Silvester Feuerwerksverbot: Politik reagiert zurückhaltend

Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, soll es Silvesterböller und privates Feuerwerk in Innenstädten künftig nicht mehr geben. Der Verband kritisiert die Verschmutzung und die große Menge an Feinstaub. Deshalb solle Feuerwerk in Städten verboten werden. Doch aus der Politik gibt es zurückhaltende bis ablehnende Reaktionen.

Silvesterfeuerwerk
Die Deutsche Umwelthilfe will Feuerwerk in Innenstädten verbieten. Bildrechte: IMAGO

Erst knallt es, dann leuchten die bunten Raketen am Himmel auf, bis sie hinter Rauchschwaden verblassen. Am nächsten Tag sind nur noch Plastikteile und Müllfetzen davon übrig. Aber es mache Spaß, sagt Judith Skudelny von der FDP. Dabei verstehe sie persönlich gut, wenn Menschen mit Kindern oder Haustieren von der Knallerei genervt seien. "Aber an einem Tag im Jahr kann man das als Gesellschaft vertragen, auch die Umwelt kann das. Das Verbot ist nicht effizient. Es bringt Menschen gegeneinander auf, es erweckt keine Akzeptanz für Umweltschutz und deswegen halte ich es für falsch."

Vernunft statt Verbot

Die Deutsche Umwelthilfe fordert zwar kein komplettes Verbot von Silvesterknallerei, aber zumindest in dicht bewohnten Innenstädten. Am liebsten schon dieses Jahr: Der Verband hat in 98 deutschen Städten beantragt, Feuerwerk und Böller zu verbieten.

Dafür sind die Kommunen verantwortlich. Und die können jetzt schon Verbote verhängen, wenn Gefahr besteht – ob vor Krankenhäusern, Tierheimen oder in der Nähe von Fachwerk. Deshalb ist zum Beispiel in der gesamten Quedlinburger Altstadt kein Silvesterfeuerwerk erlaubt. Die bisherigen Regeln reichen, findet Gerd Landsberg, der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes:

Was wir in Deutschland wirklich genug haben, sind Verbote, Regelungen und ähnliches. Ich glaube, die Menschen werden das nicht akzeptieren.

Gerd Landsberg (CDU)

Es sei Aufgabe der Politik, so Landsberg, "die Leute zu überzeugen, damit vernünftig umzugehen. Teilweise machen Städte dann ja auch öffentliche Feuerwerke an Plätzen, wo Gefahren ausgeschlossen sind."

Feinstaub-Belastung hält sich in Grenzen

Zugucken statt selber böllern – das ist für viele eh schon die entspanntere und günstigere Alternative. Selbst bei den Grünen sind nicht alle für ein Feuerwerksverbot. Der Berliner Landesverband setzt sich dafür ein. Aber die grüne Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke ist da zurückhaltender und möchte lieber "auf Beschränkungen und Vernunft setzen".

Wenn es nicht anders geht, muss man zu Verboten kommen. Das sollte dann aber von Kommune zu Kommune geregelt werden.

Steffi Lemke (Grüne)

Auch das Bundesumweltministerium sieht für den Umweltschutz wichtigere Stellschrauben. Sprecher Nikolai Fichtner zufolge trägt der Verkehr viel mehr zur Feinstaubbelastung bei – nämlich 40 Prozent. Das Silvesterfeuerwerk dagegen "verursacht rund zwei Prozent der gesamten Feinstaubemission eines Jahres. Wie viel davon nachher als Immission bei den Menschen ankommt, hängt sehr stark vom Wetter und Wind an Neujahr ab."

Die gute Nachricht: Mittlerweile blieben alle Städte unter den Feinstaub-Grenzwerten, so Fichtner. "Wir wollen trotzdem nicht nachlassen, wenn es um Feinstaub geht. Aber wir konzentrieren uns dabei auf die Maßnahmen, die das ganze Jahr über wirken." Zum Beispiel weniger Düngung, die letztlich auch Feinstaub produziert, oder statt der Verbrennungsmotoren umweltfreundlichere Antriebe für Autos.

Tradition soll bleiben

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert: Innerhalb weniger Stunden entstünden durch Feuerwerk zum Jahreswechsel circa 5.000 Tonnen Feinstaub. Aber nur kurzfristig, hält Marie-Luise Dött, die umweltpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, dagegen. "Das ist ja keine Kontinuität in der Belastung. Deswegen ist es aus meiner Sicht unerheblich. Diese alte Tradition, dass wir das alte Jahr mit ordentlichen Böllern verabschieden und alle Geister verjagen und uns freuen auf das neue Jahr – das sollten wir doch nicht vermiesen."

Zumindest klingt es nicht danach, dass die Politik den Menschen die Silvesterknallerei vermiesen will. Nur an die Vernunft appellieren alle, es nicht zu übertreiben.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 27. Oktober 2019 | 12:37 Uhr

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