Was bringt die Booster-Impfung?

Aller gute Dinge sind drei? Mal sehen, ob dieser Satz auch bei der Corona-Impfung zutrifft. Während woanders schon Auffrischungsimpfungen angeboten werden, diskutiert man bei uns noch über die Sinnhaftigkeit der sogenannten Booster-Impfung.

Ein Impfling wird in einem Zelt vom Malteser-Hilfsdienst mit einer Spritze und dem Wirkstoff von Biontech gegen das Coronavirus geimpft.
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Beim Thema Corona-Impfung passieren ja gerade zwei Sachen gleichzeitig: Erstens versuchen die Gesundheitsbehörden bei uns in der Region möglichst viele Unentschlossene zu erreichen. Dazu gibt es spezielle Kampagnen, etwa im Vogtland. Dort sind mobile Impfteams unterwegs, werden Sportvereine für Aktionen ins Boot geholt und im Impfzentrum gibt es die Spritzen auch ohne vorherige Terminvereinbarung. Hier geht es also darum, sich überhaupt impfen zu lassen.

Zweitens aber gibt es gleichzeitig eine Diskussion die alle diejenigen betrifft, die bereits vollständig geimpft sind – oder das zumindest vorhaben. Dabei geht es um die Frage, ob und wann eine dritte Impfung, eine sogenannte Booster-Impfung nötig ist. In Israel hat man sich zum Beispiel schon dafür entschieden, dass sich immungeschwächte Erwachsene ab sofort eine Drittimpfung holen können.

Erkrankt auch bei doppelter Impfung

Hintergrund für die Entscheidung in Israel sind die wieder steigenden Fallzahlen im Land, die auf die Delta-Variante des Sars-CoV-2-Virus zurückgehen. Generell gilt die Faustregel, dass ältere Menschen oft ein schwächeres Immunsystem haben. Dann gibt es auch noch Menschen, deren Immunantwort wegen Medikamenten schwach ausfällt, etwa weil die Betroffenen Autoimmunkrankheiten haben oder eine Krebstherapie bekommen. Und manch einer hat vielleicht auch nur Pech, wie der Mann aus Kamenz, der trotz doppelter Impfung an Corona erkrankte.

Weil die Delta-Variante des Virus inzwischen auch das – einstweilen noch sehr niedrige – Infektionsgeschehen bei uns bestimmt, sollten auch wir uns mit der Frage der Booster-Impfung auseinandersetzen. Eine formelle Empfehlung zur Drittimpfung – beziehungsweise im Fall von Johnson & Johnson: Zweitimpfung - gibt es in Deutschland bisher nicht. Und auch die Europäische Arzneimittelagentur (Ema) teilt mit:

Es ist im Moment zu früh zu bestätigen, ob und wann eine Booster-Dosis bei Corona-Impfstoffen nötig sein wird.

Hersteller sehen Notwendigkeit

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer sagen aber schon mal, dass sie davon ausgehen, „dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“. Dabei beruft man sich auf die Auswertung vorläufiger, noch nicht veröffentlichter Studiendaten aus Israel.

Eine dritte Dosis der Impfung, so die Firmen, würde das höchste Schutzniveau gegenüber allen bisher getesteten Coronavirus-Varianten erhalten. Laut den vorläufigen Daten würden die Antikörperwerte von Geimpften nach einer dritten Impfung im Vergleich zur zweiten um das Fünf- bis Zehnfache ansteigen, erklärte Pfizer-Forschungschef Mikael Dolsten. (https://www.zeit.de/wissen/2021-07/coronavirus-impfstoff-pfizer-biontech-auffrischungsimpfung?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE) Geimpft werden könne dabei mit der bisherigen Version des Impfstoffs, so Biontech und Pfizer. Man teste aber auch eine an die Varianten angepasste Version.

Nun verwundert es vielleicht nicht so, dass die Pharmafirmen vom Nutzen einer Drittimpfung überzeugt sind. Schließlich wollen sie das Präparat auch verkaufen und daran Geld verdienen. Das ist ja auch ihr gutes Recht. Wie sehen aber Experten nun die Sache? Der Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé von der Uni Halle sagt: Eine generelle Drittimpfung für alle sei überflüssig.

Wissenschaftliche Studien fehlen noch

Ich halte es noch für zu früh, um einschätzen zu können, ob wir Booster-Impfungen tatsächlich benötigen

erklärt auch Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. Ob man jetzt oder im Herbst noch einmal 60 Millionen Menschen in Deutschland impfen müsse, sei noch völlig offen. Es gebe dazu keine belastbaren wissenschaftlichen Studien.

Die Gesundheitsbehörden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen warten ebenfalls noch auf Ergebnisse aus den wissenschaftlichen Untersuchungen, bevor sie ein weiteres Vorgehen zum Thema Booster-Impfung planen. Dafür, dass es dann gegebenenfalls auch Impfstoff gibt, soll jedenfalls gesorgt sein. Die EU hat schon die Bestellungen für 2022 und 2023 auf den Weg gebracht.

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