Hintergrund dabei: In vielen der vergangenen Jahre war der April zuletzt viel zu heiß und trocken.

Arktisluft macht es kalt

Von den zehn wärmsten Aprilmonaten in Deutschland lagen laut den Aufzeichnungen des DWD allein fünf in der Zeit nach 2007. Im April 2020 sind wir sogar knapp an einem neuen Rekord vorbeigeschrammt. Im Gegenzug waren in den letzten 25 Jahren nur 1997 und 2001 im April im Durchschnitt zu kalt.

Schuld an den zuletzt oft sehr niedrigen Temperaturen in diesem Jahr war arktische Luft, die es aus der Polarregion immer wieder auch bis zu uns geschafft hat. Waren die Nächte dann noch klar, gab es vielerorts Frost. Für Gärtner und Obstbauern ein ziemlicher Horror.

Der April ist aber zumindest im langjährigen Vergleich gar nicht so kalt, wie er sich für viele von uns anfühlt: Im Vergleich zur internationalen Referenzperiode von 1961 bis 1990 kommt er bislang nur geringfügig zu kühl daher. Und im Prinzip kann sich das bis zum Ende des Monats ja sogar noch ausgleichen. Der kälteste Apriltag ist hier in Deutschland laut den Wetterarchiven übrigens der 5. April 1929. Damals wurden in Cottbus -14,2 Grad gemessen.

Hohe Temperaturen und wenig Niederschlag sind eigentlich der neue Normalzustand

Das Problem: Weil es im Frühjahr in der jüngeren Vergangenheit oft so heiß und trocken war, haben wir wohl einfach vergessen, wie sich „echtes“ Aprilwetter anfühlt. Zu hohe Temperaturen und zu geringe Niederschläge haben sich ja quasi zum neuen Normalzustand entwickelt. Das hat ja auch zu den anhaltenden Dürren der vergangenen Sommer geführt. Und wenn man sich den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig ansieht, dann spürt man da die Folgen noch immer: Die oberen Bodenschichten sind zwar aktuell schön feucht, gerade in den unteren Bereichen, bis in 1,8 Meter Tiefe, fehlt aber immer noch massiv das Wasser. Hier ist an vielen Orten unserer Region noch immer eine „außergewöhnliche Dürre“ zu verzeichnen.

Daran ändert leider auch ein einziger kühler und feuchter April nichts. Zumal, und dafür schauen wir jetzt noch ein letztes Mal in die DWD-Statistik, der hinter uns liegende März auch schon wieder zu trocken war. Problematisch war es besonders in Teilen Sachsen Anhalts. Da fielen im Regenschatten des Harzes gerade einmal 15 Liter Regen pro Quadratmeter, das ist rund ein Drittel des langjährigen Mittels.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 17. April 2021 | 06:03 Uhr

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