Gewalttaten gegen Frauen in der Partnerschaft nehmen zu

25.11.2019 | 16:00 Uhr

Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Ehemann, Freund oder Ex-Freund umgebracht. Insgesamt wurden vergangenes Jahr über 114 000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohung oder Nötigung.

Das hat eine Auswertung des Bundeskriminalamtes anlässlich des heutigen Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen ergeben. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) nannte die Zahlen im ARD Morgenmagazin alarmierend hoch. Und die Dunkelziffer sei noch höher. Deshalb fordert die Ministerin einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus. Dazu will der Bund in den kommenden vier Jahren jährlich 30 Millionen Euro für den Ausbau von Plätzen ausgeben. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 350 Frauenhäuser, 14 davon in Sachsen, 19 in Sachsen-Anhalt und in Thüringen 16.

Frau mit blauem Auge hält Hand hoch. Auf der Hand steht "STOP"
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Dort beklagt die Gleichstellungsbeauftragte Katrin Christ-Eisenwinder, dass rund 150 Schutzplätze fehlen. Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Thüringer Frauenhäuser und Schutzwohnungen konnten vergangenes Jahr im Freistaat 100 Frauen nicht aufgenommen werden.

In Sachsen-Anhalt gibt es laut Justizministerium derzeit 121 Plätze. Ministeriumssprecher Detlef Thiel sagte MDR JUMP, dass im Moment Gespräche mit den Frauenhäusern liefen, ob diese Zahl ausreicht. Es gebe zwar aktuell keinen Mangel an Plätzen, allerdings habe sich die Aufenthaltsdauer der Frauen erhöht. Im Schnitt suchten die Betroffenen 55 Tage Zuflucht in den Frauenhäusern des Landes. Es sei schwierig Plätze zu finden, häufig müsse umgeschichtet werden. Man arbeite an einem flächendeckenden Netz und wolle sich an dem Millionen-Investitionsprogramm des Bundes beteiligen, um die Situation zu verbessern, so Thiel.

Auch in Sachsen sind die Plätze knapp. Wie die Ministerin für Gleichstellung, Petra Köpping im MDR JUMP Gespräch sagte, stehen zur Zeit 255 Plätze zur Verfügung, nächstes Jahr kommt eine weitere Einrichtung mit acht Plätzen dazu. Sachsen habe die Gelder für den Schutz von Frauen in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Im aktuellen Doppelhaushalt 2019/2020 stehen nach ihren Angaben jährlich rund vier Millionen Euro zur Verfügung. Das Angebot müsse aber noch erweitert werden, so Köpping:

Weil die Frauen ja oft mit ihren Kindern, wenn sie dort hinkommen, auch einen Arbeitsplatz haben. Das heißt, sie können nicht irgendwo wohnortfern versorgt werden, sondern das muss in der Nähe gemacht werden, damit der Alltag, auch für die Kinder unmittelbar gewährleistet werden kann. Das ist das Problem bei diesem Thema.

Deshalb begrüße sie ausdrücklich das Angebot von Familienministerin Giffey, in den nächsten Jahren den Etat mit Bundesmitteln aufzustocken.

Für Frauen, die Gewalt in der Ehe oder Partnerschaft erleben, gibt es ein bundesweites Hilfstelefon: 08000 116 016

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 25. November 2019 | 19:20 Uhr

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