So wichtig ist die Bindung zu unserer Mutter

Am Muttertag denken viele von uns daran, was wir der wohl wichtigsten Person in unserem Leben alles zu verdanken haben. Die Beziehung ist oft nicht ohne Spannung. Aber sie ist auch entscheidend wie keine andere.

Lachendes Mädchen, das Mutter und Vaters Hand hält
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Blumen, Pralinen, Seife, eine Flasche Wein – das sind ein paar der Standardgeschenke zum Muttertag. Nun, wir hoffen, dass ihr vielleicht ein bisschen kreativer seid! Fakt ist aber, dass wir eigentlich viel zu selten über die Beziehung zu unseren Eltern im Allgemeinen und zu unserer Mutter im Speziellen nachdenken. Und Muttertag ist ja vielleicht ein ganz guter Tag dafür, das entweder allein für sich, oder aber im netten Gespräch zu tun.

Mutter mit kleiner Tochter und einem Strauß Blumen
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Es ist ja so: Seine Freunde kann man sich aussuchen, seine Eltern aber nicht. Oder wie der Psychologe Paul Watzlawick einmal sagte: „Man kann in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein.“ Dabei bestimmen die Eltern in unserer Kindheit extrem stark mit, wie es uns als Erwachsenen geht. Vor allem negative Bindungserfahrungen in unseren ersten Lebensjahren werden wir nicht mehr wirklich los.

Der englische Kinderpsychiater John Bowlby war es, der die so genannte Bindungstheorie entwickelt hat. Die besagt, dass wir in unserer Kindheit sozusagen die Schablone entwickeln, die wir später auch für alle weiteren Beziehungen nutzen. Gut ist es also, wenn wir in der Zeit eine starke Bindung entwickeln können. Das passiert dadurch, dass Eltern schnell, verlässlich und angemessen auf unsere Bedürfnisse reagieren. Anders sieht es aus, wenn sie sich gleichgültig verhalten oder uns durch übermäßiges Behüten keine eigene Entwicklung ermöglichen. Dann entstehen unsichere Bindungen.

Die seelischen Folgen können verheerend sein

Die primäre Bezugsperson ist bis heute oft die Mutter. Ihr Verhalten entscheidet also besonders. Problematisch wird es, wenn sie zum Beispiel wegen narzisstischer Persönlichkeitsstörungen nicht lieben kann. Dann können die seelischen Folgen verheerend sein. Je tiefer die Narben sind, desto ratsamer ist es, sich später im Leben professionelle Unterstützung zu holen.

Doch zum Glück haben viele von uns ja durchaus ein gutes Elternhaus, manchmal eben auch nur Mutterhaus, kennengelernt. Und noch einmal ganz speziell ist die Verbindung zwischen Müttern und Töchtern: „Mutter-Tochter-Beziehungen sind meistens innig, aber eben oft auch konfliktreich. Meistens ist beides da – Konfliktpotenzial und Liebe. Und das macht die Beziehung natürlich schon sehr besonders“, sagt die Journalistin Silia Wiebe. Sie hat das Buch „Unsere Mütter - Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen“ über die ganz besondere Mutter-Tochter-Beziehung geschrieben.

Wiebe sagt: „Man weiß heute auch aus Studien, dass erwachsene Frauen größere Schwierigkeiten haben mit ihren Beziehungen, wenn in den ersten Lebensjahren die Beziehung zur Mutter unsicher war.“

Väter sind auch wichtig

Doch auch die Rolle der Väter ist nicht zu vernachlässigen. „In der Psychologie wurde die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung eines Kindes – und erst recht einer Tochter – sehr lange gering bewertet“, sagt die Autorin Susann Sitzler, die das Buch „Väter und Töchter“ geschrieben hat. Tatsächlich begreifen heutzutage ja viele Männer ihre Vaterrolle anders als in früheren Generationen üblich: „Im Vergleich zu ihren eigenen Vätern hat sich das Selbstverständnis der heutigen Väter stark gewandelt“, heißt es etwa im Väterreport des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2018.

Vielleicht denkt ihr – wenn es sich anbietet gern auch mal zusammen mit ihm – über eure Beziehung zu eurem Vater nach. Vatertag ist ja in ein paar Tagen. Nur auf klischeebeladene Geschenke könnte ihr im Zweifel auch hier verzichten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 08. Mai 2021 | 06:40 Uhr

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