Mallorca und Corona: eine Insel zwischen Hoffen und Bangen

Blick auf eine Finca an der Küste Mallorcas.
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Silvina Paolino, die Chefin vom Restaurant "Sorrentino’s" in Artà, im Nordosten von Mallorca, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Keine Frage: Ein Arbeitstag bei über 30 Grad im Schatten ist anstrengend, in diesem Jahr noch mehr. Wie alle ihre Angestellten trägt auch Paolino in der Coronakrise seit Wochen ständig eine Maske über Mund und Nase. "Ganz ehrlich: lieber sollen jetzt alle Masken tragen, als dass es eine zweite Coronawelle gibt und wir wieder wochenlang das Haus nicht verlassen dürfen", sagt die Gastronomin.

Hygieneregeln werden massiv ausgeweitet

Wie in allen Restaurants auf Mallorca stehen auch im Sorrentino’s Desinfektionsmittel griffbereit, damit jeder Tisch, bevor sich ein neuer Besucher setzt, desinfiziert werden kann. Die Speisekarte wird nun meist in Form eines QR-Codes "gereicht", manchmal gibt es auch Einweg-Papierausdrucke oder es wird eine portable Tafel mit dem Tagesangebot neben dem Tisch aufgestellt.

Seit die Restaurants nach einer fast zweimonatigen Zwangspause am 11.5.20 wieder öffnen durften, haben sich Gastronomen und Einheimische an die neue Normalität gewöhnt. Auch in Supermärkten und Geschäften wurde die Maskenpflicht überwiegend sehr gut eingehalten, Probleme gab es kaum.
Und auch als Ende Juni die ersten Touristen auf die Insel kamen, lief es zunächst gut: Die wenigen Gäste verteilten sich wie beiläufig auf der beinahe leeren Insel, ein leiser Jubelschrei ging durch die Reihen der Gastronomen, Hoteliers und Einzelhändler. Ein kleines Stück der alten Normalität schien zurück zu sein.

Von Touristenströmen geht Gefahr aus

Palma de Mallorca: Straßenverkäufer stehen vor dem von Touristen gut besuchten Lokal "Las Palmeras" in der so genannten Bierstraße. In der vorigen Nacht sollen hunderte Urlauber aus Deutschland am Ballermann auf Mallorca Party gemacht haben, ohne sich um die derzeit in Spanien geltenden Corona-Regeln zu scheren. Die Regionalregierung der Balearen hat die Einführung einer strengen Maskenpflicht angekündigt, die am Montag, 13. Juli 2020 in Kraft treten soll. Dann müssen alle Menschen in der Öffentlichkeit Mund- und Nasenschutz tragen, selbst dann, wenn der Sicherheitsabstand gewahrt werden kann.
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Erst seit mehr Flugzeuge - und damit mehr Touristen - von außerhalb kommen regen sich erste Zweifel: Bilder von eng feiernden Menschen an der Playa de Palma empören nicht nur die (vor allem älteren) Insulaner. Aber nicht nur die Feierwilligen vergessen in ihrer Euphorie die Gefahr die von Covid19 ausgeht. Auch Mallorcas beliebte Wochenmärkte füllen sich wieder, die Abstandsregeln sind nicht mehr einzuhalten - und trotzdem hielten sich in den letzten Wochen nur Wenige an die Maskenpflicht. Heide Hülsmann kommentierte ein Bild vom vollen Wochenmarkt bei Facebook mit den Worten "Und da wundert ihr Euch über die neue Maskenpflicht?". Um ehrlich zu sein: Nein.

Nachdem die Regierung die Insulaner bereits zwischen Mitte März und Anfang Mai strikt in die eigenen vier Wände schickte - das Haus durfte in dieser Zeit nur für den Gang zum nächst gelegenen Supermarkt, zur Apotheke oder zum Arzt verlassen werden - wundern sich die Spanier nicht wirklich über diese Maßnahme. Und auch wenn sich die meisten Mallorquiner nach dem Sinn des Tragens einer Maske beim Einzelspaziergang fragen, so regt sich bisher wenig Widerstand. Die Insulaner lösen das Problem auf ihre Art: Sie fahren entweder mit dem Auto oder gehen im Sport-Outfit spazieren (denn Sport machen ist schließlich ohne Maske erlaubt). Und weil auch beim Spielen eines Blasinstruments keine Maskenpflicht herrscht, sollen bereits die ersten beim Spazieren mit Trompete um den Hals gesichtet worden sein. Auch einem ausgiebigen Spaziergang am Meer steht nichts im Wege, denn am Strand herrscht ebenfalls keine Maskenpflicht.

Einzelhändler müssen Krise ausbaden

Das alles hilft den Einzelhändlern, Gastronomen und Hoteliers jedoch wenig - denn aus Unmut wegen der neuen generellen Maskenpflicht haben bereits viele ihren Urlaub gecancelt. So schreibt Jutta Frings bei Facebook "Wir werden leider stornieren" und Nadine Appelstiel ergänzt "Wir auch. Das ist kein entspannter Urlaub".

Ob ein entspannter Urlaub auch mit Maske möglich ist, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist: Touristen sind auf Mallorca aktuell Willkommener denn je, die Angst vor dem Virus ist bei dem Meisten geringer als die Sorge eines erneuten Hausarrests- was wohl auch daran liegt, dass es auf der Insel nur sehr wenige Coronafälle gab und gibt.

Strand von Mallorca.
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Wenn die Urlauber jedoch nicht kommen, wird sich das Gesicht Mallorcas verändern, denn die Insel lebt maßgeblich vom Tourismus. Schon jetzt mussten viele Geschäfte, Restaurants und Hotels schließen. Die die sich noch nicht geschlagen geben müssen in den kommenden Monaten genug Umsatz machen um damit bis zum nächsten Saisonstart im April zu überleben. Das Motto lautet in diesen Tagen also: Augen zu und Maske auf. Die gute Laune lassen sich die Mallorquiner von dem Stück Stoff im Gesicht jedenfalls nicht verderben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 13. Juli 2020 | 17:40 Uhr

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