Ostbeauftragter schlägt staatliches Grunderbe vor

Der Ostbeauftragte Carsten Schneider (SPD) schlägt eine Umverteilung von Vermögen durch ein sogenanntes Grunderbe vor. Demnach sollen alle 18-Jährigen 20.000 Euro vom Staat bekommen. Als Grund für den Vorschlag gab Schneider an, dass die Ungleichheit von Generation zu Generation wachse.

Verschiedene Euro-Scheine
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Carsten Schneider, Ostbeaufragter (SPD).
Carsten Schneider (SPD), Ostbeaufragter der Bundesregierung. Bildrechte: Photothek

Wer nichts hat, kann auch nichts zurücklegen und kein Vermögen aufbauen. Hinzu kommt: einige wenige erben Millionen, viele andere gehen leer aus. Um der sozialen Ungleichheit entgegenzuwirken, schlägt der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, ein staatliches Grunderbe vor. Demnach sollen alle 18-jährigen 20.000€ vom Staat bekommen. "Eigentum zu bilden ist für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr möglich, gerade in den Metropolen. Ein Grunderbe wäre ein interessantes Instrument, um diese Entwicklung aufzuhalten und die Startchancen ins Berufsleben etwas gerechter zu gestalten", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Grunderbe könnte Ungleichheit reduzieren

Der Vorschlag einer Grundrente kam bereits im vergangenen Jahr vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der DIW-Steuerexperte Stefan Bach sagte damals, dass es das Geld nicht bar auf die Hand geben solle, sondern etwa an Aus- und Weiterbildung, Selbstständigkeit und Wohneigentum geknüpft werde. "Wenn wir wirklich in absehbarer Zeit 'Wohlstand für alle' schaffen wollen, dann sollten wir die hohe Vermögensungleichheit in Deutschland durch Umverteilung reduzieren." Dabei könne so ein Startkapital helfen, erklärte Bach.

Finanzierung durch höhere Erbschaftssteuer für Reiche

Die meisten Menschen in Deutschland haben dem DIW zufolge kein nennenswertes Vermögen. Die reichsten zehn Prozent allein besitzen hingegen mehr als zwei Drittel des gesamten Privatvermögens. Die große Ungleichheit beim Vermögen setze sich über Erbschaften und Schenkungen fort. Der Ostbeauftragte Schneider schlägt deshalb vor, das Grunderbe über eine höhere Erbschaftssteuer der oberen zehn Prozent zu finanzieren. Schneider zufolge werden Millionenerbschaften in Deutschland zu gering besteuert.

Nach Berechnungen des DIW würde ein Startkapital in Höhe von 20.000 Euro für alle 18-Jährigen rund 15 Milliarden Euro im Jahr kosten. Der Gini-Koeffizient, das weltweit anerkannte Standardmaß der Ungleichheit, würde durch das Grunderbe aber um fünf bis sieben Prozent sinken.

Erklärung: Das ist der Gini-Koeffizient

Der Gini-Koeffizient misst Ungleichheit einer Verteilung. Am häufigsten eingesetzt wird er zur Bestimmung von Einkommens- und Vermögensungleichheit. Er kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Je höher der Wert, desto stärker ausgeprägt ist die gemessene Ungleichheit. Beispielsweise bedeutet ein Gini-Koeffizient von 0, dass alle verglichenen Personen genau das gleiche Einkommen oder Vermögen haben. 2020 lag der Wert in Deutschland bei 0,34.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Die Themen des Tages | 13. Mai 2022 | 19:37 Uhr

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