Handyspiele für Kinder: Deshalb sind viele problematisch

23.01.2020 | 13:15 Uhr

Digitale Spiele werden von Jugendlichen am häufigsten auf Smartphones gespielt. Doch Minecraft, Fortnite und andere beliebte Handyspiele können auf Kinder negative Auswirkungen haben. Stiftung Warentest und Pädagogen beurteilen viele Spiele als "inakzeptabel". Zu den Gründen gehören Mitspieler mit rechten Pseudonymen und Verweise auf Pornoseiten.

Eine Junge spielt auf einem Smartphone
Minecraft ist eine der kritisierten Apps. Bildrechte: dpa

Pokémon Go, Angry Birds 2, Candy Crush: Die Appstores sind voll mit unterhaltsamen Spiele-Apps. Besonders beliebt sind laut der Studie über Jugend, Information und Medien vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest die Titel Fortnite und Minecraft. Diese spielen viele 12 bis 17-jährige. Von ihnen werden sie besonders gern als Favorit genannt.

Doch viele Eltern haben Bedenken, ob diese Programme für Android und iOS etwas für ihre Kinder sind. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest bestätigt die Sorgen. Die Experten haben 14 Spiele-Apps getestet. Das Ergebnis: Keine einzige App kann empfohlen werden. Kristin Langer ist Mediencoach beim Elternratgeber "SCHAU HIN!". Sie beschreibt, worin die Probleme liegen könnten:

Die Fragen sind: Was passiert mit den Daten des Kindes, wenn ich eine Spiele-App herunterlade? Welche Berechtigungen verbinden sich damit? Dann ist wichtig einzuschätzen, ob das Spiel Werbung beinhaltet und ob mein Kind Werbung und Spiel voneinander unterscheiden kann. Das Dritte ist, dass ich schaue, ob In-App-Käufe angedacht sind.

Kristin Langer, Medienpädagogin

Damit können vermeintliche kostenlose Apps schnell teuer werden. Wir haben die Probleme der beliebtesten Spiele zusammengefasst.

Bewertung der Apps


Minecraft

Minecraft-Figuren auf einer Straße, auf einen Hund blickend
Bildrechte: Telltale

Bei Minecraft steht das Bauen von Gegenständen und Gebäuden im Vordergrund. Eine Figur soll seine eigene Welt gestalten: Dabei lernen Kinder viel über Kreativität. Aber der Hardcoremodus setzt auf brutale Kämpfe. "Je jünger ein Kind, desto gruseliger kann das sein. Die Frage ist also: Kann ein Kind unterscheiden und sagen: Es ist nur ein Spiel, oder nicht", sagt Kristin Langer.

Stiftung Warentest merkt an, dass sich Kinder leicht durch zusätzliche Bezahlinhalte verführen lassen könnten.

Bewertung der Stiftung Warentest
Kindgerechte Inhalte Angemessen
Sichere Nutzung Bedenklich
In-App-Käufe Inakzeptabel
Werbung Inakzeptabel
Datenschutz Bedenklich

Pokémon Go

Pokemon Go
Bildrechte: IMAGO

Bei Pokémon Go wird die reale Welt in das Spiel einbezogen. Die Figuren können an öffentlich zugänglichen Orten gefunden und gefangen werden. Die Problematik: Das Smartphone wird über GPS geortet. Die App speichert die Daten und erstellt Bewegungsprofile. "Wenn ich gespielt habe, sollte ich die GPS–Funktion wieder ausschalten", sagt Kristin Langer. Außerdem können andere Nutzer den Standort und den Benutzernamen sehen. Deshalb sollten Spieler auch beim Auswählen eines Namens darauf achten, dass: "der nichts über mich persönlich verrät, sodass nicht irgendjemand auf die Idee kommt, außerhalb des Spiels Kontakt zu meinem Kind aufzunehmen", ergänzt die Medienpädagogin.

Stiftung Warentest merkt an, dass vor allem der Datenschutz bedenklich sei.

Bewertung der Stiftung Warentest
Kindgerechte Inhalte Angemessen
Sichere Nutzung Angemessen
In-App-Käufe Angemessen
Werbung Angemessen
Datenschutz Bedenklich

Fortnite

Eine animierte Frau schießt auf Zombies.
Bildrechte: Epic Games

Bei Fortnite geht es darum, von 100 Mitspielern als letzter zu überleben. Hier werden vor allem die Gewalt mit Waffen und In-App-Käufe für neue Outfits der Spielfiguren kritisiert. Gefährlich wird es aber vor allem durch einen unmoderierten Chat, der über das Internet funktioniert: "Wenn mein Kind jung ist, kann es möglicherweise bestimmte Menschen noch gar nicht einschätzen. Außerdem können sich Spieler im Spielrausch beschimpfen", sagt Kristin Langer. Stiftung Warentest hat hier Mitspieler mit rechten Pseudonymen und Verweise auf Pornoseiten entdeckt.

Stiftung Warentest kritisiert vor allem den Datenschutz und, dass es kein guter Inhalt für Kinder sei.

Bewertung der Stiftung Warentest
Kindgerechte Inhalte Inakzeptabel
Sichere Nutzung Inakzeptabel
In-App-Käufe Angemessen
Werbung Angemessen
Datenschutz Inakzeptabel

Angry Birds 2

Angry Birds (Foto aus dem Film)
Bildrechte: Sony Pictures

Vögel kämpfen gegen den Schweinekönig. Angry Birds klingt harmlos. Allerdings wird oft Werbung eingeblendet, die sich optisch kaum vom Spiel unterscheidet. In-App-Käufe sollen Spieler dazu bewegen, Geld auszugeben. Das sind Probleme des Spiels. Medienpädagogin Kristin Langer sieht noch mehr: "Die gezeichneten Wesen explodieren, werden niedergeschlagen: Das kann für die kindliche Wahrnehmung nicht schön sein".

Stiftung Warentest bewertet die In-App-Käufe und die Werbung als "Inakzeptabel".

Bewertung der Stiftung Warentest
Kindgerechte Inhalte Angemessen
Sichere Nutzung Bedenklich
In-App-Käufe Inakzeptabel
Werbung Inakzeptabel
Datenschutz Bedenklich

Noch mehr Spiele-Apps

Ist ein Programm aus dem App Store für mein Kind geeignet? In der Liste von "app-geprüft.net" werden aktuelle Spiele mit einem Ampelsystem bewertet. Gefördert wird das Angebot vom Bundesministerium für Familie.

Wie lange dürfen deine Kinder täglich am Smartphone spielen?

Mehrfachauswahl möglich

Pädagogische Hinweise für Eltern

Kristin Langer hält ein Tablet in der Hand.
Kristin Langer von der Initiative "SCHAU HIN!" arbeitet als Mediencoach. Bildrechte: SCHAU HIN!

Wie reagieren Eltern am besten, wenn es um Handyspiele für Kinder geht? Medienpädagogin Kristin Langer sagt: "Wir empfehlen, dass Eltern ihre Kinder beim Spiele begleiten und erst einmal gemeinsam ein Spiel einschätzen". Das ist also eine Aufgabe der ganzen Familie. Dabei kann geklärt werden, ob eine App für das Kind geeignet ist. Wichtig sei auch, klare Grenzen zu ziehen und darauf zu achten, dass: "man beim Spielen die Zeit nicht aus den Augen verliert", sagt sie weiter. Deshalb ist die Empfehlung, Spielzeiten zu vereinbaren. Dann können die Programme zum Beispiel aus dem Google Play Store oder dem Apple App Store heruntergeladen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 19. Januar 2020 | 08:10 Uhr

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