Mann mit Handy vor der Funkloch-Karte der Bundesnetzagentur (Collage: MDR JUMP)
Bildrechte: imago/Westend61/Bundesnetzagentur (Collage: MDR JUMP)

Funkloch-Karte: Die größten Lücken im Handynetz

12.11.2019 | 16:12 Uhr

In welchen Regionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Handy-Nutzer keinen oder nur schlechten Handy-Empfang? Wo reicht das Internet über das Smartphone grade mal für WhatsApp-Nachrichten? Das zeigt jetzt die „Funkloch-Karte“ der Bundesnetzagentur. Bei der haben fast 200.000 Handynutzer mitgeholfen.

Mann mit Handy vor der Funkloch-Karte der Bundesnetzagentur (Collage: MDR JUMP)
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Auf einen Blick sieht man auf der jetzt veröffentlichten Karte der Bundesnetzagentur, in welchen Teilen Deutschlands nur das uralte 2G-Handynetz verfügbar ist. Das reicht meist nur für Telefonate und für den Empfang von WhatsApp-Nachrichten.

Vor allem Grenzregionen sind unterversorgt

In Sachsen sind auf der Karte vor allem in den Grenzgebieten zu Polen und Tschechien, in der Lausitz und im Erzgebirge Lücken in der Versorgung mit schnellen Handyverbindungen. In Thüringen sind offenbar viele Handynutzer in der Region zwischen Gera, Zeitz, Altenburg und im Ilmkreis im Funkloch. In Sachsen-Anhalt sieht es im Harz und in der Altmark bei der Versorgung mit Mobilfunk nicht so gut aus. Dort haben besonders viele Nutzer angegeben, keinen Empfang oder nur 2G zu haben. Auf 4G/LTE können in diesen Gebieten nur wenige oder gar keine Handynutzer zugreifen. Ein Überblick über die einzelnen Mobilfunkstandards liefert das Technik- und Computermagazin CHIP.

Viele Millionen Daten von Handynutzern

Mobilfunkmast auf einem Schornstein
Bildrechte: imago images / Christian Spicker

Für die Karte hat die Bundesnetzagentur vorab gratis eine Funkloch-App zur Verfügung gestellt (für iOS und Android). In der App können Handynutzer anklicken, dass sie die Mobilfunkverbindung messen lassen wollen. Etwa wenn sie gerade in einer Region ohne Empfang unterwegs sind. Die App misst dann die Verbindung aller fünfzig Meter und schickt die Daten an die Bundesnetzagentur, wenn wieder Internet verfügbar ist. Die freiwillig von Nutzern gelieferten Daten haben für insgesamt 160 Millionen Messpunkte in ganz Deutschland gereicht. Daraus wurde eine Karte erstellt, in die Nutzer bis zu ihrem Wohnort hineinzoomen können. Kleine Waben zeigen an, wo gemessen werden konnte und welche Handyverbindung dort bei den Verbrauchern anlag. Die Karte hat aber vor allem abseits der Straßen noch viele weiße Flecken. Dort hat kein Nutzer mitgemessen.

Auswahl des Netzbetreibers erleichtern und Druck aufbauen

In der Karte wird Nutzern mit einem Mausklick auch angezeit, wie gut der Empfang jeweils bei den einzelnen drei Netzbetreibern ist: Telekom, Vodafone und Telefónica (mit O2 und E-Plus). So kann jeder auch sehen, ob sich möglicherweise der Wechsel zu einem Handyanbieter am jeweiligen Wohnort lohnt. Das funktioniert spätestens allerdings dann nicht mehr, wenn in einer bestimmten Region Funkmasten ganz fehlen. Solche Funklöcher gibt es auch nach fast 20 Jahre Mobilfunk noch. Die sammelt der FDP-Kreisvorsitzende in Nordsachsen Stefan Schieritz für den Norden von Leipzig. Er kritisiert im MDR-Interview, die großen Anbieter würden sich nur um Großstädte und mittlere Städte kümmern:

Dabei sind so viele Handwerker, Spediteure, Altenpflegerinnen, aber auch Landwirtschaftsbetriebe dringend auf den Empfang angewiesen. Es müssen doch alle immer erreichbar sein.

Die Karte zeigt erstmals übersichtlich und auf einen Blick, wo genau diese Funklöcher auch 2019 noch klaffen. Ob sich an diesem Zustand etwas ändert, ist allerdings noch offen. Immerhin dürfen laute dem Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die Handyanbieter jetzt die Sendeleistung der Funkmasten in den Grenzregionen hochregeln. Das soll für besseren Handyempfang sorgen. Zum anderen haben Telekom, Vodafone und Telefonica angekündigt, gemeinsam die Funklöcher zu schließen. Sie wollen bis zu 6.000 neue Funkmasten koordiniert aufbauen und auch gemeinsam nutzen. Das funktioniert in anderen europäischen Ländern bereits.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 12. November 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 16:12 Uhr

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