Ostsee-Urlaub: Das ärgert Meer-Fans in diesem Jahr

Wer Sommerferien an der Ostsee buchen konnte, gehört in diesem Jahr zu den glücklichsten Urlaubern. Allerdings gibt es ein paar Störfaktoren und nicht immer ist Corona schuld.

Am Strand von Travemünde hat dieser Vermieter die Strandkörbe auf Abstand angeordne
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In diesem Jahr gibt es einen Ansturm auf Urlaubsziele in Deutschland: Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei die Ostsee. Hotels und Ferienwohnungen, Häuser und Campingplätze am geliebten Meer waren viel schneller als in anderen Jahren ausgebucht. Ostsee-Urlauber müssen sich in diesem Jahr allerdings mit ein paar Dingen arrangieren, die stören können.

"Leider heute wegen Überfüllung geschlossen"

Strandzugang und Strand in Nienhagen
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Mit einer so genannten Strand-Ampel wollen einige Ostsee-Urlaubsorte sicherstellen, dass die coronabedingten Abstandsregeln auch am Meer eingehalten werden. Für Teile der Lübecker Bucht ist daher am Donnerstag ein Lenkungssystem freigeschaltet worden: Auf der Internetseite Strandticker können sich Tagesgäste über den Andrang an den Ostsee-Stränden zwischen Scharbeutz und Rettin informieren. Grün bedeutet: Es gibt noch ausreichend freie Plätze, bei gelb wird es langsam eng. Und rot bedeutet, dass der Strandabschnitt wegen zu vieler Besucher geschlossen ist. Die Infos kommen vorerst von Strandkorbvermietern und den Angestellten, die die Kurtaxe kassieren. Voraussichtlich in der nächsten Woche sollen an den Strandzugängen auch noch Sensoren installiert werden, die die Badegäste zählen und automatisch signalisieren, wenn die Kapazitätsgrenze des Strandabschnitts erreicht ist. Wegen des Ansturms von Tagestouristen hatte die Bürgermeisterin von Scharbeutz an zwei zurückliegenden Wochenenden den Zugang zum Ort sperren lassen. Mit der Strand-Ampel sollen Touristen weg von schon sehr gefüllten Strandabschnitten hin zu freieren Plätzen gelenkt werden. Noch ist offen, ob auch andere Ostsee-Orte ein Lenkungssystem einsetzen.

Achtung, Feuerqualle!

Gelbe Haarqualle im Meer vor Norwegen
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Jeder Ostseeurlauber hat sie schon gesehen und beim Schwimmen schon berührt: Quallen! Meist sind es die harmlosen Ohrenquallen. Diese haben ihren Namen von den auffälligen vier, halbrunden Zeichnungen auf der Oberfläche. Unangenehm kann für Schwimmer in der Ostsee allerdings eine Begegnung mit der Gelben Haarqualle werden, auch Feuerqualle genannt. Die Nesselkapseln der Tiere können mit ihrem Gift allergische Reaktionen und Hautrötungen hervorrufen. Gelbe Haarquallen sind im Oberflächenwasser der Ostsee eher selten. Sie gelangen durch Wind aber manchmal in die Badebereiche. Die betroffenen Stellen kann man mit Meerwasser abspülen. Alternativ kann man Sand auf die betroffene Stelle auftragen und nach dem Antrocknen vorsichtig mit einem Messerrücken abschaben. Zudem kann man die Haut gegen die Schmerzen kühlen.

Bei steigenden Temperaturen müssen Ostsee-Gäste mit Vibrionen rechnen

Bakterien im Wasser können in seltenen Fällen schwere Infektionen verursachen. Gefährdet sind davon vor allem Ältere, Menschen mit chronischen Grundleiden oder einer Immunschwäche. Wer zur Risikogruppe gehört und Hautverletzungen hat, sollte den Kontakt mit Meer- oder Brackwasser meiden. Vibrionen sind an der gesamten Ostseeküste bis in den baltischen Raum verbreitet. Sie werden aber erst bei höheren Wassertemperaturen aktiviert. Christian Kohl vom Kieler Gesundheitsministerium sagte dazu:

Aktuell ist die Badewasserqualität sehr gut. Bakterien der Gattung Vibrio Vulnificus ('Vibrionen') können grundsätzlich erst bei Wassertemperaturen ab 20 Grad aktiviert werden.

In Schleswig-Holstein seien bislang keine bakteriologischen Belastungen nachgewiesen worden. Insgesamt hat das Wasser auch an den Stränden in Mecklenburg-Vorpommern eine sehr gute Qualität, so das Landesamt für Gesundheit und Soziales. An den etwa 500 ausgewiesenen Badestellen im Nordosten sei das Baden uneingeschränkt möglich. Die Zahl sommerlicher Vibrionen-Infektionen könnte in den kommenden Jahren als Folge der globalen Erwärmung insbesondere an der Ostseeküste weiter zunehmen. Grund dafür sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung ( BfR ) steigende Wassertemperaturen etwa der Meere und in Flussmündungen. Sie erleichtern den salztoleranten Bakterien die Ausbreitung.

Viel mehr Menschen als sonst machen in Deutschland Urlaub

Der Trend zur Urlaubsfahrt mit dem Auto und zu Zielen in Deutschland könnte in diesem Jahr zu ähnlich vollen Autobahnen und Staus führen wie in anderen Jahren. Das gleicht möglicherweise aus, dass viele aus Sicherheitsgründen, wegen harter Einschnitte im Job oder Arbeitlosigkeit 2020 wohl ganz auf den Urlaub verzichten. ADAC-Reiseexperte Roman Suthold sagte dazu Ende Juni:

Wir erwarten wegen der Corona-Krise weniger Auslandsreisen per Flugzeug und dafür mehr Urlaub mit dem Auto in Deutschland und den Nachbarländern. Wer flexibel ist, sollte wieder auf einen anderen Reisetag ausweichen, zum Beispiel Montag oder Dienstag.

Auf einer dreispurigen Autobahn stehen Autos, Lkw und Wohnmobile im Stau
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Besonders auf den klassischen Reiserouten wie der A9, auf der A10, der A24 oder auf der Umfahrung an der abgesackten A20 kann es Probleme geben. Das könnte die Anreise an die Ostee anstrengend machen.

Mit Material von AFP und dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Nachrichten | 02. Juli 2020 | 14:00 Uhr

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