Gaststätten und Restaurants ab Montag zu: Notwendig, oder der falsche Weg?

Hygienekonzepte, Trennwände, viel Aufwand beim Reinigen: Aus Sicht der Gastwirte und Hotelbetreiber trifft die Entscheidung von Bund und Ländern die Falschen. Bei ihnen seien die Menschen sicher.

Ein Kellner mit Mundschutz räumt einen Tisch in einem Restaurant ab
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Ab Montag sollen Gaststätten und Restaurants nur noch Essen außer Haus verkaufen können. Hotels dürfen keine Urlaubsgäste mehr aufnehmen. Nach dem erneuten Lockdown für ihre Branche sind viele Unternehmer wütend und verzweifelt. Die Gastronomen und ihre Mitarbeiter hätten schon im Frühjahr unglaublich viel auf sich nehmen müssen.

"Wir sind das Wohnzimmer der Nation!"

Jens Weißflog machte seinem Ärger in einem emotionalen Post auf Facebook am Dienstag Luft: Hotels und Restaurants seien sicher und würden jetzt als Sündenbock in Sippenhaft genommen. Der Skisprung-Olympiasieger betreibt in Oberwiesenthal im Erzgebirge ein Hotel mit Restaurant.

Die Gastronomie trage nur sehr wenig zum Infektionsgeschehen bei, sagte Jens Weißflog im Gespräch mit MDR JUMP:

Ein grauhaariger Mann (Jens Weißflog) blickt in die Kamera.
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Das sind ein bis zwei Prozent, die wir da beitragen. Das heißt: Zu 98 Prozent geschehen die Infektionen woanders. Da gibt es ganz andere Branchen und ganz andere Bereiche des Lebens, wo man sich ansteckt.

Gerade Gastronomie und Hotels hätten im Frühjahr mit Hygienekonzepten dazu beigetragen, dass ihre Branche sicher sei. Dafür habe man auch sehr viel Geld investiert: Allein die Plexiglaswände in seinem Restaurant hätten dreieinhalbtausend Euro gekostet. Dazu kämen Kosten für Hygieneartikel und Infektionsspender. Jens Weißflog befürchtet zudem, während der erneuten Schließungen Mitarbeiter zu verlieren. Dabei sei es jetzt schon schwierig, gute Mitarbeiter zu finden.

Nach wie vor stehen die Leute auch zum Unternehmen. Aber es gibt natürlich immer auch eine kritische Masse, die sich in solchen schwierigen Zeiten einen sicheren Hafen sucht.

Für betroffene Unternehmen hat der Bund eine Nothilfe versprochen: Kleine Firmen können 75 Prozent ihres ausgebliebenen Umsatzes ersetzt bekommen. Das werde aber dem Großteil der Branche nicht helfen, so Jens Weißflog zu MDR JUMP:

Die ersten Ausfälle waren im Frühjahr, wir machen jetzt den dritten Monat zu. Das ist ein Vierteljahr des Umsatzes, der uns verloren geht.

"Die Gastwirte, die sich an die Regeln gehalten haben, werden jetzt mitbestraft"

Aus Sicht des Berliner Verlegers und Journalisten Hajo Schumacher dagegen ist die erneute Schließung für Hotels und Restaurants notwendig und unumgänglich. Er sagte MDR JUMP:

Der Berliner Verleger, Journalist und Kolumnist Hajo Schumacher
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Zumindest hier im Berliner Raum ist es nicht gelungen, den Gastronomen und vor allem auch den Gästen klarzumachen, dass es bestimmte Regeln gibt. Etwa zum Nachverfolgen von Kontakten. Und da werden jetzt die mitbestraft, die sich an die Regeln gehalten haben.

Wenn jetzt möglichst alle Kontakte zwischen Menschen mit einem "Wellenbrecher-Lockdown" abgeschnitten werden sollen, könne das nie gerecht sein. Er sehe aber keine Alternative. Die Schließung im November sei auch dann in Ordnung, wenn die Gastronomie nur für einen kleinen Teil der Infektionen verantwortlich sei:

Also kleine Teile, die zur Infektion beitragen, die werden dann irgendwann zu großen Teilen, wie wir vom exponentiellen Wachstum wissen.

Möglicherweise müsse sich auch die Gastronomie-Branche selbst fragen, wie sie mit schwarzen Schafen umgehe. Die zehn Milliarden Euro versprochener Hilfen durch den Bund seien ein "Wort". Die gebe es in anderen betroffenen Branchen nicht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 29. Oktober 2020 | 19:10 Uhr

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