Schockierend: Mitteldeutschland erlebt den dritten Dürresommer am Stück

Ferienkinder freuen sich, wenn die Sonne scheint. Auch Biergartenbesucher haben keine Lust auf Regen. Aber Bauern und Forstleute warten dringend auf Nasses von oben. Doch allzu viel passiert da gerade leider nicht.

Ausgetrockneter und gerissener Boden
Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Nein, Olaf Feuerborn ist wirklich nicht zufrieden. „Die Ernte ist besser als in den letzten beiden Jahren, aber immer noch unter dem Durchschnitt. Wir brauchen dringend Regen, um die Erträge bei Zuckerrüben und Mais zu sichern“, klagt der Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt. „Im Unterboden haben wir nach wie vor keine Wasservorräte von denen die Pflanzen zehren könnten.“

Bei der Wintergerste hat das wenige verfügbare Wasser die Bestände vorzeitig abreifen lassen. Niederschläge im Juni zu spät für die Wintergerste, beim Winterraps war es auch so. Zumindest hoffen die Bauern im Land auf etwas bessere Erträge beim Winterweizen.

Auch in Thüringen klagen die Bauern über unterdurchschnittliche Ernten. In Sachsen ist das Bild gemischt: „Wir haben Betriebe, da läuft es ertragsmäßig im Durchschnitt gut. Andere hingegen sind existenziell bedroht oder deren Liquidität ist nicht mehr gesichert, “ sagt Torsten Krawczyk, der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes.

Selbst ein paar Regentage am Stück würden das Defizit nicht ausgleichen

Für den Juli hat der Deutsche Wetterdienst nachgerechnet: Mit rund 50 Litern pro Quadratmeter fielen deutschlandweit nur 65 Prozent der langjährigen Regenmenge. Außerdem hätten sie Gebiete, in denen das Niederschlagssoll erfüllt wurde, meist nur ganz im Süden und im hohen Norden des Landes gelegen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren die Regenmengen jeweils deutlich unter dem Durchschnitt.

In unserer Region fällt tatsächlich schon seit längerer Zeit im Schnitt zu wenig Regen. Für Sachsen hat das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mal ausgerechnet, was das konkret heißt. Demnach fehlt im Land derzeit etwa eine Regenmenge von 400 Litern pro Quadratmeter. Das ist so in etwa der Inhalt von drei Badewannen. Pro Quadratmeter, wie gesagt. Eine solch große Menge ist auch mit ein paar Regentagen am Stück nicht aufzuholen.

Landkarten des Dürremonitors sind tiefrot

Deutschland im Allgemeinen und unter anderem der Osten im Speziellen stecken im dritten Trockensommer in Folge.

Auch der Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig zeigt, wie dramatisch die Lage derzeit ist: Vor allem im Unterboden herrscht eine dramatische Dürre. Die Landkarten der Experten sind gerade bei uns in der Region tief rot eingefärbt. "Die derzeitige Situation ist wirklich außergewöhnlich. Ich hätte nicht gedacht, dass dies so früh passiert. Wenn ich 2017 gefragt worden wäre, ob ich so etwas für möglich halte, hätte ich wahrscheinlich die Jahre rund um 2040, 2045 prognostiziert – aber nicht jetzt", so UFZ-Klimaforscher Andreas Marx.

Für Sachsen-Anhalt zum Beispiel bilanzieren die Klimaforscher: Innerhalb von sieben Jahren hat sich das für Pflanzen verfügbare Wasser im Boden halbiert. Und die Wissenschaftler haben auch für die Zukunft keine guten Nachrichten für die Landwirte: „Wenn man sich nach aktuellen Klimamodellen richtet, gibt es einige Regionen in Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland, in denen künftig weniger Niederschlag fallen wird. Diese könnten in kommenden Jahren für die Landwirtschaft ausfallen“, so UFZ-Experte Hans-Jörg Vogel.

Auch für Thüringen sind die Prognosen mies: In Teilen des Thüringer Beckens dürfte die im Boden zur Verfügung stehenden Wassermenge bis 2050 auch um rund 40 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel zurückgehen, heißt es von der Thüringer Klimaagentur. „Die Klimakrise und die zurückliegenden Trockenjahre machen sich in der Wasserbilanz deutlich bemerkbar. Der gesamte Wasserhaushalt ist in Stress geraten. Das spüren derzeit Landwirtschaft und Forst besonders“, warnt daher der Erfurter Umweltstaatssekretär Olaf Möller.

Neben den Bauern haben auch Forstleute mit der Trockenheit zu kämpfen. Durch den Wassermangel sind die Bäume massiv geschwächt. Das macht sie oft zum leichten Ziel von Schädlingen. In vielen Wäldern unserer Region, in den Nationalparks im Harz, der Sächsischen Schweiz oder dem Hainich zum Beispiel sieht es teils verheerend aus. Aber auch Stadtbäume leiden am Wassermangel. So kommen Linde, Ahorn und Platane mit dem Klimawandel nicht gut zurecht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 08. August 2020 | 07:10 Uhr

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