Strenge Ausgangsbeschränkungen in vielen Teilen Sachsens ab Dienstag

Auch Thüringen und Sachsen-Anhalt verschärfen die Corona-Regeln ab dem 1. Dezember noch einmal: Die Maskenpflicht wird ausgeweitet, nur noch fünf Personen sollen sich treffen dürfen.

In Dresden gilt wie in vielen anderen Städten auch eine Maskenpflicht für bestimmte Teile der Innenstadt. Die Einhaltung der Maskenpflicht wird hier von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert.
In Dresden gilt wie in vielen anderen Städten auch eine Maskenpflicht für bestimmte Teile der Innenstadt. Die Einhaltung wird hier von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert. Bildrechte: imago images / xcitepress

Bis weit in den Herbst hinein gehörte Sachsen noch zu den Bundesländern mit sehr wenigen Neuinfektionen: Doch der Freistaat hat sich inzwischen zum Corona-Hotspot entwickelt, mit der höchsten Ansteckungsrate deutschlandweit. Vor dem Wochenende gab es fast 3.000 Neuansteckungen in Sachsen. Die Ansteckungszahlen entwickeln sich laut Sozialministerin Petra Köpping (SPD) weiterhin "sehr dynamisch". Sachsen hat daher für besonders betroffene Regionen Alkoholverbote und strenge Ausgangsbeschränkungen beschlossen. Die treffen gleich zehn von 13 kreisfreien Städten und Landkreisen.  

Sachsen: "Wir müssen handeln"

Die Belastungsgrenze für die Krankenhäuser sei erreicht, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach einer Kabinettssitzung in Dresden. Auf der wurde die neue Corona-Schutzverordnung beschlossen, die vom 1. bis zum 28. Dezember gelten soll. Ministerpräsident Kretschmer sagte:

Wir können keine Beschränkung mehr lockern, wir brauchen mehr Einschränkung.

Er bitte die Sachsen "inständig, diesen Weg mitzugehen". Der könnte für weite Teile des Freistaates ab Dienstag noch anstrengender werden als jetzt. Es gelten Ausgangsbeschränkungen für Hotspots mit mehr als 200 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner im 7-Tages-Schnitt. So darf die eigene Wohnung nur noch aus einem triftigen Grund verlassen werden, etwa für die Schule, die Arbeit, Arztbesuche und zum Einkaufen. Zudem ist verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit auszuschenken oder zu trinken. Glühweinstände als Alternative zu abgesagten Weihnachtsmärkten dürfen dann keine alkoholischen Getränke mehr verkaufen. In Fußgängerzonen, Parks und auf Parkplätzen ist die Maske Pflicht. Schulen könnten vorübergehend geschlossen werden oder Klassen im Wechselmodell unterrichtet werden: Ein Teil der Schüler lernt zu Hause, der andere in der Schule. Der Präsenzunterricht mit allen Schülern in der Klasse solle aber Priorität haben. Aktuell liegen nur noch Leipzig und die Landkreise Leipzig und Meißen unter der 200-Neuinfektionen-Schwelle und müssen daher noch nicht die strengsten Corona-Regeln einhalten. Laut Sozialministerin Petra Köpping sollen die Kontaktbeschränkungen über Weihnachten gelockert werden. Das hatten Bund und Länder gemeinsam beschlossen.

Thüringen: Noch keine Regeln für Weihnachten und Silvester   

In Thüringen haben sich in den letzten sieben Tagen rund 3.000 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert. Für Sonntag wurden 360 Neuinfektionen gemeldet. Im Landkreis Hildburghausen liegt der Inzidenzwert bei fast 600 und damit führt die Region mit Passau in Bayern die Negativ-Liste in Deutschland an. Mit einer neuen Corona-Verordnung sollen in Thüringen die hohen Zahlen bei den Neuinfektionen gesenkt werden. Die gilt vom 1. bis zum 20. Dezember.

Tafel mit Aufschrift 'Alle Speisen zum mitnehmen. Bitte einzeln eintreten.'
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Thüringen verhängt unter anderem schärfere Kontaktbeschränkungen und eine erweiterte Maskenpflicht. Bei privaten Zusammenkünften dürfen maximal fünf Personen aus zwei Hausständen zusammenkommen. Kinder sind von der Regel ausgenommen. Die Maskenpflicht gilt in Thüringen ab Dienstag in allen geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder in denen Publikumsverkehr besteht. Landkreise und Städte können eine Maskenpflicht für die Orte vorschreiben, an denen sich Personen auf engem Raum oder nicht nur vorübergehend aufhalten.

Auch in Thüringen soll es ähnlich wie in Sachsen für Regionen mit sehr vielen Neuinfektionen (oberhalb von 100 und von 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen) geben. Die Regeln werden aber erst in den nächsten Tagen im Detail veröffentlicht. Thüringen hat bisher noch keine Regeln für Weihnachten und Silvester bekanntgegeben. Ob es dann Lockerungen der Kontaktbeschränkungen im Freistaat geben wird, ist derzeit noch nicht entschieden. Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hatte dazu im Vorfeld gesagt:

Das werden wir Mitte Dezember wissen.

Sachsen-Anhalt: "Wir haben es in der Hand, wie Weihnachten und Neujahr werden."

Für den Sonntag meldete das Sozialministerium 382 Neuinfektionen. Damit ist die Lage in Sachsen-Anhalt derzeit noch nicht ganz so angespannt wie in Sachsen und Thüringen. Das Bundesland setzt mit einer neuen Corona-Verordnung ab Dienstag auch das um, was Bund und Länder zuletzt beschlossen haben. Es gibt aber kleine Unterschiede: Zwar dürfen sich ab dem 1. Dezember auch nur noch höchstens fünf Personen treffen. Die sollen aber aus mehr als zwei Hausständen kommen dürfen. Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) begründete das letzte Woche so:

Wir wollten die Lebenswirklichkeit abbilden in unserem Land.

Beim Kinder- und Jugendsport will Sachsen-Anhalt vorsichtig lockern: Jetzt soll wieder Training in Gruppen von bis zu fünf Personen einschließlich Betreuer oder Trainer möglich sein. Dazu gehören auch Ballett- und Tanzunterricht, sagte Petra Grimm-Benne. In Schulen ist ab Anfang Dezember ab Klasse 7 im Unterricht der Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Laut Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gelten die Regeln zunächst bis zum 20. Dezember. Man könne aber derzeit nicht garantieren, dass sie für das Fest wirklich gelockert werden. Was in Sachsen-Anhalt zwischen Weihnachten und Neujahr gelten, soll Mitte Dezember beschlossen werden. Reiner Haseloff sagte:

Wir haben es in der Hand, wie Weihnachten und Neujahr werden.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und epd.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 30. November 2020 | 19:10 Uhr

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