Die Deutsche Umwelthilfe fordert Alternativen zum Feuerwerk

zuletzt aktualisiert: 24.10.2019 | 13:19 Uhr

Kein Silvester ohne Feuerwerk. Doch Müll und Feinstaub sind alles andere als gut für die Umwelt. Die Deutsche Umwelthilfe hat Alternativen zum Böller vorgestellt.

Feuerwerk gehört fest zu Silvester dazu. Doch seit längerem ist das Feuerwerk Umweltschützern ein Dorn im Auge.

Die Feinstaubbelastung sei an Neujahr so hoch, wie an keinem anderen Tag des Jahres, schreibt beispielsweise das Umweltbundesamt. 4.500 Tonnen Feinstaub würden beim Silvesterfeuerwerk in die Luft geblasen, das entspricht etwa einem Siebtel des im Straßenverkehr im ganzen Jahr ausgestoßenen Feinstaubs. Dazu kommt tonnenweise Müll. Außerdem können Kinder in den Tagen danach beim Spielen an Blindgänger geraten, die ohne weitere Zündung explodieren können.

Laser statt Böller

Die Deutsche Umwelthilfe sagt der Böllerei den Kampf an. Ihr Bundesgeschäftsführer Jürgen Rensch stellt klar:

Wir wünschen uns weiterhin freudige Feste zum Jahreswechsel – aber ohne verpestete Luft, brennende Häuser, verletzte Menschen und verängstigte Tiere durch archaische Schwarzpulver-Böllerei.

In 98 Städten hat die Umwelthilfe deshalb formale Anträge auf Böllerverbote gestellt. Unter anderem auch in Dresden, Leipzig, Magdeburg, Gera und Erfurt. In Dresden ist der Antrag noch nicht bei der Stadt eingegangen, sagt der Dresdner Stadtsprecher Kay Schulz.

Wenn der Antrag der Deutschen Umwelthilfe bei uns eingeht, werden wir uns selbstverständlich damit befassen.

Rauch bei einem Silvesterfeuerwerk in Berlin
Bildrechte: imago / Frank Sorge

Aschersleben in Sachsen-Anhalt hat den Antrag dagegen schon bekommen und prüft ihn gerade, erklärt die dortige Stadtsprecherin Judith Kadow. Insgesamt hat die Deutsche Umwelthilfe nach eigenen Angaben bei 13 mitteldeutschen Städten solche Anträge eingereicht: Aschersleben, Chemnitz, Dresden, Erfurt, Gera, Görlitz, Halberstadt, Halle, Leipzig, Magdeburg, Weimar, Zittau und Zwickau.

Bevormundung vs. Umweltschutz

Die Debatte wird schon seit längerer Zeit erbittert geführt. Die einen sind durchaus für ein Verbot von Böllern, nicht nur an Silvester. Andere würden sich durch ein solches Verbot allerdings bevormundet fühlen. Die ganze Bandbreite der Argumente könnt ihr unter diesem Facebook-Post von MDR JUMP nachlesen:

Gotha und Landshut als Vorreiter

In manchen Städten gibt es schon solche Verbote: Gotha hat zum Beispiel ein Böllerverbot. An Silvester und Neujahr darf dort rund um das Schloss Friedensstein und im Park kein Feuerwerk gezündet werden. Die Stadt möchte damit vor allem verhindern, dass das Schloss wegen einer fehlgeleiteten Rakete in Brand gerät. Stadtsprecher Maik Mertin meint:

Unserer Wahrnehmung nach wird es positiv gesehen und mit Verständnis für das hohe kulturelle Schutzgut. Das hat auch die Feuerwehr in einzelnen Gesprächen mit Bürgern zu diesem Thema so festgestellt. Der Schlossbrand in Ohrdruf ist hier noch überall in furchtbarer Erinnerung - auch wenn er eine andere Ursache hatte.

Aus ähnlichen Gründen hat auch die bayerische Stadt Landshut im vergangenen Jahr ein Feuerwerksverbot in der Innenstadt erlassen. Dort wird gab es allerdings, im Gegensatz zu Gotha einen Ersatz für die Böllerei: eine Licht- und Lasershow.

Die Deutsche Umwelthilfe nennt das sogar explizit als Alternative zum Feuerwerk. Das Feedback auf die Lasershow in Landshut sei überwiegend positiv ausgefallen, sagen die Veranstalter. Dieses Jahr soll es an Silvester wieder eine solche Show dort geben.

Umweltministerium will Einschränkungen prüfen

Das Umweltministerium (BMU) in Berlin hat auf die aktuellen Anträge der Deutschen Umwelthilfe reagiert. Eine Sprecherin sagte:

Die Bundesregierung beabsichtigt, mittelfristig das Sprengstoffrecht zu novellieren, dabei werden auch weitere Einschränkungen im Hinblick auf Feuerwerkskörper geprüft.

Dafür sei das Bundesinnenministerium federführend zuständig. Die Länder sind für Vollzug und Kontrolle des Sprengstoffrechts verantwortlich. Aus Sicht des Umweltministeriums muss weiter daran gearbeitet werden, die Feinstaubbelastung zu senken. Dabei setze man aber eher auf Maßnahmen, die ganzjährig und überregional etwas bringen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 23. Oktober 2019 | 15:30 Uhr

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