Homeschooling - spannende Herausforderung oder frustrierendes Chaos?

27.03.2020 | 09:03 Uhr

Es ist ein nie da gewesenes Experiment, das gerade in Deutschland stattfindet: Millionen Schülerinnen und Schüler lernen von zu Hause aus. Die Eltern helfen ihnen dabei. Viele sind überfordert.

Mutter mit Kindern am Tisch beim lernen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eltern sind echte Multi-Talente: neben ihrem eigentlichen Job sind sie Köche, Putzkräfte, Seelentröster und jetzt auch noch Vollzeitlehrer. Was für viele eine spannende Herausforderung ist, bedeutet für andere Frust und Chaos. Wir haben bei Facebook gefragt, wie es bei euch zu Hause so läuft. Organisation ist alles, meint zum Beispiel Peggy:

Die erste Woche war voll chaotisch😜 aber wir haben ein gutes System für uns alle gefunden... Alles eine Frage der Organisation🤗 Und wenn wir nicht weiter wissen gibt es ja noch das www und Mitschüler 😊 Bleibt Stark, behaltet die Nerven, eure Kids verstehen dies alles nicht so wie wir! Schreit sie nicht an und übt keine Gewalt aus denn das ist definitiv der falsche Weg. BITTE🙏

Peggy von Ostrowsky

Die Nerven behalten ist ein guter Rat, aber für manche Eltern ist die jetzige Situation wirklich schwierig, berichtet unter anderem Doreen bei Facebook:

Es ist eine einzige Katastrophe, nicht zuletzt dass man selbst noch im Homeoffice arbeiten muss, sitzt man mindestens mit den Kindern noch 3-4 h an den Aufgaben, die meines Erachtens viel zu viel sind. ... Wir als Eltern, ich bin alleinerziehend, sind völlig überfordert...

Doreen Lang

Eltern sind kein Lehrerersatz

Der Grundschul-Verband gibt vielen Eltern recht: Sie können nicht die Arbeit der Lehrer ersetzten. Und das sollen sie auch gar nicht. Sie würden nur in Rollenkonflikte geraten. Und sie können nicht das abfangen, was normalerweise in der Schule läuft. Stattdessen sollten die Eltern gut darauf achten, was man den Kindern wirklich zumuten kann, sagt Thekla Mayerhofer, Landesvorsitzende des Grundschul-Verbandes Sachsen-Anhalt im MDR JUMP-Interview:

Ich glaube, es muss jedes Elternhaus das richtige Maß für sich und und sein Kind finden. Ich denke nicht, dass es Ziel der Sache ist und sein kann, dass man eine Flut an Aufgaben abarbeitet. Im Gegenteil.

Thekla Mayerhofer, Landesvorsitzende des Grundschul-Verbandes Sachsen-Anhalt

Einen Mix aus Aufgaben und Entspannung versucht Jacqueline zu Hause. Sie schreibt auf Facebook:

Wir machen vormittags bis Mittag die Aufgaben von der Schule soweit wie es geht... Es gibt auch Tage wo ich auch mal sage lasst es sein und lieber was zusammen zu machen wie Fenster bemalen oder Briefe und Bilder an Freunde oder Bekannte schicken... Oder einfach auf den Sofa lümmeln und kuscheln. Auch wenn viele das nicht verstehen, aber es sind Kinder...

Jacqueline Weber

Die Zeit mit den Kindern zu Hause nutzen, was mit ihnen machen, das allen Spaß macht, spielerisch lernen beim Backen, Kochen oder Lesen - das hält auch Thekla Mayerhofer vom Grundschulverband für einen guten Weg. Und noch einen wichtigen Rat hat sie:

Nicht verzweifeln liebe Eltern - Schule ist nicht alles.

Thekla Mayerhofer, Landesvorsitzende des Grundschul-Verbandes Sachsen-Anhalt

Mut machen soll auch der Facebook-Kommentar von Nicole:

Setzt Euch nicht so unter Druck! Wir Eltern geben immer unser bestes, aber wir sind keine Pädagogen... Was nicht geht, das geht nicht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 26. März 2020 | 17:40 Uhr

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