Corona-Impfstart in Mitteldeutschlands Hausarztpraxen: Wer kommt jetzt dran?

Am 07. April haben Hausärzte und Hausärztinnen bundesweit mit den Corona-Impfungen begonnen. Wie verläuft der Impfstart?

Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum.
Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Es geht endlich los: Hausarztpraxen in Mitteldeutschland dürfen seit Mittwoch gegen das Coronavirus impfen. Die Hoffnung ist groß, dass sich das Impf-Tempo dadurch erheblich erhöht. Bislang sind rund 10.790.000 Menschen in Deutschland geimpft, also ca. 13 Prozent (Stand 08. April). Eine Herdenimmunität wird ab einem Anteil von 60 bis 70 Prozent voll immunisierter Menschen erwartet. Bundesweit nehmen nun rund 35.000 Praxen teil, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mitgeteilt. Sind Hausarztpraxen gut auf den Ansturm vorbereitet oder bleibt der gar aus?

Terminvergabe

Ein älteres Ehepaar erhält in einer Hausarztpraxis ihre Corona-Schutzimpfung.
Bildrechte: dpa

Sollte ich meinen Hausarzt sofort anrufen und nach einer Impfung fragen oder einen Termin über die Impfportale buchen? Wer geimpft werden möchte, sollte sich direkt mit seinem Hausarzt in Verbindung setzen, um einen möglichen Termin abzusprechen, rät die Kassenärztliche Vereinigung. Hausärzte und Hausärztinnen wollen den Überblick behalten und sich an die Impf-Reihenfolge der Corona-Impf-Verordnung halten. Die Praxen regeln die Terminvergabe also selbst. Die meisten rufen ihre Patienten und Patientinnen selbst an, andere bieten die digitale Terminbuchungsmöglichkeit. Die Impfbereitschaft sei groß, teilt Hausarzt Gerd Jahny aus Ralbitz dem MDR mit:

Ich habe damit gerechnet, dass ein Interesse an den Impfungen besteht. Ich hab aber nicht damit gerechnet, dass jetzt so eine überwältigende Welle auf uns zukommt.

Nicht vergessen: Impfausweis und Krankenkassenkarte müssen unbedingt zum Termin mitgebracht werden!

Welcher Impfstoff wird verwendet?

Das Bundesgesundheitsministerium hat festgelegt, dass jede Praxis zunächst rund 20 Impfdosen pro Woche bekommt. Ulrich Weigeldt, Chef des Hausärzteverbandes sagte, man wünsche sich mehr Dosen, denn die Hausärzteschaft sei startklar und könnte weitaus mehr stemmen. Demnach könnten einige Praxen bis zu 100 Dosen pro Woche verimpfen. Die Praxen werden einmal wöchentlich über den Großhandel durch die Apotheken mit Impfstoffen beliefert.

Sachsen

Das sächsische Sozialministerium informiert:

In den ersten beiden Aprilwochen werden die Praxen mit dem Impfstoff von Biontech beliefert. Danach soll zunehmend auch der Astrazeneca-Impfstoff in Hausarztpraxen verimpft werden.

Sozialministerin Petra Köpping sagte, dass rund 160 Praxen in den grenznahen Landkreisen Görlitz, Erzgebirge und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge rund 50.000 Dosen des Impfstoffes von Astrazeneca zusätzlich zu den Lieferungen über den Großhandel erhalten sollen. Hausarzt Gerd Jahny war vom Impfstart nicht begeistert, aber hoffnungsvoll:

Es ist eigentlich mal wieder typisch gelaufen. Die Politik hat gesagt: Dann geht's los. Und dann hat man uns gestern Abend den Impfstoff hingestellt: ‚Macht mal! Ihr werdet das schon irgendwie hinkriegen.‘ Kriegen wir auch. Aber es muss sich einspielen.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt wird zuerst mit Biontech geimpft. In den darauffolgenden Wochen kommen weitere Impfstoffe dazu, wie zum Beispiel Astrazeneca. Der Impfstart verlief nicht reibungslos und es gab Lieferschwierigkeiten. Yvonne Wilke aus Biederitz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass sie ihre Patienten vorsorglich zu Donnerstag in die Praxis bestellt hat:

Der Großhandel ist gerade dabei das an die Apotheken auszuliefern. Ich weiß nicht, wann der Impfstoff heute ankommt. Ich habe jetzt für diese Woche, also für Donnerstag die ersten Patienten einbestellt, weil ich einfach nicht weiß, wie und wann der Impfstoff hier ankommt. Und ich finde diesen Start sehr holprig und eigentlich misslungen.

Detlfef Neumann, Hausarzt in Magdeburg ist sehr positiv gestimmt:

Ich denke, uns fällt allen ein großer Stein vom Herzen, dass es endlich losgeht und wir endlich einbezogen werden, in die Kampagne. Sodass wir schnell alle durchgeimpft und gesund sind und das Leben wieder losgehen kann.

Thüringen

Fläschchen des Corona-Impfstoffs von Johnson und Johnson
Bildrechte: dpa

Auch in Thüringen steht zunächst der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer zur Verfügung. Später kommt der Astrazeneca-Impfstoff dazu. Einen Überblick darüber, in wie vielen und welchen der etwa 1.600 Praxen in Thüringen geimpft wird, gibt es noch nicht. Einige Praxen seien aber zunächst leer ausgegangen. Stefan Fink, der Vorsitzende des Apothekerverbands sagte, dass der Grund dafür bei den Apotheken vor Ort läge. Die könnten eventuell zu spät bestellt haben. Nun habe im Schnitt jeder Hausarzt und jede Hausärztin in Thüringen 18 bis 24 Dosen erhalten, die bis zum Wochenende geimpft werden können. Vielleicht wird der vierte Impfstoff Johnson & Johnson den Impfprozess vorantreiben. Die europäische Kommission hat 200 Millionen Impfdosen bestellt, davon soll Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Der Impfstoff soll ab April geliefert werden.

Kann ich mir den Impfstoff aussuchen?

Wie das Bundesgesundheitsministerium sagte, bestehe keine freie Wahl bei den Impfstoffen. Wegen der Impfstoffknappheit könne man nicht das Recht einräumen, den Impfstoff eines bestimmen Herstellers zu wählen.

Termin im Impfzentrum absagen?

Wenn ihr bereits einen Termin im Impfzentrum habt, dann solltet ihr den auf jeden Fall behalten. Da die Hausarztpraxen nur eine begrenzte und bislang geringe Bestellmenge haben, ist es noch unklar, wo ihr schneller drankommen würdet. Mit mehr Impfstoffen wird erst Ende April gerechnet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 07. April 2021 | 13:00 Uhr

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