Stress in der Weihnachtszeit vermeiden

09.12.2019 | 17:00 Uhr

Geschenke kaufen, Weihnachten vorbereiten, das Jahr abschließen: Gegen Ende des Jahres beginnt wieder der alljährliche Stress. Selbst wenn man sich im vergangenen Jahr vorgenommen hat, mit allem eher anzufangen. Was wir gegen den Endjahres-Stress tun können, hat uns ein Experte verraten.

Einkaufen an Weihnachten
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Volker Busch ist Leiter der wissenschaftlichen AG Psychosozialer Stress und Schmerz an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Regensburg. Er kennt sich mit dem vorweihnachtlichen Stress nicht nur aus privater Erfahrung aus und weiß, dass er in der Psychologie sogar einen Namen hat: Planungsfehlschluss.

Faulheit spielt da nicht so die Rolle. Denn Schenken macht ja Freude. Wenn wir im Garten umgraben oder die Steuererklärung machen müssten, dann könnten wir uns faul nennen und haben deswegen keine Lust. Der tatsächliche Grund ist der, dass wir die Zeit unterschätzen, die wir für diese Dinge brauchen, selbst wenn sie uns Freude machen.

Der Stress hat einen Namen: Planungsfehlschluss

Dieses psychologische Phänomen kennt man schon seit einigen Jahren. Der Planungsfehlschluss ist die Tendenz, dass wir die benötigte Zeit einer Aufgabe unterschätzen, weil wir sie unbedingt schaffen wollen. Und wer meint aus den Fehlern des Vorjahres zu lernen, liegt falsch, meint Volker Busch:

Das hat verschiedene Gründe: Darunter, dass wir die normale Tagesplanung vernachlässigen. Denn diese Dinge geschehen alle nur nebenher. Wir alle haben etwas zu tun, einen Job, viele Aufgaben, Hobbys - die ja auch weiterlaufen. Und die Zeit, die wir dafür brauchen, die vernachlässigen wir und dadurch kommt es meist zum unterschätzen. Und zweiter Grund ist, dass wir meist versuchen, an Dinge sehr perfektionistisch ran zu gehen. Wir wollen es besonders schön. Daher brauchen wir auch für die meisten Dinge viel länger, als wenn wir uns mit weniger schneller zufriedengeben würden.

Aus vergangenen Jahren lernen

Menschen eilen 2013 an Schaufenster vorbei.
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Doch es gibt auch Tricks, um den sogenannten Planungsfehlschluss zu vermeiden. Neben den alltäglichen Aufgaben, heißt es auch die Planung des vergangenen Jahres zu verbessern: Wie lief die Planung im vergangenen Jahr? Was sollte ich besser machen? Welche Dinge eher anpacken? Diese Fragen können uns helfen Stress vorzubeugen:

Allein das Erinnern an das vergangene Jahr hilft mir, im jetzigen Jahr den gleichen Fehler nicht nochmal zu machen. Das heißt also die Rückbesinnung auf unsere Vergangenheit, das Hochholen der Dinge, die da liefen. Und dadurch vermeiden, dass man in den gleichen Stress noch einmal kommt. Das hilft.

Sich an die Vergangenheit zu erinnern, hilft auch generell die Zeit realistischer einzuschätzen, weiß der Neurowissenschaftler Volker Busch.

Der Mensch kann tatsächlich nur die Gegenwart als solche wirklich realisieren. Die liegt gerade mal bei drei Sekunden. Alles was davor war, ist Vergangenheit. Alles, was danach kommt, ist Zukunft. Der Mensch kann Dinge, die er sich in Zukunft vorstellt, zwar bildlich sehr schön ausmalen, aber zeitlich ganz schlecht einschätzen. Das konnte er noch nie gut. Und das kann er auch heute nicht.

Außerdem empfiehlt Volker Busch auch immer einen Puffer einzubauen. Besonders hilfreich sei das in Zeiten, von denen man schon vorher weiß, dass sie stressig sind. Das lässt Spielraum für Unerwartetes - und vermeidet Stress.

Dr. Volker Busch
Bildrechte: Volker Busch

Unser Experte Dr. Volker Busch ist Neurowissenschaftler und Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Da er weiß, wie man Stress vermeidet, fängt er schon im November an Weihnachtsgeschenke zu besorgen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. Dezember 2019 | 10:15 Uhr

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