Urteil: Gutscheine statt Geld zurück in Theatern ist zulässig

Fällt eine Theaterveranstaltung aus, kann der Veranstalter einen Gutschein ausstellen. Ein Kläger wollte sich dagegen wehren und ist nun vor Gericht gescheitert.

Umgebaute Sitzreihen zur Einhaltung der Abstandsregeln im Berliner Ensembl
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Viele Theater, Konzertveranstalter und Co. haben auch für dieses Jahr schon Karten verkauft und müssen ihre Veranstaltungen dennoch ausfallen lassen. Sie können ihr Programm leider noch nicht wie geplant stattfinden lassen. Um die Veranstalter vor der Pleite zu bewahren, sollen sie Gutscheine herausgeben dürfen. Davon war ein Unternehmer aus Bayreuth nicht begeistert.

Unternehmer bekommt Gutschein für ausgefallene Vorführung

Der Mann hatte zwei Tickets für eine Theateraufführung Ende März 2020 gekauft. Die Veranstaltung konnte wegen des ersten Lockdowns nicht stattfinden. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski aus Dresden erklärt:

Der Mann wollte seine Ticketgebühren zurück. Das hat ihm der Veranstalter verweigert, hat gesagt: Ich darf dir einen Gutschein geben. Das Geld bekommst du nicht zurück. Da hat man sich nicht einigen können.

Das Theater hatte den Gutschein mit einem Gesetz aus dem vergangenen Jahr begründet. Darin wurden Regeln „zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie“ geregelt. Die Gutscheinlösung stellte ihn aber nicht zufrieden. Er zog vor Gericht.

Gericht steht auf Seite der Kulturschaffenden

Das Amtsgericht München entschied, Theater dürfen Gutscheine ausstellen und müssen nicht das Geld zurückzahlen. In der Begründung hieß es: 

Insolvenzen von Veranstaltern sollen verhindert oder wenigstens verzögert werden. Die negativen Folgen der Pandemie sollen auf möglichst viele verteilt werden.

Härtefallklausel für finanziell schwache Kunden

Für finanziell schwache Kunden könnte die Entscheidung anders ausfallen. Wer glaubhaft machen kann, dass durch die Gutscheinlösung die finanzielle Planung in Gefahr ist, der könnte von einer Härtefalllösung profitieren. Auf alle kann das laut Gericht aber nicht zutreffen, da die Kunden bereits im Vorfeld entschieden haben, das Geld für eine nicht greifbare ideelle Leistung auszugeben. Sie hätten mit dem Geld also nicht weiter geplant. Kinschewski erklärt aber, dass diese Regeln nur vorübergehend gelten:

Das gilt nicht für ewig. Momentan muss man den Gutschein akzeptieren. Am 31.12.2021 endet das. Das heißt, wenn ich den Gutschein bis Ende des laufenden Jahres nicht einlösen kann, kann ich ab 1.1.2022 mein volles Geld zurückverlangen.

Das Urteil des Amtsgerichts München (Az. 154 C 6021/20) ist rechtskräftig.

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP vor.

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