Schweden: das (scheinbar) normale Leben geht weiter

27.03.2020 | 20:12

Am Wochenende shoppen gehen oder ins Restaurant? Kein Problem in Schweden. Das Land hat als einziges in Europa (noch) keine massiven Einschränkungen beschlossen. MDR JUMP-Redakteurin Christiane Luft ist in Schweden unterwegs und berichtet von ihrem Alltag.

STOCKHOLM 20200327 Alltagsleben in Stockholm, Strandvägen in Corona-Zeiten, Mneschen gegen auf der Strandpromenade spazieren
Stockholm, Strandpromenade Bildrechte: Imago/Hendrik Montgomery

Samstag ist in Schweden Einkaufstag. Die meisten Geschäfte sind noch geöffnet. Vor den Supermärkten muss man sich nicht in lange Schlagen einreihen. Jeder kommt rein, wann er will, ob mit oder ohne Einkaufswagen, auch Kinder sind willkommen. Über einige Maßnahmen in Deutschland schüttelt man hier etwas verwundert den Kopf. Als ich einem Freund berichte, dass in einigen Supermärkten in Deutschland neuerdings Kinder verboten sind, ruft er freudig aus: "Wie schön. So entspannt!" (ich mag ihn unter anderem wegen seines schwarzen Humors).

Supermarktregal fast leer, noch wenige Rollen Küchenpapier sind übrig
Auch in schwedischen Supermärkten wird Toilettenpapier gehamstert Bildrechte: MDR JUMP

Viele Supermärkte haben Extra-Öffnungszeiten für Senioren, damit die nicht mit anderen in Kontakt kommen. Es haben sich Freiwilligen-Gruppen gebildet, die für alte Leute, die sich nicht mehr raus trauen, einkaufen gehen. Allen, die älter sind als 70 Jahre wird empfohlen, zu Hause zu bleiben. Taxifahrer, die sonst am Flughafen auf Gäste warten und zur Zeit nicht viel zu tun haben, da kaum noch Flüge ankommen, liefern kostenlos Einkäufe und Medizin aus.

Nachmittags gibts Sporttraining für die Kinder oder es geht ins Schwimmbad. Einige Bibliotheken haben Lesenachmittag oder es gibt kleine Kindervorstellungen. In den Städten sind die meisten Kinos geschlossen, ins Restaurant kann man gehen, in die Kneipe auch, nur an der Bar sitzen darf man nicht mehr.

Abends Freunde treffen – ein samstägliches Ritual - das fällt bei vielen jetzt aus. Macht aber nichts, gehts eben in die Sauna. Die meisten hier haben eine eigene zu Hause. Ich selbst werde Freunde treffen, die ich allerdings nicht umarmen darf. Eine Freundin gehört zur Risikogruppe, ein Pärchen ist schon etwas älter, und so haben sie mich um Verständnis gebeten, dass wir Abstand halten müssen. Das sei eine Empfehlung der Gesundheitsbehörde. Ausführlich und von Entschuldigungen begleitet wurde mir erklärt, dass ich ja aus dem Risikogebiet Deutschland komme und noch keine zwei Wochen da bin… hab ich natürlich verstanden. Man hält sich an das, was die Gesundheitsbehörde sagt – ein typischer Wesenszug, den ich oft an den Schweden beobachtet habe. Das Vertrauen in Regierung und Behörden ist vergleichsweise groß.

Jedenfalls ist die Botschaft: Abstand halten - zwei Meter werden empfohlen - auch hier oben wo ich gerade bin, im nördlichen Teil von Schweden angekommen, und in den sozialen Medien geht die nicht ganz ernstgemeinte Frage um, ob man sich wirklich so nahe kommen muss… die Nordmänner und -frauen sind Abstand gewohnt, es wird (herzlich) aus der Ferne gegrüßt. Das soll gefälligst auch in Corona-Zeiten so bleiben.

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