Rauch bei einem Silvesterfeuerwerk in Berlin
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Verbotsdebatte um privates Feuerwerk zu Silvester

05.09.2019 | 15:00 Uhr

Die Deutsche Umwelthilfe möchte privates Feuerwerk zu Silvester verbieten. In 31 Städten sei die Feinstaubbelastung dann höher als sonst schon. So soll in Halle in Sachsen-Anhalt Böllern und Feuerwerk eingeschränkt werden. Wir haben in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nachgefragt, was man dort von einem möglichen Verbot hält.

Rauch bei einem Silvesterfeuerwerk in Berlin
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Feuerwerk kaufen, Böller zünden, Raketen in den Nachthimmel jagen, die Leuchtbatterien der Nachbarn bestaunen: Das gehört für viele zu Silvester und zum Reinfeiern ins neue Jahr einfach dazu. Die privaten Feuerwerke sorgen aber jedes Jahr aber auch für eine Menge Müll und dicke Rauchschwaden. Das will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) jetzt so nicht mehr hinnehmen und bringt sich vier Monate vor Silvester schon mal in Stellung gegen private Feuerwerke.

"Hundertfache Belastung" durch Feuerwerk

Die Deutsche Umwelthilfe hat gefordert, private Feuerwerke in besonders durch Feinstaub belasteten Städten zu verbieten. In 31 Städten wurden entsprechende Anträge gestellt. Dazu gehört auch Halle und ist damit aber die einzige Stadt aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagte der ARD:

Jürgen Resch
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Jedes Jahr aufs Neue verursacht die archaische Böllerei zum Jahreswechsel dicke Luft in unseren Städten, wie sie sonst in Smog-Hochburgen asiatischer Metropolen beklagt wird.

Tatsächlich entstehen beim Abbrennen von Böllern und riesigen Leuchtbatterien jedes Jahr in den Stunden um Silvester herum mehr als 4.500 Tonnen Feinstaub. Dabei werden auch Schadstoffe wie Metalloxide, Schwefelverbindungen und Dioxine freigesetzt, die bei Windstille und trockener Luft über viele Stunden in der Luft bleiben. Das Feuerwerk sorgt dann regelmäßig dafür, dass direkt am ersten Tag des neuen Jahres extrem hohe Spitzenbelastungen an Feinstaub erreicht werden, bestätigte Leipzig auf Anfrage von MDR JUMP:

Die hohe Belastung klingt zwar verhältnismäßig schnell wieder ab. Die extrem hohen Konzentrationen verursachen häufig jedoch eine Überschreitung des gesetzlich begrenzten Tagesmittelwertes in Höhe von 50 µg/m³. Ergebnis ist dann ein erster Überschreitungstag bei insgesamt 35 zulässigen Überschreitungstagen im Jahr.

Insgesamt verursachen private Feuerwerke in wenigen Stunden rund 15 Prozent der Feinstaubmenge, die im Straßenverkehr das ganze Jahr über freigesetzt wird. Der Verkehr sei damit weiter der Hauptverursacher von Emissionen in den Kommunen, findet der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Der hat sich kürzlich gegen ein pauschales Verbot von privaten Silvester-Feuerwerken ausgesprochen. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte dazu der "Neuen Osnabrücker Zeitung":

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer vom Städte- und Gemeindebund
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Neujahrsböller sind ein Ausdruck von Lebensfreude und sollten daher nicht generell untersagt werden.

Rückenwind für Verbotsforderung in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) hatte schon Ende Juli gesagt, sie unterstütze den Vorstoß der Deutschen Umwelthilfe. Sie begründete das gegenüber MDR JUMP noch einmal so:

Claudia Dalbert
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Die Feinstaubbelastungen in der Luft sind in den Silvesternächten immer extrem hoch. Deshalb halte ich es für sinnvoll, die private Böllerei in den Städten zu verbieten und stattdessen ein großes zentrales Feuerwerk anzubieten. Denn Feuerwerk gehört zu unserer Kultur.

Feuerwerksraketen
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In Halle/Saale diskutiert der Stadtrat am 12. September darüber, wie die Stadt die Forderungen von der Deutschen Umwelthilfe erfüllen könnte. Unter anderem sollen Anträge dazu geprüft werden, ein städtisches Feuerwerk zu veranstalten und für die gesamte Altstadt Böller und Raketen zu verbieten. Letzteres machen schon Quedlinburg oder Tangermünde so. Für den Luftreinhalteplan sei aber das Land zuständig, so der Sprecher des Oberbürgermeisters Drago Bock. Auch Magdeburg verweist bei Fragen zu möglichen Verboten für private Feuerwerk auf das Land Sachsen-Anhalt. In der Stadt selbst gebe es dazu bisher keine Überlegungen.

Keine Verbotspläne in Sachsen

In Sachsen gibt es laut Umweltministerium derzeit keine Pläne, private Feuerwerke zu Silvester einzuschränken. Im Freistaat seien zudem die Landkreise und Kommunen selbst für ihre Luftreinhaltepläne zuständig. Städte und Gemeinden könnten selbst Verbote erlassen. Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen antworte auf unsere Anfrage:

Müll nach der Silvesternach 2018/19
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Die Feinstaubbelastung in Dresden bewegt sich seit einigen Jahren unter den vorgegebenen Grenzwerten. Private Feuerwerke spielen für das Thema Feinstaub bei Einzelereignissen wie etwa Silvester eine Rolle - sonst kaum.

In der Landeshauptstadt gelten seit August 2018 schon strengere Vorgaben für kleine und große Feuerwerke, die beispielsweise Konzertveranstalter oder Brautpaare außerhalb von Silvester anmelden wollen. Die Zahl dieser Feuerwerke hat Dresden stark eingeschränkt, damit Anwohner weniger durch Lärm belästigt werden. Auch Leipzig schränkt schon seit Jahren private Feuerwerke das Jahr über stark ein, um Lärm- und Feinstaubbelastung möglichst niedrig zu halten.

Schon jetzt Verbote in manchen Städten in Thüringen

Auch das Thüringer Umweltministerium sieht derzeit keinen Handlungsbedarf bei privaten Feuerwerken zu Silvester. Auf Anfrage von MDR JUMP verweist das Umweltministerium darauf, dass im Freistaat schon seit Jahren die Grenzwerte für Feinstaub eingehalten werden. Daher gebe es auch keine Pläne für Verbote. Schon jetzt gibt es aber in einigen Städten Thüringens Verbote für Feuerwerkskörper. So sollen zum Beispiel die Innenstädte von Bad Blankenburg, Bad Langensalza, Gotha, Rudolstadt, Saalfeld, Schleusingen, Dingsleben, Wasungen und Weimar vor Lärm, Feinstaub und Brandgefahren geschützt werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 05. September 2019 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 15:00 Uhr

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