Spahn legt neue Corona-Strategie vor - wie gut ist der Plan?

Mit Fieberambulanzen, Reihentests in Altersheimen und Antigen-Schnelltests will Bundesgesundheitsminister Spahn das Land gegen weiter steigende Infektionszahlen im Herbst wappnen. Wie sinnvoll ist der Plan?

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, besucht mit Atemschutzmaske das Medizinische Zentrum er Radboud-Universität, Niederlande.
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In Mitteldeutschland gibt es Fieberambulanzen schon seit Beginn der Corona-Pandemie. Dorthin kann man sich wenden, wenn man den Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. Allerdings wurden im Sommer wegen der niedrigen Infektionszahlen hierzulande viele Ambulanzen wieder geschlossen. Jetzt steigen die Zahlen wieder und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will solche Fieberzentren im Herbst flächendeckend in ganz Deutschland einrichten. Die Konzepte dafür lägen bereits vor, sagte Spahn der "Rheinischen Post".

Senioren können sich inzwischen gut selbst schützen

Der Bundesgesundheitsminister will mit Blick auf den Herbst und Winter zudem die Gefahren für die Risikogruppen minimieren. Teil der Teststrategie sollen deshalb präventive Reihentests in sensiblen Bereichen, wie Alters- oder Pflegeheimen sein. Virologe Uwe Gerd Liebert von der Uni Leipzig hält diesen Vorschlag für nicht zielführend. Auch andere Experten hatten bereits im Sommer darauf hingewiesen, dass anlasslose Tests nur eine Verschwendung von Ressourcen sei.

FAKT IST!-Gast: Prof. Uwe Liebert, Virologe Universitätsklinikum Leipzig
Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert, Virologe am Uniklinikum Leipzig Bildrechte: Stefan Straube/Universitätsklinikum Leipzig

Die alten Menschen haben dazugelernt. Sie können inzwischen ihr Risiko viel besser einschätzen und halten sich an die Regeln.

Sinnvoller wären Liebert zufolge Stichprobenerhebungen in den Alters- und Pflegeheimen.

Welche Tests taugen für Teststrategie?

Ein weiterer fester Bestandteil von Spahns Teststrategie sollen zudem Antigen-Schnelltests werden. Spahn hält das für einen qualitativen Schritt nach vorne. Aber auch hier winkt der Virologe ab. Professor Liebert hält die Antigen-Schnelltests für zu ungenau und damit für ungeeignet, einen Anstieg der Infizierten-Zahlen zu bremsen.

Der einzige Vorteil ist, dass die Antikörper-Schnelltests ein schnelles Ergebnis bringen, aber nicht unbedingt ein richtiges.

Genauer seien PCR-Schnelltests, also Abstrich-Tests, bei dem ein Ergebnis nach etwa zwei Stunden vorliegt. Liebert kritisiert, dass zu viel über "halbgare Sachen" wie eben diese Antikörper-Schnelltests diskutiert wird und die Menschen zunehmend verunsichert werden. Gesundheitsminister Spahn will seine Teststrategie bis Mitte Oktober mit den Bundesländern beraten und fortentwickeln.

mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 21. September 2020 | 19:40 Uhr

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