So ist das neue Buch von Olaf Schubert

Olaf Schubert ist ein Multitalent: Er ist Schlagzeuger, Comedian und schreibt Bücher. Sein zweites Werk heißt "Wie Dirk B. lernte, den Kapitalismus zu lieben" und dreht sich um eine Frage: Verdirbt Geld den Charakter?

Olaf Schubert steht vor einer weißen Tür
Bildrechte: Amac Garbe

Das Thema lag Olaf Schubert schon lange auf der Seele, erzählt er im MDR JUMP Interview. In seinem neuen Roman geht es um nicht weniger als den Kapitalismus. Die Handlung erklärt der Titel ganz gut: "Wie Dirk B. lernte den Kapitalismus zu lieben".

Hauptfigur Dirk B. heißt eigentlich Dirk Bergfalk, arbeitet als studierter Sozialpädagoge an einer "freien Kreativschule" und ist eine ziemlich unangenehme Person. Seine Frau Albina trennt sich zu Beginn von ihm und nimmt Sohnemann Meino, den Dirk auch schon mal liebevoll 'Meiner' nennt, gleich mit zum neuen Liebhaber Arnulf. Dirk fällt in ein tiefes Loch, aus dem ihm eine mysteriöse Smartphone-App namens "Weltenmeister" rausholt. Die coacht ihn mit kapitalistischen Kalendersprüchen zum egomanen Fiesling.

Der Kapitalismus wird immer hingestellt, als wäre er ganz böse und furchtbar, aber Dirk sieht das anders. Und er hat schöne Erlebnisse. Zumindest am Anfang.

So fasst Olaf Schubert seinen Roman zusammen. Ausgestattet mit Geld, Rücksichtslosigkeit und neugewonnenem Selbstbewusstsein scheint Dirk B. auf einmal Eindruck bei seinem Sohn zu schinden, bei den Frauen klappt es auch. Doch die Probleme wollen trotz Geld irgendwie einfach nicht weniger werden. Das führt Dirk B. in einige extrem amüsante Abenteuer.

Typisch Olaf Schubert

Das Cover von "Wie Dirk B. lernte..."
Bildrechte: S. Fischer Verlage

Wer den Humor von Olaf Schubert mag, dem wird die Geschichte von Dirk B. definitiv gefallen. Die Hauptfigur ist ein typischer Olaf-Schubert-Charakter: ein neunmalkluger Schluffi, der sich selbst für ganz besonders schlau und gewitzt hält und mit seinen verqueren Ideen eigentlich alles immer nur noch schlimmer macht.

Dementsprechend steckt das Buch voller witziger Sprüche, absurder Situationen und guter Gags. Dabei merkt man durchaus, dass Schubert und sein Co-Autor, der Hallenser Schriftsteller Stephan Ludwig, mehr im Sinn haben, als ein paar schnelle Lacher. Den beiden geht es ganz offensichtlich auch um Kapitalismuskritik. Kapitalismus sei wie ein Tauschgeschäft, erklärt Schubert im MDR JUMP-Interview

Der eine gibt dem anderen etwas. Der eine opfert Zeit und bekommt dafür Geld. Das ist das klassische kapitalistische Tauschgeschäft. Und wie bei jedem guten Tauschgeschäft, wird mindestens einer beschissen.

Wer im Roman der Betrogene ist, wird bis zum Schluss nicht klar. Der Kapitalismus ist in Schuberts Roman eine endlose Reihe von Leuten, die nach oben buckeln und nach unten treten. So richtig differenziert ist das nicht. Wer tiefe Einblicke und kluge Gedanken zum Thema Kapitalismus erwartet, ist bei Schubert definitiv an der falschen Adresse. Seine Gedanken zum Kapitalismus bleiben dann doch recht einfach. Ist das ein Manko? Nicht unbedingt, denn "Wie Dirk B. lernte, den Kapitalismus zu lieben", zielt vor allem aufs Zwerchfell und nicht auf den Kopf. Für Olaf Schubert-Fans ist das Buch also definitiv Pflichtlektüre.

Dieses Thema im Programm MDR Feierabendshow | 26. Oktober 2020 | 15:40 Uhr

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