Corona hat Automarkt verändert: Wie kommt man jetzt günstig an einen Gebrauchtwagen?

Während Corona hat sich der Gebrauchtwagen-Markt verändert: Auf gebrauchte Autos gab es einen regelrechten Ansturm, weil viele lieber mit dem eigenen Fahrzeug statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Gleichzeitig war das Angebot vor allem bei jungen Gebrauchten mit wenigen Kilometern auf dem Tacho kleiner als sonst. Die Gebrauchtwagenpreise sind im Schnitt spürbar gestiegen und Interessenten müssen schneller handeln als gewohnt.

Ein Kunde in einem Gebrauchtwagenzentrum 1 min
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MDR JUMP Do 04.03.2021 10:45Uhr 01:20 min

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"Es gab auf dem Markt weniger junge Gebrauchte"

Viele wollen in unsicheren Zeiten nicht in einen Neuwagen investieren oder lange darauf warten, sondern schnell ein günstiges Auto haben. Besonders gebrauchte Vans und SUVs waren während Corona stark gefragt, wie eine Auswertung der Internetplattform AutoScout24 zeigt. Danach kosteten Gebrauchtwagen im Januar 2021 im Schnitt fast 800 Euro mehr als im Januar des Vorjahres. Die Preise sind offenbar auch gestiegen, weil das Angebot bei sehr begehrten Gebrauchtwagen während Corona kleiner wurde. Das hat Patrick Lang von auto motor und sport gemerkt, der im letzten Jahr lange nach einem passenden gebrauchten Auto für seine Familie suchen musste:

Patrick Lang von auto motor und sport
Bildrechte: Privat/Patrick Lang

Viele Leute wollten individuell mit dem eigenen Auto mobil bleiben. Das hat dazu geführt, dass viele ihren Leasingvertrag verlängert haben. Mietwagenanbieter haben ihre Bestände nicht so ausgetauscht wie sonst.

Zudem haben auch Werksangehörige ihre Fahrzeuge nicht im üblichen Rhythmus wie sonst erneuert. Damit gab es auf dem Automarkt insgesamt weniger junge Gebrauchte als üblich.

Damit sind hochwertige, gut ausgestattete und junge Autos mit wenig Laufleistung gemeint. Die waren damit dann gebraucht teurer als üblich. Weil die Händler eben solche Preise verlangen konnten.

Zu solchen begehrten jungen "Volumenmodellen" gehören etwa Passat oder Golf von Volkswagen, der Audi A4 oder der 3er von BMW. Bei einigen Gebrauchten gab es dagegen ein Überangebot. Diese Autos seien aber für Endkunden in Deutschland weniger attraktiv, sagte Patrick Lange.

Das sind im Nachgang der Abgasaffäre die Diesel unterhalb von Euro 6, also Euro 4 oder 5. Oder alte Autos mit hoher Laufleistung und teils ein paar empfindlichen Mängeln. Die bekommen die Händler schwer verkauft. Und die Exporteure, die üblicherweise solche Autos in größeren Mengen aufkaufen, die waren während Corona in ihrem Betrieb eingeschränkt.  Diese Autos wurden dann auch billiger.

Vorab genau informieren und dann schneller sein als andere

Die Standzeiten für Gebrauchte bei den Händlern haben sich laut Deutsche Automobil Treuhand von Mai bis Oktober im Schnitt von 100 auf 80 Tage reduziert. Vor allem bei den jungen und begehrten Gebrauchten sind sie nochmals deutlich kürzer. Damit müssen Interessenten schneller eine Entscheidung treffen als bisher, um zum Zuge zu kommen.

Das ging auch mir so. Ich habe mich für ein Fahrzeug interessiert und hab noch ein bisschen weiter gesucht und mich zwei Tage später zurückgemeldet und zack! dann war es schon weg.

Unser Experte rät daher, sich vorab für ein bestimmtes Modell zu entscheiden und zu diesem dann alle wichtigen Informationen einzuholen.

Also vorher fragen: Wie viel Platz brauche ich, möchte ich Automatik? Was sind gängige Mängel bei diesem Auto, am Getriebe, am Fahrwerk? Dann habe ich eine Grundlage, um eine Entscheidung schnell zu treffen und kann auch die Suche deutlich einzugrenzen.

Wer dagegen viele Modelle in seine Suche aufnehme, verliere schnell den Überblick. Zu einer guten Vorbereitung gehört auch die Recherche bei Händlern und in Automobilportalen. So können Interessenten einschätzen, welcher Preis für den gewünschten Gebrauchten, dessen Laufleistung und Ausstattung realistisch ist. Auch das sollten Autointeressenten aktuell wissen: Der vom Händler angegebene Verkaufspreis ist für begehrte Gebrauchtwagen vergleichsweise fix. Da geht eher selten "noch was". Die Händler wüssten sehr genau, dass sie ihre Autos mit guter Ausstattung und wenig Laufleistung aktuell sehr gut losbekommen, sagte Patrick Lang.

Je weiter ich in die Niederungen und Nischen des Gebrauchtwagenmarktes gehe, desto besser kann ich den Preis vielleicht noch drücken. Also vielleicht im Übergang von den sehr jungen Gebrauchten hin zu den älteren mit deutlichen Gebrauchsspuren. Mit hoher Laufleistung und nicht so viel Ausstattung. Die lassen die Leute aktuell stehen.

Auch während Corona nicht von einer Probefahrt abbringen lassen

Vorab über typische Schwachstellen informieren. Den Gebrauchten bei gutem Licht beim Händler in Ruhe checken. Eine ausführliche Probefahrt. Von diesen Grundregeln für einen erfolgreichen Gebrauchtwagenkauf sollte man auch während Corona nicht abweichen:

Gerade von der ausführlichen Probefahrt würde ich mich als Käufer niemals abbringen lassen. Wer sicher gehen möchte, nimmt ein Desinfektionstuch und wischt vorher über Lenkrad und Schalthebel und Türgriffe. Das ist vielleicht auch ein neues Qualitätsmerkmal: Ich erkenne einen soliden und vertrauenswürdigen Händler auch daran, wenn der mir das Auto 'pandemiepräpariert' hinstellt für die Probefahrt.

Patrick Lang rät zudem zum Vier-Augen-Prinzip beim Autokauf:

Ich würde mir jemand mitnehmen, der vielleicht mehr Ahnung von Gebrauchtwagen generell hat oder von dem Modell, das mich interessiert. Vielleicht der Kfz-ler meines Vertrauens oder der Kumpel, der Kfz-Mechaniker gelernt hat. Der einfach so gewisse Grundlagen erkennt: Sind die Querlenker ausgeschlagen oder ist das Lenkrad-Spiel zu groß? Was ich als unbedarfter Endkunde nicht weiß.

Wer ohne Profihilfe auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf die Gebrauchtwagenchecks von Automobilclubs, von TÜV oder Dekra zurückgreifen. Die kosten zwischen 50 und 150 Euro.

Das ist aber immer mit etwas Aufwand und Vorbereitung verbunden: Ich muss einen Termin vereinbaren und auch jemand suchen, der so ein Gutachten ausstellt. Und das ist dann vielleicht schwierig vor dem Hintergrund, dass gerade eine schnelle Entscheidung gefragt ist.

Gebrauchtwagenprogramme der Hersteller

Wer etwas weniger  Risiko eingehen will, kann statt bei Privat oder beim Händler auch bei den Herstellern direkt einen Gebrauchtwagen kaufen. Das sind Leasingrückläufer, Fahrzeuge aus Mietwagen- oder Firmenflotten oder auch Wagen, die beim Neuwagenkauf in Zahlung genommen wurden.

Solche Autos aus den 'Gebrauchtwagen-Plus-Programmen' oder 'Junge Sterne' oder wie sie heißen, die sind natürlich teurer als beim Gebrauchtwagenhändler oder beim Privatverkauf. Ich gehe aber eben klar auf Nummer sicher. Weil ich einen fixen Ansprechpartner habe, den Hersteller.

Der gebe dann auch bessere Garantien auf den Gebrauchten, so die Einschätzung des ADAC. Die Garantien von Händlern für ältere Autos dagegen seien oft überflüssig. Hier würden im Kleingedruckten zu viele Defekte von der Garantie ausgenommen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. März 2021 | 10:45 Uhr

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