Diese Frauen aus Mitteldeutschland solltest du kennen

Berühmte Männer gibt es zu Hauf in Mitteldeutschland. Aber auch Frauen haben in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen viel bewegt. Diese Persönlichkeiten solltest du kennen.

Die Glaschemikerin Marga Faulstich bei der Arbeit
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Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt ist das Land von Bauhaus und Reformation - beides eher männlich geprägt. Aber aus Sachsen-Anhalt kommen auch einige berühmte und bemerkenswerte Frauen. So viele, dass es sogar ein eigenes Lexikon über sie gibt (Herausgegeben von Prof. Dr. Eva Labouvie von der UNI Magdeburg).

Dorothea Christiane Erxleben - Die erste promovierte Ärztin

Dorothea Erxleben auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost, 2006
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Dorothea Erxleben kam aus Quedlinburg. Ihr Weg zu Promotion (sprich zum Doktortitel) war für sie aber schwer. Ursprünglich wollte sie gemeinsam mit ihrem Bruder studieren. Als der zur Armee einberufen wurde, zerschlugen sich ihre Träume, vorerst. Denn Dorothea wandte sich mit einem Brief an Friedrich den Großen. Der befahl kurzerhand der Uni Halle, Erxleben zur Promotion zuzulassen. Das Privileg nahm sie aber vorerst nicht an und kümmerte sich stattdessen um die vier Kinder ihres Mannes und übernahm die Praxis ihres verstorbenen Vaters. Ohne Promotion war sie bei den anderen Ärzten von Quedlinburg allerdings als Dilletantin verschrien. Als nach dem Tod einer ihrer Patientinnen der Streit zu eskalieren drohte, holte sie an der Uni Halle den Doktortitel nach. Als erste Frau in Deutschland. Danach führte sie ihr Leben wie bisher weiter, kümmerte sich um ihre Kinder, schmiss den Haushalt und behandelte Patienten.

Emilie Winkelmann - die erste freiberufliche Architektin in Deutschland

Emilie Winkelmann
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Winkelmann kommt aus Aken. Nach einer Zimmermannslehre gelang es ihr mit einem Trick, in Hannover eine Zulassung zum Architekturstudium zu bekommen: Sie unterschrieb ihr Zulassungsgesuch schlicht mit "E. Winkelmann". Allerdings wurde sie nicht zum Staatsexamen zugelassen. Trotzdem ging sie nach Berlin, eröffnete dort als erste Frau ihr eigenes Architekturbüro und gewann für die Planung eines Theaters den ersten Preis bei einem Architekturwettbewerb. Als das Theater im Jahr 1908 gebaut wurde, folgten auf einmal viele weitere und hoch dotierte Aufträge. Doch der erste Weltkrieg beendete ihre Karriere jäh. Sie tat sich mit dem veränderten architektonischen Geschmack schwer, öffentliche Aufträge blieben aus. Nach dem zweiten Weltkrieg lebte Winkelmann auf einem Gut bei Bielefeld, das sie wiederaufbauen sollte. Gleichzeitig kümmerte sie sich dort auch um Kriegsflüchtlinge.

Claire Heliot - eine weltberühmte Löwendompteurin

Ein Zirkusplakat für Claire Heliot
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aus Halle. Sie fing als Tierpflegerin im Leipziger Zoo an und wurde bald eine berühmte Löwendompteurin, die durch halb Europa, Russland und die USA tourte. Schließlich verschlug es sie in den 1890er Jahren nach Stuttgart. Bei einem Unfall biss ihr ein Löwe die Hüfte durch, sodass sich Claire Heliot dazu entschloss, ihren Beruf an den Nagel zu hängen. Sie kaufte einen Bauernhof in der Nähe von Stuttgart, auf dem sie Pferde züchtete. Im Jahr 1910 verkaufte sie das Gut gewinnbringend weiter und zog nach Stuttgart. Doch mit der Inflation in den 20ern verlor sie einen großen Teil ihres Vermögens, ihre Wohnung wurde 1944 ausgebombt. Anschließend lebte sie in ärmlichen Verhältnissen in einem Altersheim. Angeblich soll sie im Alter einmal den Satz gesagt haben: "Die Menschen haben mich immer wieder enttäuscht! Meine treuesten Freunde, das waren doch meine Löwen." 1953 starb sie nach einem Unfall in einem Stuttgarter Krankenhaus.

Anna Ebert - eine Politikerin

aus Magdeburg. Zusammen mit ihrem Ehemann ist Anna Ebert 1921 in die KPD eingetreten. Bei den Kommunisten engagierte sie sich von Anfang an für die Frauenbewegung. Sie gehörte zur Bezirksleitung der Partei in Magdeburg und organisierte dort den sogenannten Roten Frauen- und Mädchenbund. 1930 protestierte sie gegen den Paragraph §218, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt. Den Nazis gefiel das naturgemäß alles überhaupt nicht: 1933 wurde Ebert von der Gestapo verhaftet, ins Berliner Frauengefängnis gesteckt und anschließen ins KZ Ravensbrück deportiert. Nach Ende des Kriegs kehrte sie nach Magdeburg zurück, wo sie Leiterin der Sozialfürsorge in Magdeburg-Ost wurde und dort auch den ersten Kindergarten eröffnete.

Louise Aston - Schriftstellerin und Vorkämpferin für die Frauenbewegung

in Magdeburg und ganz Deutschland. Louise Aston wurde im Jahr 1814 in Gröningen geboren. Sie erhielt eine Privaterziehung und wurde mit 17 Jahren zur Heirat mit dem englischen Fabrikanten Samuel Aston in Magdeburg gezwungen. Sie ließen sich zwei mal scheiden und hatten 3 Kinder zusammen. Mit ihrer einzig überlebenden Tochter zog Louise nach Berlin und schlug eine literarische Laufbahn ein. Dort wurde sie schnell als "hosentragendes Mannweib" bekannt. Sie sagte, "sie glaube nicht an Gott und rauche Zigarren. Sie beabsichtige, die Frauen zu emanzipieren und sollte es ihr Herzblut kosten", woraufhin sie aus Berlin verbannt wurde. Sie schrieb Romane, engagierte sich politisch in Zeiten der Märzrevolution und setzte sich für die Gleichheit und die Rechte der Frauen ein. Im Jahr 1871 starb sie in Allgäu nach einer 20-jährigen Wanderschaft mit ihrem zweiten Mann.

Angelika Hartmann - deutsche Pädagogin

aus Köthen. Da sie ihre Eltern früh verlor, musste Angelika schnell lernen für sich selbst zu sorgen. Sie arbeitete als Kindermädchen und ließ sich zur Kindergärtnerin ausbilden. In dieser Zeit ließ sie sich von den fröbelschen Ideen leiten und eröffnete 1864 den ersten Kindergarten nach Fröbel in Köthen. Dort fanden 60 Kinder Platz. Später kamen eine Elementarschule, eine Tochterschule und Kindergärtnerinnen- und Lehrerinnenseminare dazu. 1875 zog sie nach Leipzig und gründete dort den "Leipziger Fröbelverein" und einen Volkskindergarten. Unter Angelika Hartmanns Leitung wurden ca. 5000 junge Mädchen und Frauen ausgebildet. 1971 starb sie in Leipzig. In Köthen könnt ihr das Angelika-Hartmann-Denkmal finden, das an das Leben der Pädagogin erinnert.

Sachsen

In Sachsen liegt die Wiege der Frauenbewegung. Eine der vielen zumindest. Vor allem Leipzig spielt mit Frauen wie Louise Otto-Peters und Clara Zetkin eine wichtige Rolle. Aber auch Dresden braucht sich nicht zu verstecken.

Louise Otto-Peters - eine der Mitbegründerinnen der deutschen Frauenbewegung

Louise Otto-Peters in einer zeitgenössischen Darstellung
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Louise Otto-Peters war Leipzigerin. 1849 gründete sie die "Frauen-Zeitung", deren Herausgeberin sie auch war. Der sächsischen Regierung war das allerdigns ein Dorn im Auge. Wegen Peters änderten sie das Pressegesetz, sodass es Frauen verboten wurde, Zeitschriften herauszugeben. Sie wich nach Gera aus, wo ein ähnliches Gesetz dann zu einem Verbot der Zeitung führte. Sei heiratete den Schriftsteller August Peters und zog mit ihm nach Leipzig. Dort gaben sie gemeinsam die Mitteldeutsche Volkszeitung heraus, Peters selbst wurde Feuilletonchefin. Außerdem gründete sie den Allgemeinen Deutschen Frauenverein mit, dessen Vorsitzende sie 30 Jahre lang war. Auf sie geht auch der Gedanke zurück, dass Arbeiterinnen als Mitstreiterinnen für Frauenrechte gewonnen werden. Peters organisierte mit dem Frauenverein Fortbildungen, eine Schule und viele andere Hilfsangebote für Frauen.

Friederike Caroline Neuber - die angeblich berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit

Caroline Frederieke Neuber
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aus Dresden. Neuber galt im 18. Jahrhundert als berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit. Das steht so auf einem Denkmal in Dresden. Bis sie zu Ruhm kam, musste Caroline Neuber aber einiges über sich ergehen lassen. Ihr Vater war ein Tyrann, der sie misshandelte. Von einem Peitschenhieb soll sie zeitlebens eine Narbe im Gesicht getragen haben. 1717 floh sie mit ihrem Geliebten vor dem Vater und schloss sich einer Truppe Schauspieler an. In Leipzig durfte sie bald ein festes Theater betreiben. Sie achtete Streng auf Sitte und Moral und trug damit auch dazu bei, dass Schauspieler nicht mehr als unehrliches Gesindel verachtet wurden. Doch Neubers Erfolg war nicht von Dauer und das obwohl sie unter anderem das erste Stück von Lessing auf die Bühne bringen durfte. 1750 musste sie ihre Theatergesellschaft endgültig auflösen. 1760 starb sie, völlig verarmt, in Dresden-Laubegast.

Wilhelmine Reichard - eine mutige Ballonfahrerin

Wilhelmine Reichard
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Mit ihrem Mann teilte Wilhelmine Reichard die Leidenschaft fürs Fliegen. Zusammen bauten die beiden einen Gasballon, mit dem sie 1810 in Berlin das erste Mal abhoben. Ein Jahr später wagte Reichard ihren ersten Flug alleine. Sie verdingte sich auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin ihres Ehemannes, eines Physikprofessors. Einige ihrer Ballonfahrten nutzte sie deshalb für wissenschaftliche Experimenten und Beobachtungen. Einmal stieg sie bei einer Fahrt so hoch, dass sie bewusstlos wurde. Der Ballon platzte, stürzte ab und blieb in ein paar jungen Fichten hängen, sodass Reichard den Sturz - mit einigen Verletzungen - überlebte. 1814 übersiedelte sie nach Döhlen in Ostsachsen, wo sie bis zu ihrem Tod 1848 lebte.

Lili Elbe - erster intersexueller Mensch, der sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog

Lili Elbe wurde als Einar Wegener geboren. Sie gilt als einer der erste intersexuellen Menschen, der sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Ihr weg führte sie über Kopenhagen nach Paris und schließlich nach Berlin, in das Institut von Magnus Hirschfeld. Dort wurde die erste von mehreren Operationen durchgeführt. Wenig später brach Elbe mit ihrer Ehefrau Greta Wegener nach Dresden auf. Dort in der Frauenklinik wurden weitere OPs durchgeführt. Als Folge annulierte der dänische König die Ehe zwischen Lili Elbe und Greta Wegener, Elbe bekam neue Papiere auf ihren neuen Namen ausgestellt. Einige Monate nach der vierten Operation kam es allerdings zu Komplikationen. Möglicherweise, weil ihr Körper transplantierte Organe abstieß. Sie wurde auf einem Friedhof in Dresden-Johannstadt beerdigt. 2015 spielte Eddie Redmayne im Film "The Danish Girl" Lili Elbe und wurde dafür für den Oscar nomieniert. Die Produktionsfirma des Films finanzierte auch einen neuen Grabstein für Elbe.

Lene Voigt - eine junge Schriftstellerin die verboten, vergessen und wiederentdeckt wurde

Lene Voigt
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Lene Voigt wurde am 02. Mai 1891 als Helene Alma Wagner in Leipzig geboren. Auf den Wunsch ihrer Mutter ließ sie sich erst zur Kindergärtnerin ausbilden, doch das war nicht ihr Traum. So begann sie eine Tätigkeit als Verlagskontoristen und arbeitete Anfang der 1920er-Jahre auch einige Zeit im berühmten Insel Verlag. Mit 32 konnte sie bereits von ihren Gedichten und Humoresken in sächsischer Mundart leben. Als freie Schriftstellerin publizierte sie in linken und linksliberalen Zeitschriften und Zeitungen. Ihr Leben war von Schicksalsschlägen gezeichnet: die Scheidung von ihrem Mann und dem Tod ihres fünfjährigen Sohnes. Im Dezember 1936 stufte das "Reichspropagandaministerium" ihre Werke als "jiddisch" und "Kulturbolschewismus" ein und verbot eine Neuauflage. Die Dichtern hatte keine Einnahmen mehr, erkrankte an Schizophrenie und verbrachte die restlichen Jahre ihres Lebens in diversen Psychiatrien. Im Jahr 1961 starb Lene im Alter von 71 Jahren und wurde auf dem Leipziger Südfriedhof begraben. Erst 20 Jahre nach ihrem Tod, wurden ihre Werke wieder publiziert.

Melli Beese - die erste Pilotin Deutschlands

Melli Beese
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aus Laubegast bei Dresden. Melli studierte zunächst Bildhauerei an der Königlichen Akademie der freien Künste in Stockholm. Nachdem sie dort von den amerikanischen Brüdern Wright und ihren ersten Flugversuchen hörte, war sie sofort begeistert. Sie kehrte nach Deutschland zurück und hörte 1910 am Technikum in Dresden Lesungen zu Mathematik, Schiffbau und Flugwesen. Da die Albatros-Flugwerke Melli wegen "mangelnder Erfahrung mit weiblichen Schülern" abwies, weichte sie in die Schweiz aus. Die Flugschule "Ad Astra" bildete die flugbegeisterte Frau zur Pilotin aus. Flugschüler und Lehrer legten ihr Steine in den Weg: Sie bauten ihr verrußte Zündkerzen in das Flugzeug oder ließen Benzin aus ihrem Tank. Doch Melli ließ sich nicht beirren und absolvierte unbemerkt in den frühen Morgenstunden des 13. September 1911 ihre Pilotenscheinprüfung. Mit dem Pilotenschein Nr. 115 wurde sie die erste deutsche Pilotin. Mit dem Franzosen Charles Boutard und dem Dresdner Hermann Reichelt gründet sie eine eigene Flugschule. Weil sie bei ihrer Hochzeit die französische Staatsbürgerschaft annahm, galten Melli und ihr Mann in Zeiten des Ersten Weltkrieges als Staatsfeinde Deutschlands. Sie verloren alles und lassen sich scheiden. Melli Beese nimmt sich mit 39 Jahren das Leben.

Thüringen

Auch Thüringerinnen haben ihre Spuren in der Geschichte hinterlassen. Nicht nur die berühmte Herzogin Anna Amalia.

Ämilie Juliane Reichsgräfin von Schwarzburg-Rudolstadt - eine berühmte Lieddichterin

Ämilie Juliane Reichsgräfin von Schwarzburg-Rudolstadt
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Diese berühmte Frau wurde 1637 in Rudolstadt geboren. Zu Lebzeiten hat sie rund 600 Lieder gedichtet, allesamt geistlich. Als bekanntestes gilt "Bis hierher hat mit Gott gebracht". Und selbst der große Komponist J.S. Bach hat sich bei ihr bedient. Er hat ihr Lied "Wer weiß, wei nahe mir mein Ende" in drei Kantaten verarbeitet. Ob das Lied wirklich von Æmilie Juliane Reichsgräfin von Schwarzburg-Rudolstadt war bis ins 18 Jahrhundert hochumstritten. Erst der Universalgelehrte Johann Gottfried Gregorii konnte 1719 beweisen, dass das Lied wirklich von der Lieddichterin stammt. Neben ihrer Tätigkeit als Komponistin war sie aber auch "Landesmutter" und kümmerte sich um die Armen. Sie spendete Almosen und Lebensmittel und ließ sogar Heilmittel austeilen. 1706 starb sie, ebenfalls in Rudolstadt und hinterließ einen tieftraurigen Ehemann.

Dorothea Pichelt - hat sich als Frau in die Armee gemogelt

Die Geschichte von Dorothea Pichelt erinnert ein wenig an den Disney-Film Mulan. Als König Friedrich Wilhelm III. sein Volk aufrief, gegen die Franzosen ins Feld zu ziehen, wollte auch Dorothea mit dabei sein. Sie schlich sich aus dem Elternhaus, nahm etwas Geld mit und kaufte sich davon ein Pferd. Schließlich trat sie unter dem Namen Theodor Pichelt einem Freikorps bei, mit dem sie später auch nach Nordhausen kam. Zusammen mit zwei anderen Soldaten rettete sie ihrem Schwadronsführer das Leben. Nachdem die preußischen Truppen siegreich in Magdeburg eingezogen waren, gestand sie dem Wachtmeister, dass sie eine Frau sei. Sie wurde für ihre Vaterlandsliebe und Verdienste gerühmt. Später soll sie einen Feldwebel names Geiger geheiratet haben.

Anna Amalia - Herzogin von Weimar und Freundin der Kunst

Portrait von Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach
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Mit gerade mal 18 wurde sie Regentin. Mit 20 war sie dann Witwe und Vormud für ihren Sohn, der auf den Thron nachrücken sollte. Dass sie unter anderem Münzen mit ihrem Monogramm hat prägen lassen, lässt darauf schließen, dass sie selbst durchaus einen Machtanspruch hatte. Einen Namen hat sich Anna Amalia aber vor allem als Namenspatronin der Bibliothek und als Förderin der Künste. Sie beteiligte sich an literarischen Diskussionen, förderte öffentlichkeitswirksam die Kunst und holte zahlreiche Künstler und Wissenschaftler an ihren Hof. Zu Goethe, der zur selben Zeit, wie Anna Amalia in Weimar lebte, hatte sie ein eher gespaltenes Verhältnis. Trotzdem verfasste der Dichter einen Nachruf zu Anna Amalias Tod.

Marga Faulstich - eine berühmte Glaschemikerin

geboren in Weimar, wurde sie die erste weibliche Führungskraft des Glasherstellers Schott, bei dem sie ein Leben lang gearbeitet hatte. Anfangs machte sie in dem Unternehmen in Jena eine Ausbildung zur wissenschaftlichen Hilfskraft und arbeitete an der Grundlagenforschung für Sonnenbrillen mit. Faulstich war begabt und machte im Unternehmen schnell Karriere und stieg bis zu Wissenschaftlerin auf. Ein berufsbegleitendes Chemiestudium konnte sie nicht zu Ende bringen. Faulstich wurde aus der sowjetischen Besatzungszone in den Westen gebracht. Dort wurden die Schott-Werke neu aufgebaut und Faulstich blieb dem Unternehmen bis in den Ruhestand treu. Sie war an der Forschung und Entwicklung neuer optischer Gläser beteiligt, insbesondere für Objektive an Mikroskopen und Ferngläsern. Insgesamt entwickelte sie über 300 Typen optischer Gläser und reichte Rund 40 Patente ein.

Marlene Dietrich - eine der größten weiblichen Filmlegenden aller Zeiten

Schauspielerin Marlene Dietrich
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absolvierte in jungen Jahren eine Ausbildung zur Konzertgeigerin in Weimar. Nachdem sie diese wegen einer Sehnenentzündung abbrechen musste, ging sie nach Berlin, um Schauspielerin zu werden. Nach kleinen Rollen in Theaterstücken und Filmen, kam mit der "Lola" in "Der blaue Engel" ihr großer Durchbruch. Der Erfolg dieses Films führte sie nach Hollywood, wo jeder Regisseur sie vor die Kamera kriegen wollte: von Alfred Hitchcock über Ernst Lubitsch bis hin zu Billy Wilder. Für ihren ersten Hollywood-Film "Marokko" wurde sie für den Oscar nominiert. Für die damalige Zeit beging sie viele Tabubrüche - sie trug Hosen und führte eine offene Ehe mit ihrem Mann Rudolf, hatte zahlreiche Romanzen mit Männern und Frauen. Da sie die NS-Ideologie ablehnte, emigrierte sie in die USA und wurde im Jahr 1939 amerikanische Staatsbürgerin. Der Abschied von ihrer Heimat fiel ihr schwer. Bis Mitte der 1970er Jahre tourte sie als Chanson-Sängerin durch die Welt und starb schließlich in Paris, im Alter von 90 Jahren. Begraben wurde sie in Berlin, in der Nähe ihres Geburtshauses.

Therese Gayer - spendete ihren gesamten Besitz für wohltätige Zwecke

an ihre Heimatstadt Gotha. Therese wurde als Tochter eines Kaufmanns geboren. Nach dem Tod ihrer Eltern kümmerte sie sich um ihre pflegebedürftige Schwester und lebte ein zurückgezogenes Leben. 1896 starb Therese in Gotha und hinterließ ihren Grundbesitz und 320.000 Mark "ihrer geliebten Stadt". Dieses Geld sollte alleinstehenden, unverheirateten und bedürftigen Frauen ihrer Heimatstadt zugutekommen. Drei Jahre später wurde ihr Haus zum Altersheim für 20 Frauen umgebaut. Später fanden dort sogar 58 Personen Platz. Die Stadt Gotha gründete die "Therese-Gayer-Stiftung" und benannte eine Straße nach der Wohltäterin.

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