Mehlwürmer sind jetzt offiziell Lebensmittel

Eklig oder hip - was haltet ihr vom Verzehr von Insekten? Die EU-Kommission hat jetzt den Mehlwurm offiziell zum Lebensmittel erklärt. Die möglichen Anwendungen sind vielfältig.

Illustration: Mehlwürmer auf einer angebissenen Brotscheibe
Bildrechte: imago images/VWPics

Schoko-Kekse, Süßkartoffel-Tapas, Joghurtpancakes – zumindest bei einem großen Kochportal im Netz hat die Zukunft bereits begonnen. Denn alle diese Zubereitungsanleitungen haben eines gemeinsam: Sie enthalten als Zutat Mehlwürmer. Ja, richtig, Mehlwürmer. Und seit ein paar Tagen ist es ganz offiziell – Mehlwürmer sind jetzt ein Lebensmittel.

Genau genommen handelt es sich um gelbe Mehlwürmer der Art Tenebrio molitor, die von der EU jetzt als erste Insekten überhaupt zum Verzehr freigegeben wurden. Die Mitgliedstaaten haben einem entsprechenden Vorschlag der Europäischen Kommission zugestimmt.

Ein Mann hält 2019 auf einer Street Food Veranstaltung eine Schale mit Heuschrecken, Mehl- und Buffalowürmern auf Salat.
Bildrechte: imago images / Mario Hösel

Zuvor hatte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA die Mehlwürmer und ihre geplante Verwendung ausgiebig geprüft. Den Antrag gestellt hatte die französische Firma EAP Group. Sie hat nun fünf Jahre lang das exklusive Recht, die getrocknete Larve des Mehlwurms als ganzen Snack oder gemahlen zu verkaufen.

Das Pulver wiederum könnte Backwaren, Müsliriegeln, Keksen und Crackern, Süßigkeiten, Schokolade, Pasta oder Salatdressing mit bis zu 10 Prozent beigemischt werden. Die Firma verweist darauf, dass die Würmer bei der internen Qualitätssicherung unter anderem regelmäßig auf das Vorhandensein von Mykotoxinen und Verunreinigungen wie Schwermetallen sowie Organochlor-Pestiziden, Pyrethroiden und Organophosphat-Pestiziden kontrolliert würden.

Allergiehinweis nötig

Damit wäre jetzt also geklärt, dass die Insekten im Idealfall sicher zu verzehren sein sollten. Eine deutsche Aufsichtsbehörde macht jedoch eine kleine Einschränkung: „Allerdings kann der Verzehr des gelben Mehlwurms bei empfindlichen Personen zu allergischen Reaktionen führen“, so Georg Schreiber vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Das Etikett der neuen Produkte müsse daher einen Hinweis auf mögliche Kreuzreaktionen zu Allergien gegen Krustentiere oder Hausstaub-Milben tragen.

Gebratene Mehlwürmer auf einer mit Schokolade überzogenen Erdbeere
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Aber die wohl entscheidende Frage bleibt: Warum in alles in der Welt sollte jemand eigentlich Mehlwürmer essen? Nun, Insekten gelten wegen der geringeren Umweltbelastung bei der Produktion und ihres hohen Nährwerts als nachhaltige, umweltbewusste Eiweißquelle. Also lieber Mehlwurm statt Mettwurst, sozusagen.

Und in vielen Teilen der Erde werden Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer bereits regelmäßig konsumiert. Die Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass sich etwa zwei Milliarden Menschen von insgesamt 1900 verschiedenen Insektenarten ernähren. Dazu kommt, dass sich nach einer weiteren FAO-Prognose der weltweite Bedarf an tierischen Proteinen bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Und Forscher sagen: Selbst wenn noch freie landwirtschaftliche Flächen erschlossen würden, ließe sich dieser Bedarf nicht allein durch Fleisch aus der Viehzucht decken.

Niemand wird gezwungen

Knusprig gebratener Mehlwurm-Insekten-Burger in frischem Brötchen
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Warum also nicht Insekten auf dem Teller auch bei uns, wenn man Lust darauf hat? Gezwungen wird ja niemand. In Europa war der Verkauf von Lebensmitteln mit Insekten bisher durch Übergangsregeln nicht grundsätzlich verboten, fristete aber eher ein Nischendasein. Bei einem Test der Verbraucherzentralen zeigte sich unter anderem, dass die Allergiehinweise bei Lebensmitteln mit Insekten ziemlich lückenhaft waren – und die Produkte ziemlich teuer. Interessanterweise zeigte sich, dass der relativ hohe Preis für Insekten-Fans kein so großes Problem war – weil er offenbar eher vertrauenssteigernd wirkte. „Wir konnten sogar in einer Studie zeigen, dass ein hoher Preis eher die Akzeptanz von Insektenprodukten erhöht. Sie schmecken uns dann auch besser“, sagt der Psychologe Fabian Christandl von der Fresenius Hochschule in Köln.

Ob jetzt der Insekten-Boom kommen wird, werden die Verbraucher entscheiden. Bei der EFSA laufen derzeit die Verfahren zu 14 weiteren Insekten-Produkten, heißt es. Und wenn in fünf Jahren die Mehlwurm Exklusivlizenz der französischen Firma ausgelaufen ist, dann können auch andere Hersteller die Würmer in ihren Produkten einsetzen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 08. Mai 2021 | 13:45 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP