Sind die Impfpässe fälschungssicher?

Die kurze Antwort: nein! Die lange Antwort: Wie viel Unsinn Betrüger mit Corona-Impfnachweisen anstellen, hängt von uns allen ab.

Impfpass mit erster und zweiter Corona-Impfung
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Wieder so ein Wort, an das man sich erst mal gewöhnen muss. Vaxxie oder Impfie – so heißen die schnell geschossenen Fotos von sich selbst nach dem Corona-Piks in den Oberarm. Für Sprachwissenschaftler sind die neuen Begriffe der Pandemie ein interessantes Untersuchungsgebiet, für uns andere sind die Impf-Fotos gerade mehr und mehr Alltag. Man bekommt sie in immer mehr Timelines und Statusmeldungen zu sehen.

Zuerst waren es vielleicht die Eltern, die stolz ihren Impferfolg vorgezeigt haben. Weil aber in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen jetzt die Prio-Gruppe 3 entweder schon dran ist, oder aber bald drankommt, gibt es die stolzen Fotos jetzt von immer mehr Freunden und Bekannten.

Frau zeigt Smartphone mit digitalem europäischen Impfpass mit QR-Code
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Jetzt soll es hier aber nicht um Impfneid – noch so ein neues Wort – oder ähnliches gehen. Sondern um die Probleme, die ein öffentliches Posten der Impf-Selfies bringen kann. Zumindest, wenn man nicht aufpasst. Denn die Fotos könnten Fieslingen helfen: "Betrüger könnten anhand solcher Bilder gefälschte Impfausweise anfertigen oder dem Paul-Ehrlich-Institut falsche Nebenwirkungen melden", warnt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Besonders sensibel ist die sogenannte Chargennummer. Das ist die kleine Zahl auf dem Aufkleber im Impfpass. Mit ihrer Hilfe kann der Hersteller zurückverfolgen, wann und wo genau die betreffende Ampulle produziert wurde. "Gesundheitsdaten sind hochsensible Daten", warnt die Polizei. "Diese haben im Netz nichts verloren."

Der Impfpass als Schlüssel zu mehr Freiheit

Impfpass
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Nun kann man sich fragen: Warum sollte jemand einen Impfpass fälschen? Nun, gerade geht es ja darum, dass zumindest Corona-Geimpfte und Genesene wieder möglichst viele Rechte normal ausüben können, also von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen nicht mehr umfassend betroffen sind. Und wie weist man eine Impfung nach? Richtig, zumindest bisher geht das mit dem Impfpass. Irgendwann sollen auch die Corona-App oder wahlweise eine Extra-App das können. Doch bis dahin dient eben das korrekt ausgefüllte gelbe Heftchen als Zeichen dafür, wer jetzt wieder etwas mehr darf.

Und der illegale Handel mit gefälschten Impfpässen ist längst Realität. Auf Telegram lassen sich nach MDR Recherchen gefälschte Impfpässe schon ab 80 Euro erwerben. Die Preise anderer Anbieter gehen hoch bis 200 Euro pro Pass. Manche schicken gleich noch Fotos ihrer Fälschungen hinterher. So kann man sich schon vorab einen Eindruck machen. Von Originalen sind die Impfausweise nicht zu unterscheiden. Wie auch, Impfpässe haben keinerlei Sicherheitsmerkmale wie etwa Wasserzeichen.

Die Bundesregierung hat klar davor gewarnt, sich gefälschte Impfpässe zu beschaffen, um so vorzeitig in den Genuss von Erleichterungen zu kommen: "Wer so etwas tut, gefährdet die Gesundheit anderer Menschen. Das ist das eine. Er macht sich aber auch strafbar. Das ist ganz klar eine nach dem Strafgesetzbuch strafbewehrte Urkundenfälschung. Und strafbare Handlungen werden verfolgt", so Regierungssprecher Steffen Seibert.

Auch EU-Zertifikat mit Missbrauchsrisiko

Das Problem: Das Missbrauchsrisiko bleibt wohl sogar bestehen, wenn der digitale Impfnachweis irgendwann kommt. Dass soll der Nachweis aus dem Impfpass vom Arzt oder Apotheker in die digitale Form übertragen werden können. Und wenn der Impfpass gefälscht ist, kann man sich damit wohl auch das sogenannte grüne Zertifikat der EU erschwindeln, sobald das verfügbar ist. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, es sei besonders wichtig, dass die vorgelegten Papierdokumente sorgfältig geprüft und abgeglichen würden, bevor ein EU-weit gültiges Zertifikat generiert werde.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 26. Mai 2021 | 19:40 Uhr

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