Schwedens Skianlagen trotz Corona geöffnet: Willkommen im Wintersportparadies

28.03.2020 | 21:39

Schweden setzt im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf Freiwilligkeit und Vernunft der Bürger. Ein Gradmesser, wie gut oder schlecht das funktioniert, ist dieser Tage der beliebte Wintersportort Åre im mittelschwedischen Jämtland. Es wird befürchtet, dass sich dort ein neuer Hotspot, ähnlich wie in Südtirol entwickelt. MDR JUMP-Redakteurin Christiane Luft ist derzeit in Schweden unterwegs und berichtet über ihre ganz persönlichen Eindrücke.

Skilift in Winterlandschaft
Bildrechte: Boesen Photography & Design

108 Zentimeter Schnee, minus 2 Grad, 39 von 39 Skiliften geöffnet – beste Skikonditionen in Åre. Der beliebte Wintersportort nahe der norwegischen Grenze war bis vor wenigen Tagen vollgepackt mit Touristen, die ausgelassen Aprés-Ski-Partys gefeiert haben. Das hatte in Schweden für so viel Aufregung gesorgt, dass zumindest die Partys verboten wurden. Die Skianlagen bleiben unterdessen weiter offen. Und dass, obwohl der Ort inzwischen die höchsten Corona-Infektionszahlen in der Region verzeichnet. Die örtliche Gesundheitsbehörde macht sich vor allem mit Blick auf die bevorstehenden Osterferien große Sorgen. Es wird ein weiterer Touristenansturm erwartet.

Ostern ist Hochsaison in den Bergen. Die Gesundheits-Infrastruktur in Skiorten wie Åre ist nicht ausgelegt für zehntausende eingereiste Touristen, von denen sich eine unbekannte Zahl mit dem neuen Coronavirus angesteckt hat.

Mitarbeiterin der Gesundheitsbehörde Jämtland im schwedischen Staatsfernsehen

Warum bleiben die Ski-Anlagen geöffnet?

In Schweden wird in der Corona-Krise ein anderer Weg versucht. Statt strikter Verbote setzen Regierung und Behörden auf Ermahnungen und Freiwilligkeit. Sie hoffen, darauf, dass sich die Schweden daran halten. Die oberste staatliche Gesundheitsbehörde empfiehlt ausdrücklich Bewegung an der frischen Luft und sieht daher keinen Grund, Skianlagen zu schließen. Man soll nur aufpassen, dass man in der Schlange vorm Lift genügend Abstand hält. Außerdem wurde eine generelle Empfehlung herausgegeben, dass man alle nicht notwendigen Reisen unterlassen soll. Und seitdem kommen tatsächlich weniger Menschen nach Åre, wird im Fernsehen berichtet.

Stockholm-Bashing

Alltag in Stockholm, Menschen gehen spazieren und sitzen im Café
Bildrechte: Imago/Hendrik Montgomery

Da die meisten Ski-Touristen aus Stockholm kommen, läuft hier in den sozialen Netzen gerade ein regelrechter Shitstorm gegen die Bewohner der Hauptstadt. Sie würden rücksichtslos durchs Land reisen und das Coronavirus verbreiten. Auf youtube läuft ein etwas makaberes Video viral mit einem Ausschnitt aus dem Hitler-Film "Der Untergang", in dem Hitler seine Generäle anbrüllt. Das Ganze ist mit Untertiteln versehen á la: Eine Kolonne mit SUVs aus Stockholm wurde auf der Autobahn gesichtet, die sich in Richtung der Wintersportgebiete bewegt. Hitler brüllt, dass das doch nicht wahr sein könne ... "Die fahren in eine Region, wo sich die Krankenhäuser nicht mal eigenes Reinigungspersonal leisten können und verbreiten dort das Coronavirus". Die Schweden haben das Video 500.000 Mal geklickt, sie mögen diese Art des Humors. Ernster Hintergrund ist aber die Tatsache, dass sich das Virus tatsächlich am stärksten in Stockholm verbreitet. Mehr als 3000 bestätigte Corona-Erkrankungen gibt es inzwischen in Schweden. Und die Hälfte der Infizierten kommt aus Stockholm. Gut 100 Menschen sind gestorben, davon zwei Drittel Stockholmer.

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