De Randfichten bei einem Auftritt im Stadion von Erzgebirge Aue 2004 (v.l.n.r.: Michael Rostig, Thomas Unger und Thomas Lauterbach)
"De Randfichten" bei einem Auftritt im Stadion von Erzgebirge Aue 2004 (v.l.n.r.: Michael Rostig, Thomas Unger und Thomas Lauterbach) Bildrechte: IMAGO/PicturePoint

Diese verrückten Songs waren ganz oben in den Charts!

08.08.2019 | 11:54 Uhr

Die aktuelle Nummer eines Stars, der Überraschungshit eines Newcomers, das Comeback eines schon fast vergessenen Musikers: Das sind üblicherweise die Songs, die sich an der Spitze der Charts tummeln. Dann schafft es aber alle paar Jahre auch ein Lied auf Nummer eins, bei dem sich alle wundern. Und dann mitsingen.

De Randfichten bei einem Auftritt im Stadion von Erzgebirge Aue 2004 (v.l.n.r.: Michael Rostig, Thomas Unger und Thomas Lauterbach)
"De Randfichten" bei einem Auftritt im Stadion von Erzgebirge Aue 2004 (v.l.n.r.: Michael Rostig, Thomas Unger und Thomas Lauterbach) Bildrechte: IMAGO/PicturePoint

Der Sänger erzählt im schönsten Erzgebirgisch, wie schwer dem kranken Michl das Holzhacken fällt und wie oft sich der Mann ausruhen muss. Dann stellt er die Frage "Lebt denn dor alte Holzmichl noch?" und alle singen fast erleichtert "Ja, er lebt noch!" Mit ihrer Version eines alten Volksliedes feierten "De Randfichten" aus Johanngeorgenstadt 2004 einen fulminanten Siegeszug in den deutschen Charts.

Mitsingen oder kopfschüttelnd abwenden

Im Sommer 2004 kam an der Schunkelnummer aus dem Erzgebirge niemand vorbei. Über 17.000 Holzfiguren vom Michl wurden verkauft. Der Song schaffte es zwar nicht ganz auf die Nummer eins in den Charts, hielt sich aber mehrere Wochen immerhin in den Top Ten. Die "Holzmichel"-Dauerbeschallung wurde irgendwann einigen zu viel: Es tauchten Postkarten mit "Tötet den Holzmichel" auf, ein Chemnitzer Stadtmagazin brachte T-Shirts mit dem Aufdruck heraus. Die Randfichten spielen heute – in anderer Besetzung als damals – ihren Hit immer noch auf Veranstaltungen. Der Song sei ein echter Glücksfall gewesen, erzählte Musiker Michael Rostig im MDR-Sachsenradio-Interview. Reich habe er der Hit die Randfichten aber nicht gemacht:

Die Lizenzen von den Plattenfirmen, die waren schon nicht schlecht. Aber das Geld gibt sich halt auch aus. Wir stehen alle gut da. Es ist nicht so, dass wir am Hungertuch nagen.

Klein, grün und irre erfolgreich

2004 raste noch ein anderer kurioser Song in den Charts nach oben: Das Kinderlied "Schnappi, das kleine Krokodil". Das Lied wurde 2001 für die „Sendung mit der Maus" erdacht und als Mp3 ins Internet gestellt. Binnen 3 Jahren wird das kleine Krokodil dann zum Kult und die fünfjährige Joy zur jüngsten Nummer-1-Interpretin aller Zeiten. Sie darf sogar bei "Wetten dass" auftreten. Doch als die Begeisterung für "Schnappi" in Genervtsein umschlägt, wird die Kleine gemobbt und gehänselt. Den Ruhm erhält das Krokodil. Weit über 100.000 Schnappi-Puppen gehen über den Ladentisch.

"Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke!!"

Wer die Komiker Wigald Boning und Olli Dietrich noch nicht aus der Comedysendung "RTL Samstag Nacht" und Sketchen wie "Zwei Stühle, eine Meinung" kannte, der wusste spätestens nach "Mief" etwas mit den Namen anzufangen. Der Blödelsong der "Doofen" über Mundgeruch, Achselschweiß und Frischverliebte wurde im Sommer 1995 zum Nummer-1-Hit. Danach sammelten die Komiker Preise ein: Bambi, ECHO und eine goldene Stimmgabel. Für einen zweiten Hit reichte es aber nicht. Immerhin: Die beiden sind als Schauspieler (Dietrich) und Moderator (Boning) noch top im Geschäft.

Die Big-Brother-Brothers

Mit ihrem Einzug ins erste Big-Brother-Haus schrieben Zlatko Trpkovski und Jürgen Milski im Jahr 2000 Fernsehgeschichte: Der Kfz-Mechaniker und der Ford-Mitarbeiter traten grundsätzlich nur im Doppelpack auf, fachsimpelten über Marius Müller Westernhagen und das Leben. Die beiden nutzten ihren Ruhm nach dem Ausscheiden aus dem Haus clever: Ihr gemeinsamer Song "Großer Bruder" stand in Deutschland vier Wochen auf Platz 1 der Charts - trotz eher bescheidener Sangeskünsten der beiden. Jürgen Milski trat danach weiter als Sänger und Moderator auf, um Zlatko Trpkovski wurde es ruhig. Angeblich soll er mit der neuen Promi-Staffel wieder ins Big-Brother-Haus einziehen.

Maschendrahtzaun

Selbst der Streit über einen Knallerbsenstrauch schaffte es ganz nach oben in den Charts. Mit "Maschendrahtzaun" bewies Tv Total-Moderator Stefan Raab, dass man aus fast allem einen Nummer-1-Hit basteln kann. Regina Zindler aus Auerbach im Vogtland hatte in der Fernsehgerichtsshow "Barbara Salesch" geklagt, dass der Strauch ihres Nachbarn ihren Zaun beschädige. Raab schnappte sich 1999 die Sound-Schnipsel "Maschen-Draht-Zaun" und "Knall-Erbsen-Strauch" der Vogtländerin und baute mit der Gruppe "Truck Stop" daraus einen Country-Song. Regina Zindler fühlte sich veralbert und klagte öffentlich:

Ich empfinde mich als Opfer, dass geärgert und schlecht behandelt wurde und dagegen wehre ich mich.

Immer wieder reisten Maschen-Draht-Zaun-Fans ins Vogtland, riefen "Regina! Regina!" und klauten sogar Teile des Zauns. Doch Raab zeigte ein Herz für die Kleingärtnerin, die er mit dem Lied durch den Kakao gezogen hatte. Für jede verkaufte Single bekam sie 10 Pfennig (umgerechnet 5 Cent). Das ergab bei 800.000 abgesetzten Exemplaren der Single eine ordentliche Summe. Im Alleingang wollte Regina Zindler noch einen Hit nachsetzen. Ihre Hymne "Frieden am Zaun" lockte aber keinen mehr hinterm Knallerbsenstrauch vor.

Dieses Thema im Programm DIE MDR JUMP MORNINGSHOW | 08. August 2019 | 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2019, 11:54 Uhr

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