Wie du mit Hass im Netz umgehen kannst

Ein unangemessener Kommentar unter einem Beitrag auf Facebook und Co. kann nervig, aber auch sehr verletzend sein. Wir haben mit Experten gesprochen, wie ihr am besten mit solchen Situationen umgehen könnt.

Jemadn tippt auf einer Tastatur.
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Das Internet lässt uns alle miteinander in Kontakt bleiben, nur manchmal kann man sich nicht aussuchen, wessen Inhalte man konsumiert. Gehässige Beiträge im Netz, die andere Menschen beleidigen, kennt jeder. Mancher ist sogar selbst schon Opfer eines solchen Angriffs geworden.

Warum Menschen im Internet hetzen

Menschen sind im Netz genauso Teil der Gesellschaft, wie in der realen Welt. Dabei haben sie allerdings die Möglichkeit, anonym aufzutreten. Dadurch können leichter hassvolle Äußerungen übermittelt werden, erklärt Dr. Iren Schulz von der Initiative "Schau hin!":

Nicht durch Instagram oder Facebook entsteht etwas Böses, sondern das soziale Umfeld der Nutzer ist die Grundlage. Wo Menschen gut im sozialen Netz eingebunden sind, passiert sowas eigentlich nicht.

Dr. Iren Schulz, Mediencoach der Initiative "Schau hin!"

Vor allem wenn Menschen im realen Leben in eine Schieflage geraten und unzufrieden sind, können sie soziale Netzwerke als Ventil und Bühne zugleich nutzen. Das ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung dafür, andere Menschen zu beleidigen.

Was du gegen Hass und Hetze tun kannst

Egal ob du selbst von dem Thema betroffen bist, oder mitbekommst, dass jemand anderes gerade im Netz angegriffen wird, laut Schulz kann jeder etwas tun:

Wichtig ist es, Aufzustehen und Courage zu zeigen, so wie im echten Leben. Und das muss nicht zwingend sein, indem man sich in eine Diskussion stürzt.

Dr. Iren Schulz, Mediencoach der Initiative "Schau hin!"

Grundsätzlich rät sie nicht davon ab, sich an Debatten im Netz auch zu beteiligen. Viele Menschen könnten auch wieder eingefangen werden, indem man sie auf ihr Fehlverhalten hinweist, dazu müsse man nicht gleich eine Gesetzeskeule schwingen.

Wem das zu riskant ist, kann aber auf jeden Fall Solidarität mit Betroffenen zeigen. Das ist möglich, indem man ihnen eine Nachricht schreibt und beisteht. Das ist aber auch der Fall, wenn man entsprechende Beiträge dem Seitenbetreiber meldet oder in sehr krassen Fällen auch die Polizei informiert. Das sieht auch Prof. Dr. Lars Koch von der TU Dresden so:

Spätestens wenn sich Strukturen einer Kampagne erkennen lassen, ist es notwendig, die Polizei einzuschalten.

Prof. Dr. Lars Koch, Professor für Medienwissenschaft an der TU Dresden

Wie du dich schützen kannst

Schulz von der Initiative "Schau hin!" rät, achtsam mit den eigenen Daten und denen anderer umzugehen. So kann jeder versuchen, eine Steilvorlage zu verhindern, um selbst Opfer von Hetze im Netz zu werden. Koch von der TU Dresden sieht aber genau dieses Vorgehen als schwierig an, weil das dazu führen kann, den demokratischen und gesellschaftlichen Diskurs im Netz zu stören:

[Das] ist genau das, was Hass-Autor/innen erreichen wollen. Sie wollen den Diskurs homogenisieren, kontrollieren und Andersdenkende einschüchtern, ausgrenzen, zum Verstummen bringe.

Prof. Dr. Lars Koch, Professor für Medienwissenschaft an der TU Dresden

Deswegen sollte jeder im besten Falle abwägen, was er preisgibt und was die Konsequenzen sein könnten.

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