No Angel Lucy Diakovska: „Ich wollte nicht mit meiner Sexualität werben!“

Diesmal wird die Wartungsfläche Fuhrpark ins Hotelbett verlegt. In kuscheliger Atmosphäre stehen die No Angels mir Rede und Antwort. Wäre eine Kuss-Szene mit einer Frau auch Anfang 2001 denkbar gewesen? Warum hat Jess wirklich die Band verlassen? Und wie hält man einen Interview-Marathon mit nur drei Stunden Schlaf aus, wenn man noch die Kinder und Hunde dabeihat?

No Angels-Sängerin Lucy Diakovska zeigt ihre Lebensgefährtin im Musikvideo zur Neuauflage des Songs „Still In Love With You“. Zu sehen sind erotische Tanz- und Liebesszenen. Auf die Frage, ob dies auch in den Anfängen der Band vor 20 Jahren denkbar gewesen wäre, sagte sie:

Ich wollte nicht mit meiner Sexualität werben oder dadurch Presse bekommen. Für uns und mich ganz besonders war wichtig, dass wir als Sängerinnen beschrieben werden und nicht als Personen, die eine bestimmte Art von sexuellem Leben leben.

Solche Sorgen habe sie heute nicht mehr. „Heute geht es darum, zu zeigen, dass das ein ganz selbstverständlicher Teil des Lebens ist und das hat definitiv viele Menschen auch ermutigt, sich wieder frei oder offener zu zeigen.“ Das merkt auch No Angel und MDR JUMP-Musikredakteurin Jessica Wahls an den Reaktionen im Netz: „Man bekommt das jetzt ein bisschen mehr mit, dank der sozialen Medien und man bekommt viele Geschichten geschickt: Ihr habt uns damals durch das Outing geholfen mit Euren Songs.“

Von Anfang an divers

Aber die No Angels stünden nicht nur für sexuelle Diversität, betonte Lucy. „Unsere kulturelle Unterschiedlichkeit hat uns auch von Anfang an ausgemacht.“ Sängerin Sandy Mölling sagte dazu: „Wir haben es schon immer geliebt, vielseitig zu sein und so viele verschiedene Menschen anzusprechen, ohne dass es wirklich thematisiert wurde. Dass das so selbstverständlich von so vielen Menschen angenommen wurde, macht uns wirklich sehr stolz.“

Warum Jess die Band verlassen hat

Umso erschütternder war 2003 der Rauswurf von Jess aus der Band. Aufgrund ihrer Schwangerschaft habe sie die Plattenfirma nicht mehr in der Gruppe haben wollen. Man habe darüber aber bis heute Stillschweigen bewahrt. „Ja, das wäre heute nicht mehr denkbar und ich glaube auch früher war ich einfach noch zu jung, um dazu auch noch ein Statement abgeben zu können.“, erklärte Jessica. „Ich wollte auch nicht, dass pressetechnisch die Mädels zerrissen werden.“ Für Freundin Sandy sei dies der Anfang vom Ende der Band gewesen. „Jess war immer für die Balance wichtig. Jeder hat seinen Platz in der Band und ist auch elementar dafür wichtig.“, sagte sie.

Es ist nochmal was anderes, wenn sich jemand von alleine dazu entscheidet, dass er einen anderen Weg geht. Dann kann man das akzeptieren.

Comeback 2021 als Popband und Mütter

Heute sind die Freundinnen wieder vereint und beweisen, dass sie auch als Mütter in einer Popband bestehen können. Vor dem vollgepackten Interview-Tag hätten die No Angels nur drei Stunden Schlaf gehabt, wobei Sandy ihre beiden Söhne (5 und 12) immer dabei hat. „Irgendwie endet für mich nie der Job.“, sagte die 40-Jährige. „Ich muss halt immer ganz sicher sein, dass die Kinder gut versorgt sind. Und meine Stieftochter ist bei mir, die ist inzwischen 20.“ Lucy hingegen wollte auch auf der Interviewreise nicht auf ihre drei Hunde verzichten: „Es geht nicht immer ganz rund. Man muss natürlich auch Zeit investieren, aber umso schöner ist es, wenn man abends auf dem Zimmer ist oder im temporären Zuhause und dann sind die da. Und man hat dann diese Wegbegleiter mit sich und die bringen die Ruhe nach dem stürmischen Tag.“ Dazu entgegnete Sandy lachend: „Bei mir ist da keine Ruhe!“

MDR JUMP-Musikredakteur Felix Heklau trifft regelmäßig Stars zum Gespräch. Das Ergebnis kannst du auch in unserem Podcast "Wartungsfläche Fuhrpark" hören. Einfach abonnieren.

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