Die richtige Hundeerziehung: Darauf kommt es an!

Was sollte ein Hund können? Woran erkenne ich einen guten Hundetrainer? Und brauche ich dieses ganze Zubehör wirklich? Wir haben Hundetrainerin Franziska Herre nach Tipps für die richtige Erziehung gefragt.

Frau trainiert mit Jack Russell Terrier
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Weiches Fell, süße Stupsnase und große Welpenaugen - das reicht und schon hat man sich verliebt. Hunde sind bekanntlich die besten Freunde des Menschen. Doch damit sie einem mehr Liebe und Freude als Ärger bescheren, muss man sich um die Erziehung der Tiere kümmern. Und das ist manchmal gar nicht so leicht. Hundetrainerin Franziska Herre von Martin Rütter DOGS Weimar/Erfurt/Eisenach kann davon ein Lied singen. Den Umgang mit Aggression, Angst und Traumata, Leinenführigkeit, Lernverhalten und Verhaltensstörung sind nur ein paar der Inhalte, die sie lernwilligen Hundebesitzerinnen und -besitzern beibringt. Wir haben sie nach Tipps gefragt.

MDR JUMP: Viele Besitzer und Besitzerinnen sind stolz drauf, dass ihr Vierbeiner viele tolle Tricks kann. Ist das ein Zeichen dafür, dass der Hund gut erzogen ist?

Franziska Herre: Für mich ist es ein großer Unterschied, ob mein Hund gut erzogen oder gut trainiert ist. Wenn ein Hund viel kann, weil ich ihm viel beigebracht habe, ist das immer super. Aber Erziehung fängt da an, wo ich Grenzen setze und auch mal etwas einfordern kann. Ich habe ganz viele Hunde, die zu uns kommen, die super im Training stehen, aber einfach schlecht erzogen sind. Weil sie zu Hause keine Struktur kriegen oder keine Grenzen gezogen werden. Da wird auf nichts bestanden, weil es dann heißt: Na, der will gerade nicht. Und deswegen: Ein gut trainierter Hund ist eine super Basis, aber eine Erziehung benötigt noch etwas mehr.

MDR JUMP: Was muss ein Hund denn wirklich können, damit er gut erzogen ist?

Franziska Herre von der Martin Rütter DOGS Hundeschule in Weimar / Erfurt / Eisenach
Bildrechte: Martin Rütter DOGS Hundeschule in Weimar / Erfurt / Eisenach

Franziska Herre: Im Grunde sind es gar nicht so viele Dinge. Ich möchte gerne, dass ein Hund an einer lockeren Leine laufen kann, dass er im Freilauf rückrufbar ist und dass er keine anderen Menschen und Hunde im Alltag bedrängt. Das ist wirklich wichtig. Und der Rest sind dann immer individuelle Sachen. Ich persönlich möchte, dass Besuch kommen kann, ohne von einem Hund bedrängt zu werden. Aber auch das sehen Menschen zum Teil anders. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Aber die meisten Bedürfnisse eines Hundes werden befriedigt, wenn er Freilauf kriegen kann und wenn wir mit ihm locker von A nach B gehen können. So können wir ihn auch überall mit hinnehmen, wo er dann auch möglichst entspannt ist.

MDR JUMP: Wer sich alleine nicht mehr zu helfen weiß, sucht sich einen Hundetrainer. Wie erkenne ich denn einen guten Trainer oder Trainerin?

Franziska Herre: Zum einen finde ich es wichtig, dass es menschlich stimmt. Als Kunde sollte man sich gut aufgehoben fühlen. Zum anderen, und das ist eine Sache, die ich am allermeisten kritisiere: Wir haben viele Kunden, die schon x Trainer vor uns durch haben und ich frage: "Was hat denn der Trainer gesagt, wo das ursprüngliche Problem liegt? Und da gucken mich viele mit großen Augen an. Ich finde es wichtig, dass ein Trainer die Problematik so lange durchtestet, dass er mir am Ende einer Stunde sagen kann, wo wir ansetzen und wo die Ursache dieses Problems liegt. (...) Und es sollte sich nicht allein auf den Hund beziehen. Wir müssen auch Menschen verändern und darum geht es im Hundetraining. Und natürlich sollte ein Trainer nichts Tierschutzwidriges machen.

MDR JUMP: Ist es genauso wichtig einen kleinen Hund zu erziehen, wie einen großen?

Franziska Herre: Superwichtig für kleine und große Hunde. Leider ist es so, dass die Zahl der kleinen Hunde bei uns im Training natürlich relativ gering ist. Aber das Bewusstsein, einen kleinen Hund erziehen zu müssen, wächst meiner Meinung nach. Es ist natürlich viel leichter, einen unerzogenen kleinen Hund zu händeln, als einen ab 30 Kilo aufwärts. Und dadurch ist es dann leider so, dass Menschen faul werden und die dann nur noch nebenbei laufen lassen. Was ich unglaublich schade finde. Die haben natürlich auch Bedürfnisse und machen auch unglaublich Spaß, wenn man mit denen arbeitet.

MDR JUMP: Fachgeschäfte sind voll mit den unterschiedlichsten Gadgets für Hunde. Was ist für Sie das sinnloseste Zubehör?

Franziska Herre: Das ist eine schwierige Frage, weil ich für mich selber vieles als sinnlos erachte. Aber das ist ja sehr subjektiv. (...) Meine persönlichen Highlights sind Sachen wie diese Pfotenreinigungsgeräte, wo ich ganz sicher weiß, dass die nicht funktionieren. Und was immer ein Highlight bleibt, sind Kleidungen aller Art. Und da meine ich keineswegs so was wie Regen- oder Kälteschutz, sondern wirklich die, die nur dafür da sind, damit dein Hund kindlich und niedlich wirkt. (...) Und was sich die letzten Jahre auch vermehrt hat, sind Hunde, deren Fell gefärbt wurde. Es gibt auf dem Markt tatsächlich extra Fellfarbe, um den Hund noch schicker zu machen. Und das ist für mich dann wirklich die oberste Grenze.

MDR JUMP: Braucht ein Hund denn eine Zahnbürste und Zahnpasta?

Hund putzt Zähne mit Stock
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Franziska Herre: Ich persönlich finde es tatsächlich richtig und wichtig, dass Zähne ordentlich gepflegt werden - am besten natürlich über Kauartikel. Es gibt aber auch einfach genetische Veranlagungen oder gewisse Futtermittel, die dafür sorgen, dass ein Hund wirklich schnell Zahnstein bekommt. Und da kann man über regelmäßige Zahnpflege einfach gegenwirken. Ich habe einen Hund, bei dem wir jetzt wirklich eine Zahnreinigung beim Tierarzt machen mussten.

MDR JUMP: Sind höhenverstellbare Futternäpfe oder Anti-Schling-Näpfe sinnvoll?

Franziska Herre: Bei mir gibt es erhöhte Futternäpfe. Ich habe einen Hund, der frisst wirklich wie ein Schwein, wenn ich das mal so sagen darf. Ich kann den gar nicht auf dem Boden füttern, weil der sonst die Näpfe durch die Küche schießt. Allein deswegen habe ich Näpfe hergestellt, die 20 Zentimeter hoch und fixiert sind. So kann er erhöht essen. (...) Ich denke, dem Hund selbst ist es relativ egal. Oft ist es auch einfach nur eine optische und hygienische Sache. Anti-Schling-Näpfe sind eine Sache, die ich als vollkommen überflüssig empfinde. Menschen regen sich gerne darüber auf, dass der Hund zu schnell frisst. Man muss aber wissen, dass der Hund nun mal ein Schlingfresser ist. Das ist eine super Beschäftigung für den Hund. Aber mit der Prämisse, dass er langsamer essen soll, weil es ihm dadurch besser gehen würde, ist es absolut überflüssig. Ausgenommen sind hierbei natürlich gesundheitliche Aspekte!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 09. Juni 2021 | 15:45 Uhr

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