Was du gegen Hetze im Internet tun kannst

Ein neues Gesetz soll mehr vor Hass im Internet schützen. Straftaten sollen besser verfolgt und härter bestraft werden. Experten haben uns verraten, wie du dich gegen Hetze im Netz am besten wehren kannst.

Gestellte Aufnahme zum Thema Mobbing in sozialen Netzwerken. Neben dem Gefällt mir Button von Facebook sind die Worte Du Opfer zu sehen.
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Der Austausch mit anderen Menschen im Internet ist heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Gerade in sozialen Netzwerken verhalten sich manche Menschen aber so, als wären sie in einem rechtsfreien Raum unterwegs. Seit diesem Monat gilt ein neues Gesetz gegen Hasskriminalität im Internet. Dadurch soll sich einiges ändern.

Schärfere Verfolgung von Hass im Netz

Ein Teilnehmer der BKA-Herbsttagung steht im Veranstaltungssaal des RheinMain CongressCenter (RMCC) vor dem BKA-Logo der Behörde.
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Bei Hassbotschaften im Internet müssen die Verantwortlichen künftig mit einer strengeren Verfolgung rechnen. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sind dazu angehalten, Neonazi-Propaganda, Volksverhetzung oder Mord- und Vergewaltigungsdrohungen künftig nicht nur zu löschen, sondern auch an das Bundeskriminalamt weiterzuleiten. Dazu müssen auch die IP-Adressen an die Ermittler weitergegeben werden, um Täter schneller identifizieren zu können.

Schärfere Strafen für Hetze

Drohungen im Internet sollen künftig auch stärker bestraft werden. Wer anderen eine Körperverletzung, sexuelle Übergriffe oder Beschädigungen wie das Anzünden eines Autos androht, soll behandelt werden, wie jemand, der eine Morddrohung ausgesprochen hat. Für solche Straftaten droht eine Gefängnisstrafe von mehreren Jahren. Haftstrafen sollen dabei auch für Beleidigungen im Netz drohen. Justizministerin Christine Lambrecht sagte dazu:

Wir müssen die immer neuen Wellen des Hasses stoppen. Menschenverachtung, Rassismus, Antisemitismus - all das ist im Netz allgegenwärtig. Und in der Pandemie oft noch aggressiver als zuvor.

Mord- oder Vergewaltigungsdrohungen seien keine Meinungsäußerungen, sondern Straftaten, die konsequent verfolgt werden müssten.

So kannst du gegen Hetze vorgehen

Wenn du persönlich von Hass und Hetze im Internet betroffen bist, gibt es eine Reihe an Möglichkeiten, mit dem Thema umzugehen. Allem voran empfiehlt es sich, Hilfe zu holen. Die kann im persönlichen Umfeld oder auch durch entsprechende Beratungsangebote angefragt werden

Beratungsstellen für Betroffene

  • Organisation „HateAid“: Beratungs- und Anlaufstelle für Opfer von digitaler Gewalt
  • Initiative “Hass melden“: prüft Vorfälle auf mögliche strafrechtliche Relevanz
  • aufstehen-gegen-hass-im-netz.de: definiert sich als feministisches Webangebot gegen Hate Speech 
  • Verein Zebra: Beratung für Betroffene rechter Angriffe

Hetze im Internet ist ein persönliches Thema. Wer sich nicht mit dem Problem allein fühlt, sondern mit anderen darüber sprechen kann, behält einen kühlen Kopf und nimmt böse Zeilen weniger persönlich.

Das bedeutet auch, dass du anderen Betroffenen helfen kannst, indem du dich mit ihnen solidarisiert. Dr. Iren Schulz ist Medientrainerin der Initiative „Schau hin!“. Sie sagte MDR JUMP:

Wichtig ist es, Aufzustehen und Courage zu zeigen, so wie im echten Leben. Und das muss nicht zwingend sein, indem man sich in eine Diskussion stürzt.

Hilfreich ist für Betroffene oft schon, wenn sie privat mit anderen Menschen über ihre Anfeindung sprechen können.

Besorgtes Mädchen, das den Inhalt ihres Smartphones überprüft.
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Dabei sollte es aber natürlich nicht bleiben. Es empfiehlt sich, entsprechende Beiträge in dem sozialen Medium wie Facebook oder Twitter zu melden, Beweisfotos für eventuelle Ermittlungen zu machen und den oder die Personen in dem Netzwerk zu blockieren. Jeder hat die Möglichkeit, zu entscheiden, ob er die Hetze nun strafrechtlich verfolgen lassen will. Prof. Dr. Lars Koch, Professor für Medienwissenschaft an der TU Dresden sagte dazu MDR JUMP:

Spätestens wenn sich Strukturen einer Kampagne erkennen lassen, ist es notwendig, die Polizei einzuschalten.

Das Bundeskriminalamt hat für solche Fälle eine Meldestelle eingerichtet. Dort kann auf entsprechende Vorfälle aufmerksam gemacht werden. Die Polizei in Sachsen hat ebenfalls eine Seite geschaltet, auf der Online-Anzeigen möglich sind.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 16. April 2021 | 15:15 Uhr

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